Archiv für September 30, 2014

Rot-Weiß Erfurt vs. FSV Mainz 05 II 1:0

Wenn ich ein Spiel des FC Rot-Weiß Erfurt sehe, leide ich innerlich an jedem Fehlpass, jeder vergebenen Torchance, jedem Abpraller, der nicht zu einem unserer Spieler springt und an tausend weiteren Unzulänglichkeiten mehr, die einem perfekten Spiel entgegen stehen. Im Spiel gegen die 2. Mannschaft des FSV Mainz 05 gab es viel zu leiden. So wie in vielen Spielen seitdem ich Anhänger der Rot-Weißen bin. Einerseits. Andererseits freute ich mich über den fünften Heimsieg in Folge und die erneute Bestätigung meiner These, dass wirklich schwache Mannschaften in dieser Liga schlichtweg inexistent sind. Jedenfalls gibt es keine, die man en passant aus dem Steigerwaldstadion, das bald eine Arena sein wird, schießt. Insofern halte ich die massive Kritik, die derzeit selbst nach einem Sieg auf Mannschaft und Trainer niedergeht, für überzogen. Man erfährt in vielen dieser Äußerungen manches über die Kritiker und wenig über das Spiel der Erfurter Mannschaft.

Natürlich spielte RWE nach der frühen Führung zu passiv, Mainz kam zu Chancen, ein Ausgleich für die Rheinhessen wäre verdient gewesen. Wie schon häufiger in den letzten Partien funktionierten Pressing und vor allem Gegenpressing (sprich attackieren nach eigenem Ballverlust) zu häufig nicht. Vor allem das zentrale Mittelfeld wurde einige Male überspielt, was bei den spielstarken Mainzern quasi immer dazu führte, dass sie die sich bietenden Räume nutzten, um sich gefährlich vor das Erfurter Tor zu kombinieren. Insgesamt muss man derzeit die Arbeit gegen den Ball in einigen Spielphasen kritisieren. In der zweiten Halbzeit wurde vieles besser, auch weil die offensiven Flügelspieler und die Stürmer konsequenter und effektiver nach hinten arbeiteten. Im Resultat hatte Mainz so gut wie keine Torgelegenheiten mehr.

Am meisten Blutdruck hatte ich jedoch bei zwei Szenen von Andreas Wiegel. Ich finde es großartig, dass wir wieder einen Tempodribbler von hohen Graden in der Mannschaft haben, und denke, dass er in den letzten Wochen noch einmal einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht hat. Aber bei seinen beiden Chancen in der 2. Halbzeit muss er den viel besser postierten Kammlott anspielen, dann werden aus passablen Einschussmöglichkeiten Großchancen. Egoshooting kann sich das Team nicht leisten.

Zur Gretchenfrage 4-4-2 oder 4-2-3-1? Ich kann gut verstehen, dass Kogler weder auf Kammlott noch auf Brandstetter verzichten möchte. Deshalb halte ich das 4-4-2 für das derzeit richtige System zu Spielbeginn. Trotzdem müssen einige Problemstellen auf dem Platz beantwortet werden. Zum einen ist das Offensivspiel zu statisch, wenn sich beide Stürmer nicht entsprechend nach hinten orientieren und als Anspielstation im Mittelfeld anbieten. Hier kann man als Anschauungsunterricht die gegenwärtige Spielweise der Gladbacher Borussia nur empfehlen. Sowohl Kruse als auch Raffael lassen sich wechselweise tief in die eigene Hälfte fallen oder überladen die Flügel und sorgen derart für eine extreme Unausrechenbarkeit des Angriffsspiels. So muss das. Im Defensivspiel dürfen die Stürmer nicht ausschließlich als erste Pressingreihe auftreten, sondern müssen situativ nach hinten arbeiten, um Lücken (z.B. bei einem nicht gelungenen Gegenpressing) zu schließen. Als Stürmer Kräfte sparen wenn der Gegner angreift, war früher.

