Jahn Regensburg vs. Rot-Weiß Erfurt 3:1 / Ein gebrauchter Tag

Kogler & PreußerSuch a perfect day sang der große Lou Reed, von dessen viel zu frühem Tod wir gestern erfahren mussten. Nun, von einem perfekten Tag war der FC Rot-Weiß Erfurt am vergangenen Samstag in Regensburg mehr als nur meilenweit entfernt. Dies betrifft sowohl die gezeigte Leistung der Mannschaft, als auch das Resultat – denn obwohl die Rot-Weißen bereits sehr viel bessere Spiele in dieser Saison zeigten, war die Niederlage unglücklich.

Kogler war erneut gezwungen, kurzfristig umzustellen. Philipp Klewin hatte sich im Training verletzt. Für ihn kam Jeff Kornetzky zu seinem Debüt im Erfurter Tor. Und machte seine Sache – trotz der drei Gegentore, bei denen er nichts ausrichten konnte – ausgezeichnet. Pfingsten-Reddig saß wegen Trainingsrückstandes weiterhin nur auf der Bank. Im Angriff bot Kogler, neben Tunjic, Jonas Niefeld auf, auch für ihn war es ein Novum, in einem Meisterschaftsspiel in der Startelf zu stehen.

Die Geschichte des Spieles ist schnell erzählt: RWE startetet gut, kam zu Chancen, nutzte diese nicht und hatte Glück, dass Regensburg seinerseits drei prima Möglichkeiten vergab, bzw. diese von Kornetzky erstklassig vereitelt wurden. In der Pause musste Kleineheismann verletzungsbedingt vom Platz, kurz nach der Pause stimmte die Zuordnung der Viererkette überhaupt nicht und der Jahn ging in Führung. Wie schon in Halbzeit eins war RWE feldüberlegen, konnte sich aber keine wirklichen Tormöglichkeiten erarbeiten (mit der Ausnahme von Wiegels Chance in der 69. Minute). Etwas glücklich fiel der Ausgleich durch Nietfeld. Dabei wäre es vermutlich geblieben, wenn Laurito kurz vor dem Ende nicht etwas ungelenk in Amachaibou rutscht. Keinen Vorwurf an Laurito – hier gilt die ewige Fußballwahrheit: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß. Aber ein Foul war das schon. Es kann keine Rede davon sein, dass er ihn nicht getroffen hat. Den pfeifen neun von zehn Schiedsrichtern und der Zehnte sollte mal bei Fielmann vorbeischauen.

Interessanter als das alles, ist die Frage nach den Gründen für den neuerlichen Spielverlust. Ich denke, dass alle Mannschaftsteile ihren Anteil an dieser Niederlage hatten. Für die Abwehrkette ist eine Umstellung während eines Spiels immer problematisch, deshalb wechseln Trainer in diesem Bereich selten ohne Not. Die war aber gegeben, weil sich Kleineheismann – ohnehin einer der stabilsten Spieler in den letzten Wochen – verletzte. Ich würde schon sagen, dass diese Änderung, und die daraus resultierende mangelnde Abstimmung ursächlich für den Führungstreffer von Regensburg war. Gegentor zwei und drei waren dann eher Pech (Laurito) oder dem kompletten Vorwärtsdrang der Mannschaft geschuldet, die in der knappen verbleibenden Zeit noch den Ausgleich erzielen wollte.

Nach allem, was ich sah, hörte und las, haben sowohl Möhwald als auch Engelhardt ein sehr passables Spiel abgeliefert. Trotzdem: in einem 4-4-2 kommt den beiden Sechsern defensiv wie offensiv entscheidende Bedeutung zu. Sie müssen die Mannschaft organisieren, den größten läuferischen Aufwand betreiben, den Gegner am Spielaufbau hindern und für Kreativität nach vorne sorgen. Eine fußballerische Herkulesaufgabe. Mir gefällt die personelle Mischung aus Möhwald und Engelhardt eigentlich sehr gut. Beide haben keine offensichtliche Schwäche. Möhwald weist eine hohe Dynamik nach vorne auf, Engelhardt hat große defensiv-taktische Fähigkeiten. Alle zwei ordnen ihr Spiel immer dem Erfolg der Mannschaft unter. Was beide allerdings nicht im gleichen Umfang wie Pfingsten-Reddig beherrschen, ist dessen Vermögen, sogenannte «tödliche» Pässe in freie offensive Räume zu spielen. Bei zwei Stürmern ist das, wenn die sich intelligent bewegen, öfter eine Option. Das soll jetzt kein Plädoyer für die Rückkehr von Pfingsten-Reddig ins zentrale Mittelfeld sein; es soll nur deutlich machen, dass Trainer Entscheidungen treffen und dass diese Entscheidungen selten alle Vorteile miteinander verbinden.

Nietfeld und Tunjic sind zwei recht ähnliche Stürmertypen. Beide haben im Strafraum ihre größten Stärken. Trotzdem klappte das Zusammenspiel in der 1. Halbzeit ganz passabel, ohne dass es die Qualität aufwies, die der Angriff des RWE mit einem gesunden Simon Brandstetter vorzuweisen hat. Wenn Kogler beim 4-4-2 bleibt, dann sollten diese Konstellation eine zweite Chance gegen Chemnitz erhalten. Aykut Öztürks Leistung ist für mich schwierig zu beurteilen, aber ich habe mich über die eine Szene, als er einen Elfmeter herausholen will, sehr geärgert. Hier wäre der konsequente Abschluss viel sinnvoller, oder mehr noch: geboten gewesen.

