Tag Archiv für Bausewein

Wir wollen doch nur spielen

Geht es nur mir so? Je mehr TV-Sendungen und Artikel zu den uns alle umtreibenden Themen Arenamiete, Nebenkosten, Lizenz zu sehen bzw. zu lesen sind, desto unübersichtlicher erscheint mir die Situation. Ich denke dann über Begriffe wie «ortsüblich» und «marktüblich» nach und frage mich, wieso diese Termini von niemandem mit Inhalten, also beispielsweise einer klaren Definition oder dem Verweis auf eine konkrete EU-Förderrichtlinie, versehen werden. Sondern, im Gegenteil, es kommt mir vor, als dienen sie allen, oder wenigstens den meisten die sie benutzen, eher dazu, ihre eigentlichen Absichten zu verschleiern.

Ebenso auffallend ist, wie quasi alle unentwegt darauf verweisen, dass man doch bitte nicht mehr öffentlich übereinander, sondern miteinander über eine Lösung reden solle. Wie süß. – Und alle tun das wo? Im Fernsehen, in Zeitungs-Interviews und in Pressemitteilungen. Großartig!

Schon die Forderung unseres Bürgermeisters, dass der Verein personelle Konsequenzen ziehen müsse, wenn er weiteres Geld von der Stadt wolle, war, da sie öffentlich erfolgte, entweder eine atemberaubende Torheit oder aber Andreas Bausewein hatte nie die Absicht, dem Verein die avisierten 600.000 Euro zu beschaffen. Es war a priori klar, dass sich Rolf Rombach darauf nie einlassen würde, nicht einlassen konnte. Man stelle sich nur diesen Dialog vor einem Arbeitsgericht vor:

Richter: «Warum hat man Sie entlassen, Herr Krause?»
Krause: «Weil der Oberbürgermeister von Erfurt das so wollte.»
Richter: «Der Oberbürgermeister von Erfurt hat genau welche Funktion bei Ihrem Arbeitgeber, dem FC Rot-Weiß Erfurt?»
Krause: «Gar keine.»
Richter: «Danke, ich habe keine weiteren Fragen.»

Die in Aussicht gestellten 600.000 Euro hätte man somit gleich als Rücklage für Abfindungen verwenden können. Worauf bereits Michael Panse in seinem Blog aufmerksam machte.

Ich kenne Konstantin Krause und Thomas Kalt nicht persönlich. Und ich traue mir kein Urteil hinsichtlich ihrer Arbeit beim Verein zu. Natürlich weiß ich, dass bei einem Verein der mehr als 5 Millionen Euro Schulden hat und dessen Kopf quasi auf dem Schafott liegt, nicht alles supi gelaufen sein kann in den letzten Jahren. Wie hoch daran der Anteil der beiden Herren ist, kann ich jedoch seriös nicht beurteilen. Als schlimmstes Vergehen aber wird ihnen angelastet, dass sie irgendwie für schlechte Stimmung bei den Gesprächen zwischen Stadt, Betreibergesellschaft und Verein gesorgt hätten. Huihuihui, schlechte Stimmung während hoch-strittiger Verhandlungen – bei denen für alle Beteiligten viel auf dem Spiel steht –, das hat es ja noch nie gegeben. Zitat aus dem oben bereits verlinkten Text von Michael Panse: «Der grüne Fraktionsvorsitzende erklärte sie würden RWE nicht unterstützen, weil Herr Rombach Frau Hoyer kritisiert habe (wie alle wissen: völlig berechtigt). … Er [Bausewein, Anmerkung Fedor Freytag] und seine Beigeordnete Hoyer haben einen großen Teil der Verantwortung für das schwierige Fahrwasser in dem sich nun alle befinden.» Der ausgewiesene Rathaus-Kenner und Stadtrat Panse hält es also für möglich, und darin möchte ich ihm nicht widersprechen, dass die «schlechte Stimmung» gar nicht einseitig vom Verein ausgegangen ist und die Stadt daran einen nicht geringen Anteil hat. Das sollte jeder im Sinn haben, der sich öffentlich dazu äußert. Auch unser zweifelsfrei honoriger Ehrenvorsitzende Klaus Neumann.