Auch die Integration von Okan Aydin war alles andere als optimal, aber das ist wohl kaum als Überraschung zu werten, schließlich war es sein Debüt in der Startelf. Fast durchweg gut gefallen hat mir die Leistung der Abwehr, auch der zuletzt viel kritisierte Judt bot ein überaus solides Spiel. Um Rafael Czichos mache ich mir langsam Sorgen, denn seine Qualitäten als offensiver Linksverteidiger werden so manchem Zweitligisten nicht lange entgehen.

Es wird sich in den nächsten Wochen entscheiden, ob es Kogler schafft, die offensichtlichen Defizite weitgehend zu eliminieren. Gelingt dies, hat der FC Rot-Weiß gute Chancen lange oben mitzuhalten. Das diesjährige Personal gibt dies allemal her. Doch selbst wenn es so geschieht, werde ich wieder viel leiden.

FC Rot-Weiß Erfurt vs. Holstein Kiel 3:2

Nach dem Spiel konnte niemand sagen, wann der FC Rot-Weiß Erfurt zuletzt drei Tore nach Standards erzielt hatte. Abgesehen von Pfingsten-Reddigs Elfmetern war das lange Zeit eine vernachlässigte Toreinnahme-Quelle. Es blieb Walter Kogler vorbehalten, die Gründe dafür zu nennen: Mehr gute Standardschützen (in diesem Fall: Tyrala, Aydin und Möhwald) und eine größere Anzahl potenzieller Abnehmer. Daraus resultierend: weniger Ausrechenbarkeit für den Gegner.

Soweit zu den ausschließlich positiven Aspekten des Spiels. Auf der anderen Seite ist zu vermerken, dass RWE die Standards so dringend benötigte wie die FDP Zweitstimmen, weil aus dem Spiel heraus wenig Konstruktives gelang. Das lag in erster Linie an einer bockstarken defensiven Vorstellung der Kieler. Carsten Neitzel und sein Trainerteam hatten definitiv ihre Hausaufgaben erledigt. Nichts war es mit einem gepflegten, vertikal orientierten Spielaufbau aus einer Dreierkette heraus. Quasi alle Aufbauspieler wurden früh und aggressiv gestört, sodass oft nur der Rückpass zu Klewin blieb. Dessen einzige wirkliche Schwäche, mangelnde Präzision bei langen Bällen, war ebenfalls nicht dazu angetan, das Offensivspiel von RWE zu befördern.

Kiel brachte zwar zunächst in direkter gegnerischer Tornähe auch nicht viel zustande, erwies sich aber als erstaunlich ballsicher und entzog sich so immer wieder dem Pressing der Erfurter. Beide Tore fielen dann wie aus dem Nichts. Zuerst hatte Judt einen Aussetzer und foulte Heider völlig unnötig, wenig später bilderbuchte Brandstetter die Ecke von Tyrala zum Ausgleich ins Kieler Tor.

Nach dem Wechsel brachte Kogler Aydin für den erneut wenig überzeugenden Bukva. Zunächst änderte sich dadurch wenig. Mit der folgenden Einwechslung von Kammlott (für Tyrala) wurde auf ein 4-4-2 umgestellt hatte. Aydin fand nach zehn Minuten besser ins Spiel, bzw. wurde von seinen Mitspielern in Selbiges eingebunden. Auch Wiegel, am anderen Flügel, wurde stärker. Es ergaben sich Chancen, doch erneut benötigte es einen Standard zur Führung. Danach «rächte» sicht die numerische Unterzahl im Mittelfeld, Holstein reagierte druckvoll und mit gutem Fußball auf den Rückstand, fast folgerichtig fiel der Ausgleich. Das Spiel wurde ein völlig offenes, aber der Fußballgott hatte an diesem Samstag ein Faible für Kevin Möhwald und ließ dessen Freistoß durch Freund und Feind passieren. Jetzt reagiert Kogler praktisch sofort, revidierte das 4-4-2 und wechselte Baumgarten für Brandstetter ein. Kiel mühte sich zwar noch um den Ausgleich, konnte aber die zwischenzeitliche Dominanz im Mittelfeld bis zum Ende nicht mehr erreichen.

