FC Rot-Weiß Erfurt vs. 1. FC Saarbrücken 1:2 / Kein Fußball, nirgends

Saarbrücken gewann nicht nur diesen Kopfball / ©www.fototifosi.de

Die Frage, mit welcher Taktik Alois Schwartz gegen Saarbrücken beginnen würde, beschäftigte mich bereits ein paar Tage vor dem Spiel. Sollte er das 4-1-4-1 beibehalten, mit dem eine Stabilisierung der Mannschaft auf überschaubarem fußballerischen Niveau gelungen war? Oder wäre dieses System – mit drei zentralen Mittelfeldspielern – gegen den FCS eine zu hasenfüßige Wahl und ein 4-2-3-1 sinnvoller? Wen würde er für die Startformation aufbieten? Die Zeiten, in denen sich die Mannschaft von allein aufgestellt hatte sind vorüber – die Sperren abgelaufen, Langzeitverletzte trainieren seit Wochen wieder mit der Mannschaft. Es würde Härtefälle geben. Unvermeidlich.

Der Erfurter Cheftrainer entschied sich für das 4-1-4-1 und für Maik Baumgarten hinter den beiden Achtern Pfingsten-Reddig und Engelhardt. Das war überraschend, da bisher Oumari oder Engelhardt diese Position innehatten. Überraschend, ja; unplausibel, nein. Baumgarten hatte in den letzten Spielen zu überzeugen gewusst und diese zentrale defensive Position von der Pike auf gelernt. Auf der Bank saßen mit Morabit, Tunjic, Kopilas und Nielsen vier Spieler, die von ihrem Selbstverständnis her, ein eher problematisches Verhältnis zu einer dauerhaften Rolle als Ergänzungsspieler haben dürften.

Spätestens nach der Saarbrücker Führung durch Özbek war klar, dass der taktische und personelle Spielplan des RWE nicht aufging. Baumgarten bekam keine Sicherheit in seine Aktionen, vor allem das Aufbauspiel kam über Ansätze nicht hinaus. Darauf reagierte Pfingsten-Reddig. Er versuchte den Youngster beim Spielaufbau zu unterstützen, was jedoch dazu führte, dass er als offensive Relaisstation vor der gegnerischen Viererkette ausfiel. Die drei Offensivspieler spielten zu positionsbezogen und bekamen kaum Zuspiele mit denen etwas anzufangen war. Die Option, die beiden Außenverteidiger mit ins Angriffsspiel einzubeziehen, steht dem RWE (aus verschiedenen Gründen) seit Jahren nicht zu Gebote – warum hätte sich ausgerechnet in diesem Spiel daran etwas ändern sollen. Erst gegen Ende der 1. Halbzeit wurde es geringfügig besser, der Ball wurde Öztürk einige Male in die Füße gespielt und der versuchte (meist mit dem Rücken zum gegnerischen Tor) über engagierte Einzelaktionen so etwas wie Torgefahr zu erwirken. Dann entschied Schiedsrichter Sven Jablonski auf Rote Karte gegen den Saarbrücker Stiefler. Eine bei Weitem zu harte Entscheidung. Diesmal schien der Fußballgott dem RWE gewogen. Halbzeit.

Schwartz nahm Baumgarten vom Feld und brachte für ihn einen zusätzlichen Stürmer. Eine taktisch absolut richtige Entscheidung. Dass der Stürmer Nielsen und nicht Tunjic hieß, na ja, darüber kann man sicher diskutieren. Weil eigentlich klar war, wie das Spiel in der 2. Hälfte aussehen würde. Saarbrücken verteidigte tief (und überaus geschickt), dem RWE gelang es nicht seine Überzahl spielerisch zu nutzen. Trotzdem ergaben sich einige unübersichtliche Situationen im Strafraum des FCS. Und genau für diese Art von Präsenzfußball ist Mijo Tunjic der richtige Spieler. Ebenfalls diskutabel war die Entscheidung, Morabit nicht ebenfalls sofort nach der Pause zu bringen. Wenn ich böse wäre, könnte ich schreiben, dass dann das 0:2 früher fällt und der RWE mehr Zeit gehabt hätte, es noch zu egalisieren. Aber Morabit ist vermutlich schon gestraft genug, weil sein leichtfertiger Hackenfehlpass einen (gerechtfertigten) Tobsuchtsanfall von Andreas Sponsel nach sich zog. Abgesehen vom zweiten Tor für Saarbrücken natürlich. Es gelang noch der Anschlusstreffer, mehr nicht. Der FCS feierte einen eklatant wichtigen, verdienten Auswärtssieg. Verdient allein schon wegen der erstklassigen Abwehrleistung (eine Schlacht war gar nicht vonnöten), die die Saarländer in Unterzahl lieferten. Gegen einen Gegner allerdings, der vor allem fußballerisch an diesem Samstag alles vermissen ließ.

Doch sollte man in Erfurt davon absehen, nun gleich wieder das berühmte Kind mit dem nicht minder berühmten Bade auszuschütten. Nach dreiwöchiger Punktspielabstinenz kam die Mannschaft aus der Winterpause 2.0. Die mangelnde Spielpraxis merkte man ihr an, zumal gegen einen Gegner, der sich eine Woche vorher mit einer sehr ordentlichen Leistung gegen den KSC einen Punkt und das damit einhergehende Selbstvertrauen holte. Mindestens ebenso schwer wog der Umstand, dass die Mannschaft seit 2 Wochen kaum vernünftig trainieren konnte. Das ist keine Lappalie. Damit will ich nicht die vielen Fehlpässe und jeden unabgestimmten Laufweg entschuldigen. Jedoch: Die Spiele dieser 3. Liga werden oft durch Kleinigkeiten entschieden. Für jeden Verein, der da unten steht, geht es um alles. Der FC Rot-Weiß Erfurt verfügt zumindest nominell über einen Kader, der sich in diesem sportlichen Überlebenskampf behaupten kann. Damit diese Profifußballer das umsetzen können, müssen sie in der Mannschaftssportart Fußball miteinander üben. Fußballspielen üben. Dazu benötigt es professionelle Trainingsbedingungen. Sind diese nicht vorhanden, sieht man das auf dem Platz. Und wenn man diese Bedingungen nur anderenorts findet, muss man deshalb nicht gleich „eine langfristige Zusammenarbeit auf sportlicher Ebene“ heraufbeschwören. Mir jedenfalls genügt der Grusel vollkommen, der sich bei einem Blick auf die aktuelle Tabelle einstellt. Horrorszenarien, die auf nichts als auf Spekulationen gründen, braucht es da nicht auch noch.

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