Nun zu einem anderen Protagonisten der letzten Tage im Arena-Dschungelcamp: Mike Mohring. Irgendwann in der letzten Woche wartete er mit dem Vorschlag auf, das Land solle beim Bund dessen Anteil an den Fördergeldern (ca. 16 Millionen Euro) ablösen. Bodo Ramelow ließ dies noch am selben Tag als «Unsinn» bezeichnen. Beide Seiten verzichteten darauf, eine ungute Konstante der ganzen Debatte, ihre Auffassung nachvollziehbar zu belegen. Meinem inneren Monk gefällt Mohrings Vorschlag. Ich tausche auch gern schnell die Damen – beim Schach. Wie Mohring halte ich wenig von der komplexen Gesamtkonstruktion der Arena GmbH. «Zu viele Köche verderben den Brei» mag ein altbackenes Sprichwort sein, das macht es allerdings nicht weniger wahr. Mohring erklärte dies sogar zur Voraussetzung, damit dem Verein in Zukunft bessere Mietkonditionen eingeräumt werden können. Warum das so sein soll, dazu schwieg Mohring letzte Woche und auch in der Sendung des mdr am Montag. Was mich dazu bewog, ihn genau dies zu fragen. Er hatte mir am Dienstag eine Antwort in Aussicht gestellt, sobald und wenn diese eintrifft, gehört Ihr zu den Ersten denen ich davon berichte.

Was uns direkt zum Kern dieses Textes führt. Dem fast schon metaphysisch aufgeladenen Begriff von der «marktüblichen» bzw. «ortsüblichen» (Mohring) Miete die RWE aufzubringen habe, damit man nicht gegen die Fördermittelauflagen verstoße. Wenn irgendjemand unter den geneigten Lesern Kenntnis davon haben sollte, wie und nach welchen Regularien sich diese Miete ermittelt und mir dieses Wissen zwecks Aneignung zur Verfügung stellt, dann würde er den folgenden Abschnitt einigermaßen obsolet machen.

Mir stellt es sich momentan so dar, dass der Begriff genauso dehnbar ist, wie er sich anhört. Es existiert kein verbindlicher Index für Stadionmieten, ebenso wenig wie ein Bundesamt darüber wacht. Der einzige konkrete und begründete Vorschlag stammt vom Verein, noch einmal vorgetragen von Rolf Rombach während der mdr-Sendung am Montag. Er orientiert sich an den Mieten in Halle, Magdeburg, Chemnitz und Zwickau. Alles Fußball-Drittligisten, alle mit mehr oder weniger neuen Stadien, alle in einem vergleichbaren Wirtschaftsraum beheimatet. Mehr «marktüblich» geht nicht. Demgegenüber beharrt die Arena GmbH auf einer um ca. 35 % höheren Miete. Mitsamt den horrenden Nebenkosten (allein für die Security von ca. 400.000 Euro pro Saison) kann der Verein diese Miete nicht aufbringen. Er würde bei diesen Konditionen nicht mal eine Lizenz vom DFB erhalten. Ich habe noch niemanden außerhalb des Erfurter Rathaus und der Arena GmbH vernommen, der diese Miete für gerechtfertigt hält. (Klar, war es ein Fehler des Vereins dieser Summe in einem Vorvertrag zuzustimmen, wohl aber in Unkenntnis der exorbitanten Nebenkosten.)

Das Argument, es handele sich eben nicht um ein Fußballstadion, sondern um eine Multifunktionsarena (MFA), weshalb die höhere Miete gerechtfertigt sei, lässt mich schlussendlich völlig perplex zurück. Dem Verein ging es von vornherein nur um ein modernes Fußballstadion, mit der er seine Wettbewerbsfähigkeit konsolidieren wollte. Modern heißt: Zeitgemäßer Bauzustand, Möglichkeiten der Vermarktung, gute Sicht für alle Zuschauer, nutzbar für deutsche Profiligen, keine Dixi-Klos. Weil das allein über den von Matthias Machnig erdachten Weg möglich war, schluckte RWE die Kröte MFA plus Laufbahn. (Letztere ist eigentlich, ebenso wie die alte Westtribüne, ein Grund zur Mietminderung, weil beide Sicht und Atmosphäre eines puren Fußballstadions verhindern.) Der Verein hat dieses Konstrukt nicht bestellt. Es bildete nur die einzige Möglichkeit, in absehbarer Zeit eine attraktive Spielstätte zu bekommen. Warum soll Rot-Weiß jetzt dafür mehr bezahlen? Von den annoncierten 70 Veranstaltungen in diesem und den nächsten Jahren profitiert exklusiv die Arena Erfurt GmbH.

Ich habe keine Ahnung, auf welchem Trip Andreas Bausewein sich in dieser Sache befindet. Sollte es ihm darum zu tun sein, dem größten Erfurter Verein den Todesstoß zu versetzen, hat er darin bereits beachtliche Fortschritte erzielt. Es ist allein an ihm, diesen Wahnsinn unverzüglich zu stoppen. Alle anderen sind nur noch Komparsen in diesem Drama.

(Anmerkung: Ist ohnehin relativ üppig geraten, der Text. Weshalb ich einige Punkte, wie zum Beispiel die irrwitzigen Nebenkosten nicht vertiefe.)

