Aus gegebenem Anlass: Eine kleine Hommage an Juri Judt

Mit Kurt Jara, Bernard Dietz, Dir und Deinem Bruder Thomas, mit Reuter, Eckstein, Dorfner oder dem Jahrhundertfußballer Griechenlands Giorgos Koudas habe ich Spieler von absoluter Klasse trainiert. Aber wie Fußballer gerne reden, hätte man dem einen das Kopfballspiel vom anderen gewünscht und dem anderen die Zweikampfstärke oder Schnelligkeit vom Ersten, um den perfekten Spieler zu haben. 1998, bei meiner Arbeit für Greuther Fürth, hat mir der liebe Gott diesen perfekten Spieler mit dem 12-jährigen Juri Judt über den Weg laufen lassen.

Heinz Höher an Klaus Allofs (Aus: «Spieltage» von Ronald Reng)

Heinz Höher, Protagonist eines der großartigsten Bücher, das jemals über Fußball geschrieben wurde, hat seinem Zögling mit diesen Worten eine schwere Hypothek auferlegt. Zunächst verlief die Karriere des Juri Judt wie Juri_Judt_2009von seinem Mentor geplant: Er setzte sich bei Greuther Fürth im Männerbereich durch, bekam einen guten Vertrag beim fränkischen Rivalen in Nürnberg, spielte anfangs auch dort regelmäßig. Dann eine langwierige Verletzung und seitdem befand sich die Karriere im Sturzflug. In Leipzig als Stammspieler aussortiert, folgte ein hektischer Wechsel zum damals chaotisch-panischen 1. FC Saarbrücken. Selbst dort kam er nur auf fünf Einsätze. Dann – in dieser Saison – der Transfer an den Steigerwald. Hier schien es zunächst ähnlich – schlecht – zu laufen wie bei seinen vorherigen Stationen. Zunächst stellte ihn Kogler als Rechtsverteidiger in die Startelf, es folgten einige weniger glückliche Spiele und es kam, wie es kommen musste: Der genesene Luka Odak verdrängte ihn auf die Bank. Dann beorderte Kogler ihn am 20. Spieltag (gegen BVB II) ins zentrale Mittelfeld. Einigermaßen überraschend, aber dann auch wieder nicht, weil Judt dereinst in Fürth auf eben dieser Position seine vielleicht überzeugendsten Spiele bestritt. Das war lange her, aber er absolvierte in Dortmund sein bis dahin bestes Spiel für die Rot-Weißen. Das nutze ihm zunächst wenig, das Tandem Menz und Tyrala war bis zur Winterpause gesetzt. Nach ebendieser musste Menz gegen Cottbus gesperrt passen und wieder griff Kogler auf Judt zurück. Erneut machte er ein starkes Spiel: äußerst laufstark, geschickt im Zweikampf, so gut wie keine Ballverluste im Spielaufbau, kluge Spieleröffnungen. So sieht das Anforderungsprofil eines defensiven zentralen Mittelfeldspielers aus. Und er verstetigte diese Leistung, einschließlich des gestrigen Spiels gegen Osnabrück. In dem gab es mehrere Schlüsselszenen, hinreichend oft benannt wurden der großartige Ballklau Klewins gegen den freien Menga, die Abwehr auf der Torlinie von Aydin und die Rote Karte gegen Thomik. Zwischen den beiden letzten Szenen liegt allerdings ein, unter hohem Gegnerdruck gespielter, langer und präziser Ball von Juri Judt auf Kammlott, der dann zur Notbremse des Osnabrücker Verteidigers führte. Dafür hält der Neusprech der modernen Spielanalyse den Begriff Keypass parat.

Seit er sich in der Startelf festgespielt hat, gab es immer wieder Szenen (u.a. sensationell gute Balleroberungen), die mehr als erahnen lassen, warum Heinz Höher in seinem Brief an Klaus Allofs den ganz hohen Ton anschlug. Hoffen wir alle, dass das fußballerische Comeback des Juri Judt fortdauert, zum Wohle des FC Rot-Weiß Erfurt. Der, da bin ich sicher, in Heinz Höher einen neuen Fan gefunden hat.

5 comments

  1. echt stark was juri da woche für woche abliefert. nächste woche sollte menz aber in die startelf zurückkehren… für möhwald!

  2. Möhwald sollte gesetzt sein!

  3. Ja man vergesse die vorherigen Spiele nicht.

  4. ronry sagt:

    Ich denke, dass mancher Kommentar oben eher emotional-sympahtisch geprägt ist bezüglich Möhwald.
    Allein – diese Mannschaft kann nur vorwärts kommen, wenn sie als TEAM arbeitet und spielt und jeder seine Aufgaben erfüllt. Dann kann es – seltne genug in Erfurt so gewesen – passieren, dass für 3.Liga gute Klasse auf der Bank sitzt – eben auch mal Menz oder Möhwald usw. Es ist beim heutigen Fussball oft so, dass insbesondere mit Doppel-6 gespielt wird und diesen beiden Spielern sehr zentrale Rollen zufallen. Zum Vergleich – der Absturz des BVB in LIga 1 ist auch der Tatsache geschuldet, dass in Halbserie 1 die Besetzung der Doppel-6 weder konstant möglich war noch eingespielt wirkte.
    Wenn er weiter so spielt, ist eine kleine Laudatio auf den “ Elefanten von der Elfenbeinküste “ sicher auch gerechtfertigt. auch er ist ein Baustein der letzten Erfolge.

  5. Fedor Freytag sagt:

    Keine Frage, Juri Judt kann es sich wirklich nicht leisten, auch nur einen Tick weniger gut zu spielen, weil Menz dann sofort da wäre. Das ist in der Tat für den Trainer eine komfortable Situation. Und der „Elefant von der Elfenbeinküste“ bekommt auch noch eine separaten Blogeintrag, wenn er weiter so kickt. Versprochen.