Dann wohl doch: Mission 2016+n / Erfurt vs. Wiesbaden 0:2

Ich bin kein Masochist. Weshalb sich übers Wochenende alles in mir wehrte, das Spiel noch einmal anzusehen. Deshalb werde ich mit einer profunden, tiefschürfenden taktischen Analyse (selbst einer zweifelhaften) nicht dienen können. Das Spiel begann wie viele Heimspiele von RWE in dieser Saison: abwartendes Mittelfeldgeplänkel beider Seiten. Dann wurde Koglers Mannschaft konstruktiver, die Kombinationen gewannen (etwas) an Sicherheit, erste Chancen waren zu verzeichnen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Heimspielgegnern zeigten sich die Wiesbadener unbeeindruckt. Hochsolide in der Innenverteidigung, aggressiv in den Zweikämpfen und stets latent gefährlich, vor allem über den starken Schnellbacher, deuteten sie bereits zu diesem Zeitpunkt an, dass es diesmal anders laufen könnte.

Dann kam das berühmte Spielglück hinzu. Zunächst in Form von zwei Schiedsrichterentscheidungen, die auch anders hätten ausfallen können. Zuerst der Freistoßpfiff gegen und nicht für Möhwald und dann – in unmittelbarer Folge – ein Elfmeter, den man sicher geben kann, aber eben nicht geben muss. Wobei der Ball gefühlte Ewigkeiten unterwegs ist und Schnellbacher von drei Erfurter Abwehrspielern umstellt ist, was jeden Körperkontakt obsolet machen sollte. Aber Christoph Menz weiß das alles selbst und hat es nach dem Spiel auch so zu Protokoll gegeben. Shit happens. Danach begann die beste Phase des Erfurter Spiels. Dumm nur, dass ausgerechnet in diesen Abschnitt hinein das zweite, letztlich entscheidende, Tor der Wiesbadener fiel.

Trotz der beiden Gegentore war die erste Halbzeit nicht das Problem. Da befand man sich noch halbwegs auf Augenhöhe (auch wenn das Resultat etwas anderes sagt), hatte Chancen und ein Tor lag immer im Bereich des Möglichen. Das änderte sich in Halbzeit zwei grundlegend. Niemand konnte der Mannschaft den Willen absprechen, das Spiel zumindest noch auszugleichen. Allein, es fehlten die fußballerischen Mittel. Auf alle Versuche hatte der SVWW eine Antwort. Je länger die Partie dauerte, desto mehr erinnerten die Ballbewegungen in der Offensive von RWE an die hektischen Impulse einer Kugel in einem Flipperautomaten. Balleroberungen folgten Fehlabspielen in rasantem Wechsel. Die Mannschaft hatte Probleme überhaupt in die Nähe des Wiesbadener Tors zu gelangen.

So war es letztlich nicht die Niederlage an sich, sondern vor allem die Art und Weise des Zustandekommens, die so einige Träume am Steigerwald der normativen Kraft des Faktischen aussetzten. Kiel war eben kein einmaliger Ausrutscher.  Wenn es nicht gelingt, die Mannschaft fußballerisch und mental zu stabilisieren, werden wir auch in dieser Saison nichts mit dem Aufstieg zu tun haben.

Last but not least: die Spielzusammenfassung des Wiesbadener Stehblog.

7 comments

  1. Die nächsten 3 spiele gegen Abstiegskandidaten werden uns schlauer machen!

    Man konnte nicht erwarten dass wir jedes spiel gg mit Aufstiegskandidaten gewinnen!

  2. „… die hektischen Impulse einer Kugel in einem Flipperautomaten. Balleroberungen folgten Fehlabspielen in rasantem Wechsel.“ … ☆☆☆☆☆

  3. Wollen wir mal positiv denken. In den letzten Jahren sind wir doch viel schlechter aus der Winterpause gekommen. Das die Siegesserie, auch zu Hause, irgendwann endet war hoffentlich jedem klar.
    Kogler bringt die Jungs wieder auf Trapp. Denk ma, dass es auch mit dem Wechsel vom „Pommes“ zusammenhängt. Er ist nun ma ein Erfurter Junge. Wäre genauso, wenn andere Leistungsträger jetzt sagen würden, sie verlassen uns zum Saisonende. Denk mir, dass so etwas die Mannschaft psychisch belastet.

  4. Wie gesagt, der Punkt ist meiner Meinung nach nicht, dass wir zwei Spiele hintereinander verloren haben. Das ist – zudem gegen zwei starke Mannschaften – immer möglich. Bedenklich finde ich eher die Art und Weise der Niederlagen. Da ich Kiel nicht gesehen habe, muss ich vor allem das Spiel gegen Wehen beurteilen. Und hier wurden (vor allem in HZ 2) latent schon länger sichtbare Probleme (Spieleröffnung, Passsicherheit, Abstimmung der Laufwege, generell die Durchschlagskraft in der Offensive, Unkonzentriertheiten in der Defensive ) recht drastisch offengelegt. Im Detail und schon gar nicht summarisch sind das – leider – keine Kleinigkeiten, vor allem die mangelnde Passqualität im letzten Spieldrittel sehe ich als kritisch an. Aber – niemand hofft so sehr wie ich, dass Kogler und die Seinen das alles schnell verbessern können. Wenn das gelingt, ist selbstredend noch alles möglich.

  5. […] Ansonsten: Die Sicht aufs Spiel des Erfurter Blogger-Kollegen Fedor Freytag auf stellungsfehler.de. […]

  6. Ich denke alles Wesentliche ist im Artikel und in Kommentaren gesagt worden. Zu erwähnen wären vll noch der ehrgeizige aber naturgemäß noch nicht ganz runde Wiedereinstieg von Andy Wiegel und die m.M.n. weniger gelungenen Einsätze Menz und Falk.
    Ohne unken zu wollen erscheint mir der Status von SE09 derzeit reichlich nebulös. (Auf unbestimmte Zeit nicht einsatzfähig wegen einer Oberschenkelprellung?) Könnte mir vorstellen, das es in der Mannschaft Verunsicherungen und/oder Verspannungen geben könnte.
    Nicht locker lassen Jungs! Findet euch und zeigts uns wieder!

  7. Papa sagt:

    Ehrlich, ich bin auch heute noch ein wenig desilussioniert.
    Für mich war es das wichtigste Spiel nach der Winterpause. Wie würde die Niederlage von Kiel verarbeitet sein? Dass mal eine Niederlage kommen würde war klar, es kommt aber auf die Reaktion drauf an. Als Aufstiegsaspirant muss man in solchen Spielen dann auch mal das Glück zwingen und genau das fehlte. Auffällig war, dass unser vielgelobtes Mittelfeld nicht stattfand gegen äußerst aggressive Wehener. Genau das, was uns in den ersten vier Spielen stark gemacht hat.
    Man kann gespannt sein, was dem Trainer jetzt einfällt.