Wacker Burghausen vs. RWE 0:0 / Titanisch dicht gehalten

Ich hatte mich vor dem Spiel via Facebook ungehalten gezeigt über die Nichtberücksichtigung von Smail Morabit in der Startformation. Jedoch: Der RWE hat in Burghausen einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf errungen, damit hat der Trainer alles richtig gemacht. Klappe halten, Du dummer Blogger. Aber es war dünnes Eis, dieses 0:0 im Oberbayerischen. Es gab Phasen in der 2. Halbzeit, da schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann der SV Wacker in Führung gehen würde. Mit etwas Glück und einem guten Philipp Klewin überstand der RWE diese brenzligen Situationen.

Die Leistung unseres nominell dritten Torhüters kann man getrost auf der Habenseite dieser Begegnung verbuchen. Ebenso wie die sich erneut ungemein stabilisierend auswirkende Aufstellung von Joan Oumari als Verteidiger vor der Abwehr (sprich: defensiver Sechser). Überhaupt: Alle in der Viererkette eingesetzten Spieler machten ihren Job ordentlich, vor allem an Ofosu-Ayeh gefiel (bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung) die große Präsenz und Agilität seines Spiels. Dass er von Patrick Göbel ersetzt wurde, überraschte dann doch, aber offenbar wollte Schwartz einen Rechtsfuß an dieser Stelle der Viererkette, weshalb er sich gegen Thomas Ströhl entschied. Göbel begann etwas nervös, kein Wunder, da die Rechtsverteidiger-Position auch für ihn völliges Neuland darstellte, wurde aber im Laufe des Spiels stabiler in seinen Aktionen. Wer weiß, vielleicht sehen wir diese Konstellation noch das ein oder andere Mal. Philipp Lahm begann seine Karriere schließlich auch als Außenstürmer.

Besorgniserregend war dann aber doch, wie sehr die Rot-Weißen ins Schwimmen gerieten, als Wacker in der 2. Halbzeit Risiko und Druck erhöhte. Die ohnehin nicht eben herausragende Passquote in die Offensivpositionen hinein näherte sich in diese Phase der Nulllinie an. Was im Gegenzug die Wucht der Angriffe von Wacker weiter zunehmen ließ. Jetzt wäre es vermessen zu behaupten, dass dies mit Morabit (statt Tunjic) besser gewesen wäre, aber genauso wenig plausibel kann man dies in Abrede stellen. Ich denke, dass für Tunjic in der Startelf vor allem dessen defensive Qualitäten sprechen – er ist kopfballstark bei gegnerischen Standards, läuft unermüdlich die aufbauenden Gegnerspieler an – und das sich Schwartz vor allen aus diesem Grund für ihn entschieden hat. Dies konsequent zu Ende denkend, könnte man aber gleich einen Innenverteidiger als Mittelstürmer aufbieten. Offensichtlich ist das ebenfalls nicht der Fußballweisheit letzter Schluß. Eines erscheint gewiss: Die Offensivleistung der Mannschaft muss in den kommenden Spielen deutlich besser werden, will man den Erfurter Fans eine Zitterpartie bis zum letzten Spieltag ersparen. (Mit möglichem Showdown in Rostock – eine wahrhaft gruslige Vorstellung.)

Am Mittwoch beginnt die Stuttgarter Woche im Gazi-Stadion zu Degerloch. Drei Punkte (also ein Sieg aus beiden Spielen) würde ich bereits als Erfolg ansehen. Jeder Punkt darüber hinaus wäre Balsam für unsere Nerven und würde den RWE erstmals in dieser Saison etwas aus der unmittelbaren Abstiegszone herausbefördern. Also Jungs, tut was für meine Lebenserwartung.

Randnotiz: Wilfried Mohren hat unsere dürstenden Seelen wieder mit einem seiner legendären Einwürfe erfreut. Dieses Mal hatte er sich zur Aufgabe gemacht, die Verdienste der Arena-Stifter Rombach, Bausewein und Machnig hymnisch zu lobpreisen. Dabei lässt er sich nicht lumpen, der Wilfried. Rombach hatte einst die «titanische Idee». Alle drei erlauben uns «einen Einblick in die Handlungsweise des strategischen Geschicks großer Persönlichkeiten.» Matthias Machnig sei überdies «genial analytisch» und verfüge über «eine Menge von Kenntnissen, die anderen tiefe Rätsel sind». Er schlägt des Weiteren vor, die Drei mit dem «Tor des Jahres in der Kategorie Weitsicht und Durchsetzungskraft» auszuzeichnen.

Ich schlage im Gegenzug vor, Wilfried Mohren zum Tor des Monats in der Kategorie «Arschkriecherei» zu wählen.

Nachtrag, wohl notwendig um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin ebenso für die neue Arena wie die meisten anderen Fans des RWE. Ich habe auch nichts gegen Rombach, Bausewein und Machnig und anerkenne deren Verdienste um die neue Arena. Nur finde ich es lächerlich, wenn dem Pressesprecher des RWE wieder mal völlig die Feder entgleist und er im inbrünstigen Stile eines Auftragsjournalisten die Großen Vorsitzenden hymnisiert. Die in dieser Sache vor allem eines gemacht haben, das aber zugegebenermaßen gut: ihren Job.

