Heidenheim – RWE 0:1 / Sieg statt Albtraum

Mein Herz blieb stehen. In der 79. Minute hakte der RWE-Ticker. Für eine Weile stand da nur:

Eine Flanke von rechts ist eigentlich ungefährlich

Daraufhin ein atheistisches Stoßgebet: Bitte, lieber Fußballgott, mach‘ das der Ball vorbei geht! Nach einer gefühlten Ewigkeit die Entwarnung: … Rauw allerdings klärt zu überhastet direkt vor die Füße von Weil, dessen Schuss Sponsel gerade so parieren kann. 10 Minuten und es geht weiter mit Eckball für RWE auf der anderen Seite.

Danke, lieber Fußballgott.

Es blieb die einzige Anrufung höherer Mächte an diesem Nachmittag. Allzu viele prekäre Situationen mussten nicht mehr überstanden und der zweite Auswärtssieg in Folge für den RWE konnte bejubelt werden. Dabei war es sicher nicht von Nachteil, dass die Heidenheimer unter der Woche 120 Minuten im Pokal gefordert waren, um dann im Elfmeterschießen doch noch an der Gladbacher Borussia zu scheitern. Die Spannung hätte es ohnehin nicht gebraucht, denn vor allem in der ersten Halbzeit besaß der RWE ausreichend Chancen, um auf der Ostalb frühzeitig alles klar zu machen.

Ich war sehr angetan, dass Emmerling – mit Sebastian Hauck – dieses Mal von Anfang an auf einen jungen Spieler im Sturm setzte, auch wenn das sicherlich in erster Linie darauf zurückzuführen war, dass Manno und Reichwein nicht spielen konnten bzw. gesperrt waren und er sein 4-4-2 nicht aufgeben wollte. Hauck machte seine Sache prima, sehr viel mehr kann von einem Nachwuchsspieler nicht verlangen, der sein Debüt in der Startformation gibt. Ansonsten muss man wohl niemanden besonders hervor heben, es war eine solide Mannschaftsleistung des RWE, das reichte um die Heidenheimer Euphorie – zumindest vorerst – einzubremsen. Entgegen meiner Erwartung spielte Rauw (erneut auf der rechten Abwehrseite und erneut nicht überzeugend). Offenbar traut Emmerling den Alternativen (z.B. Ofosu-Ayeh) nicht wirklich mehr zu.

Ein Sieg also, mit dem nach der überschaubaren Leistung gegen Preußen Münster nicht unbedingt gerechnet werden konnte. Trotzdem würde ich nicht von einer Wundertüte RWE sprechen. Dazu müßten die Leistungen über Wochen krass schwanken. Das tun sie aber nicht.

Was schwankt ist die Ausbeute, die Ergebnisse. Nur hier ist keine Konstanz zu verzeichnen. Mit diesem Problem steht der RWE aber nicht allein da, auch die Offenbacher Kickers (unser nächster Gegner) und etliche andere Vereine der Liga haben damit zu kämpfen. Ich prophezeie mal: das wird über weite Strecken der Saison so bleiben. Kein einziges Team der 3.Liga erreicht derzeit einen Schnitt von zwei Punkten pro Spiel. Nicht mal Sandhausen, die mit immerhin 5 Punkten in Front liegen. Umso enger wird es dann hinter dem Spitzenreiter. Ganze 6 Punkte trennen den Zweiten (Regensburg) von Platz vierzehn (Chemnitz). Das läßt nur einen Schluß zu: Die Mannschaften agieren auf einem sehr ähnlichen Leistungsniveau. Dementsprechend sind viele Spiele sehr eng und bis zum Abpfiff umkämpft. Faktoren wie Schiedsrichterentscheidungen, individuelle Fehler und Zufälligkeiten spielen eine dominantere Rolle als in Ligen, in denen die Leistungsunterschiede größer sind. Solche kaum beeinflussbaren Faktoren sorgen wiederum dafür, dass lange Siegesserien vermutlich ausbleiben werden. Auch wenn ich im Fall des RWE nichts dagegen einzuwenden hätte.

Randnotiz I: Selbst für den mdr war das (Spielbericht Jena-Aalen, ab 08:30 min) eine bemerkenswerte sportjournalistische Entgleisung. Der erste Elfmeter für Jena ist offenkundig eine Fehlentscheidung. Der Aalener bekommt den abgewehrten Ball eines Mitspielers aus ca. einem Meter an die Hand. Es ist ein Rätsel, wie der Schiedsrichter hier auf absichtliches Handspiel entscheiden konnte. Aber gut, shit happens, er hat keine Wiederholung zur Verfügung. Unfassbar hingegen ist, dass der mdr-Reporter so tut, als habe er von dem Unterschied zwischen absichtlichem und unabsichtlichem Handspiel noch nie etwas gehört. Vielleicht hat er ja auch nicht. In jedem Fall ein weiteres Armutszeugnis des Senders: entweder einseitig berichtet oder völlig ahnungslos. Ich vermute: beides.

Randnotiz II: Nicht ganz so dramatisch stellt sich mir die sportliche Kompetenz bei der Thüringer Allgemeinen dar. Trotzdem bin ich auf die nächste RWE-Kolumne von Marco Alles gespannt. Der hatte ja – vor drei Wochen – den Abstiegskampf ausgerufen. Nicht nur für den FCC, sondern auch für den RWE. Das erschien mir sehr voreilig. Unduldsamkeit ist keine journalistische Tugend und zwischen einer Ergebnis- versus einer Leistungskrise wusste die TA schon mal besser zu unterscheiden.

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