Der RWE hat gegenwärtig nicht nur eine Ergebniskrise. Dies zu behaupten, hieße sich die Leistung der Mannschaft schön zu reden. Ebenso falsch wäre es allerdings, gleich wieder die Apokalypse auszurufen. Alle drei Spiele wurden knapp verloren. Es war zudem recht offensichtlich, warum die Spiele verloren gingen. Neben Dingen, die man trainieren und unter der Woche verbessern kann – wie formative Kompaktheit, Verbesserung des Umkehrspiels, Laufwege, etc. – waren für die Niederlagen individuelle Fehlleistungen, Leichtfertigkeiten und Unkonzentriertheiten maßgeblich. Faktoren, auf die ein Trainer nur bedingt Einfluss nehmen kann.

Deshalb sehe ich in erster Linie die Mannschaft in der Pflicht, unabhängig von ihrer personellen Aufstellung und taktischen Ausrichtung. Wenn es endlich wieder gelingt, die Fehlerquote nach unten zu korrigieren, wird der FC Rot-Weiß Erfurt auch wieder Fußballspiele gewinnen.

9 comments

  1. War sehr gespannt auf deinen Bericht nach dem Spiel aber du hast wieder alles gesagt was es zu sagen gab !Klasse Bericht

  2. FANthomass sagt:

    Ich sehe auch die Umstellung in der Viererkette als den Knackpunkt im Spiel.Es gab zum Teil gute Spielzüge mit vielversprechenden Chancen die leichtfertig, teilweise egoistisch (Wiegel) vergeben wurden. Wir haben seit Brandstetters Ausfall ganze 3 Punkte geholt. Ein Zeichen, dass er unersetzlich zu sein scheint. In der Hoffnung das die Truppe in der Lage ist sich für das Spiel gegen Chemnitz richtig zu pushen und ihren Schlendrian sprich Leichtsinn ablegt, und konzentriert bis zur 90+ spielt, hoffe ich auf einen Sieg am Samstag.

  3. großartiger bericht. danke dafür.

  4. Klasse Bericht, jedoch ist für mich Engelhardt seit Wochen der schlechteste Spieler auf dem Platz! Ich erwarte von ihm keine riesen Laufwege,aber ein Spieler mit solch einer sportlicher Vergangenheit,muss auch in der Lage sein entscheidende Pässe zu spielen. Das kann er einfach nicht-statt dessen,wie einst Rudi zu jedem Einwurf rennen,rennt er zu jedem Freistoß und die kommen selten mal an der Mauer vorbei!

  5. Zum Teil kann ich mit dem Bericht mitgehen, aber von ‚kaum nennenswerten Torchancen‘ zu schreiben, ist vollkommen falsch. Chancen waren genug da, wir haben sie einfach nicht gemacht. Ich denke da an Öztürk (2x freistehend), Nietfeld (kläglich rechts vorbei) Tunjic. Dem Ganzen die Krone hat Wiegel (beim Srand von 1:1) aufgesetzt – meine Nerven! Das auslassen dieser Riesenchanchen war für mich der Knackpunkt. Machen Öztürk, Nietfeld oder Tunjic die Dinger in den Anfangsminuten, wäre Regensburg nicht wieder aufgestanden. Kleineheismann hin oder her.

  6. @Oliver – Die Chancen in den Anfangsminuten habe ich erwähnt. Zwischen der Führung und dem Ausgleich gab es dann noch eine gute Chance von Wiegel – die Du ja auch beschreibst. Die habe ich tatsächlich unterschlagen. Werde ich im Text nachholend vermerken. Danke.

  7. Oha sagt:

    Guter Kommentar, aber eine Aussage verstehe ich nicht: Wieso deklarierst du den Elfmeter als gerechtfertigt, wenn beide Spieler sagen, dass es keinen Kontakt gab? Auch wenn 9/10 Schiedsrichtern den Elfer geben, heißt das doch nicht, dass es richtig ist, ihn zu verhängen?!

  8. Beim ersten Anschauen des Fouls zum Elfmeter habe ich nicht mal zurückgespult, so klar schien mir das Ding zu sein. Nachdem gestern die TA die Niederlage quasi mit dieser – aus ihrer Sicht falschen – Entscheidung begründete, habe ich es mir doch noch ein paar Mal angesehen. Es ist mir schleierhaft wieso beide Spieler sagen, sie hätten bzw. wären nicht getroffen (worden). Das geben die Bilder – vor allem der Hinterorkamera – einfach nicht her. Ich glaube gern, dass Laurito den Ball spielen wollte. Aber er trifft seinen Gegenspieler zweifellos.

  9. A sagt:

    Das letzte Saisonspiel in Rostock war ja „Banane“, deshalb durften die Jungen alle mal rein. Göbel hat mir aber am Samstag auch gut gefallen. Schade, dass wir noch nicht so ball- und passsicher sind und einen Konter reinmachen. Insgesamt ist unsere Truppe noch zu spielschwach, wenn sie wenig Räume hat. Aber die Jungen können sich ja noch entwickeln.