Die drei Punkte lassen Rot-Weiß den Anschluss nach oben nicht verlieren, damit dies aber weiterhin gilt, sollte in Wiesbaden natürlich nicht verloren werden. Aber wenn ich mich recht entsinne, haben wir da eigentlich immer ganz gut ausgesehen und gepunktet. Wird trotzdem schwer, da der SVWW jetzt drei Mal in Folge verloren hat und sicher nicht scharf darauf ist, diese Serie fortzusetzen.

Auflösung Quiz

Hier nun die Auflösung des kleines Quiz. Die richtigen Antworten lauten:

Samil Cinaz

Chhunly Pagenburg

Quelle der korrekten Antwort ist eines der schönsten Fußballbücher, das vielleicht jemals geschrieben wurde. Es stammt von Ronald Reng, heißt «Spieltage – Die andere Geschichte der Bundesliga» und erzählt das Leben des Fußballers und Trainers Heinz Höher. Wer den Fußball liebt und noch nicht so genau weiß, was er sich zum nächsten Geschenkbeglückungstermin wünschen soll, vertraut mir, daran werdet ihr viel Freude haben.

 Auflösung

Es gab vier komplett richtige Antworten, aber auch eine ganze Menge von Antworten die nur einen Namen korrekt angaben. Der (inzwischen ausgewürfelte) Gewinner wurde von mir benachrichtigt. Die Karten werden morgen versandt, sollten also in jedem Fall rechtzeitig ankommen.

Vielen Dank für Eure erstaunlich zahlreiche Beteiligung.

Fedor

PS: Die richtigen Antworten wurde in der Reihenfolge ihres Eintreffens nummeriert. Den Rest hat – in Sonntagsarbeit – unsere Bestie von Hund besorgt.

Quiz: Drei Karten für das Spiel in Wiesbaden zu gewinnen

Karten SVWW - sehr klein

Nach drei Jahren trockener Bloggerei gibt es hier nun endlich auch mal was zu gewinnen.

Erster, weil einziger Preis: 3 Karten (Haupttribüne) für das Spiel SV Wehen Wiesbaden gegen Rot-Weiß Erfurt (Freitag, 12.09. 2014, 19.00 Uhr, Brita-Arena).

Worum geht es beim Quiz?

Juri Judt spielt seit dieser Saison für den FC Rot-Weiß Erfurt. Seine fußballerische Ausbildung erhielt er in Franken. Dort wurde Ende der 90iger Jahre Heinz Höher auf ihn aufmerksam. Höher, Ex-Bundesligaprofi, Trainer, ein Obersympath vor dem Herrn, widmete sich in der Spätphase seiner Karriere der Nachwuchsausbildung. Er bezeichnet Judt gerne als sein größtes Talent. In der von Höher betreuten Trainingsgruppe gab es aber noch andere erfolgversprechende Jungs. Zwei davon spielten später ebenfalls für den FC Rot-Weiß.

Wie heißen diese beiden Spieler?

Regularien: Die Karten verlose ich unter allen, die die beiden richtigen Spielernamen (Nachname genügt) in das folgende Formular eintragen und dazu anklicken, dass sie das Spiel live vor Ort ansehen wollen. Ich nehme dann mit dem Gewinner Kontakt auf und sende ihm die Karten zu. (Dafür muss natürlich eine korrekte Mailadresse eingegeben werden. Ihr erhaltet eine Bestätigungsmail sobald das Formular ausgefüllt wurde.) Sollte niemand beide Spieler kennen (oder richtig erraten), gilt die gleiche Prozedur für nur einen korrekten Spielernamen. Selbstverständlich kann jeder an dem Quiz teilnehmen, auch wenn er nicht die Absicht hat, nach Wiesbaden zu fahren. Bitte vermerkt dies dann auf dem Formular. Die korrekten Antworten werden natürlich ebenfalls hier veröffentlicht. Ende des Gewinnspiels: Sonntag, 07.09.2014, 18.00 Uhr. Alle erhobenen Daten – sind ohnehin nicht so dramatisch viel – werden einzig und allein dafür verwendet, den Sieger korrekt zu identifizieren und ihm (ihr) seinen (ihren) Gewinn zukommen zu lassen. Auch klar: Rechtsweg und so ist ausgeschlossen.

###QUIZ BEENDET###