RWE – VfB Stuttgart II 3:1 / Ein Wintervergnügen

Der kleine Teufel in mir flüsterte leise, aber unüberhörbar: «Es ist arschkalt da draußen, das Spiel wird im Internet live übertragen (wow, ganz schön up-to-date – der Leibhaftige), sie werden wieder nicht gewinnen und ein Grottenkick wird es sowieso.» Ich ließ mich nicht beirren, meine Hoffnungen auf den ersten Heimsieg seit Ende August waren zwar nicht überschwänglich, man kann sich jedoch nicht gut über Event-Fans lustig machen, um dann bei den ersten Minusgraden selbst zu kneifen.

Der Erfurter OB zeigt Flagge

Auch der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein schien ausreichend Gründe für einen Besuch dieses Heimspiels zu haben. Er gilt nicht wirklich als Fußballfanatiker, hat sich aber – gemeinsam mit RWE-Präsident Rombach und Wirtschaftsminister Machnig – auf den schnellstmöglichen Um- und Ausbau des Steigerwaldstadions festgelegt. Es wäre übertrieben zu behaupten, seine politische Zukunft hinge von diesem Projekt ab, aber auf Grund der plötzlich von der CDU entdeckten ordnungspolitischen Skrupel wird uns (und ihm) diese Kontroverse als Wahlkampfthema an prominenter Steller erhalten bleiben. Er zeigte Gesicht und das ist – angesichts der leicht hysterischen Diskussion – auch gut so.

Keine Überraschungen in der Startaufstellung

Nach der internen Suspendierung Oumaris rückte Bernd Rauw in die Innenverteidigung (und machte dort ein makelloses Spiel). Auf der rechten Abwehrseite entschied sich Emmerling für Ofosu-Ayeh, der, nach nervösem Beginn, eine solide Leistung bot. Engelhardt, spielte, wie bereits in Bremen, links in der Viererkette. Somit konnte Caillas ins linke Mittelfeld vorrücken, was sich als segensreich für die spielerische Performance des RWE herausstellen sollte. Allein sein Steilpass auf Reichwein war das Eintrittsgeld wert. Formal bot Emmerling ein leicht asymmetrisches 4-4-2 auf, in dem Weidlich – bei Angriffen des RWE – nicht selten auf Höhe der beiden nominellen Stürmer agierte. Diese wiederum zeigten sich taktisch sehr flexibel, einer von beiden ließ sich stets als offensive Relaisstation (sprich: Zehner) ins Mittelfeld zurückfallen, was bei ihrer spielerischen Stärke zu einem ungemein belebenden Element des Erfurter Spiels an diesem Nachmittag wurde.

Chancenlose Stuttgarter

Mit dem rekonvaleszenten Delpierre und Rathgeb standen zwei Spieler mit Bundesligaerfahrung in den Reihen des VfB. Sein erstes Spiel in der 3.Liga machte Rani Kedhira, der kleine Bruder des Real-Stars und deutschen Nationalspielers. Aber weder von vermeintlich großen Namen noch von der depressiv stimmenden Statistik ließen sich die Erfurter beeindrucken. Praktisch von Beginn des Spiels an, dominierten sie den Gegner nach Belieben. Nur bei Standards ging vom VfB so etwas wie Gefahr aus. Kein Zufall also, dass aus einer Ecke das Tor der Stuttgarter fiel. Die erste Halbzeit des RWE ließ keine Wünsche offen und die Kälte vergessen. Aus einer sehr guten Mannschaft möchte ich dann doch Smail Morabit herausheben. Seine Vorarbeit zum zweiten Tor war bemerkenswert, auch wenn sie nicht sonderlich spektakulär aussah. Nachdem er den Ball tief in der eigenen Hälfte bekommen hatte, lief er zunächst in zentraler Position auf das Stuttgarter Tor zu. Vor ihm boten sich Pfingsten-Reddig und Weidlich an. Die Stuttgarter Verteidiger konzentrierten sich auf die Absicherung des Raumes auf dieser Seite, hatten aber – schon numerisch – keine Möglichkeit Reichwein auf links adäquat zu decken. Genau diesen räumlichen Vorteil erkannte Morabit: Er verzögerte kurz, spielte dann Reichwein den Ball in den Fuß. Dass der mit solchen Situationen etwas anzufangen weiß, konnte man in dieser Szene aufs Schönste sehen. Alles in allem ein perfekt vorgetragener Konter des RWE, Lehrbuchmaterial. Das machte beim Zuschauen richtig Spaß.

Entlastung durch und für die beiden Sechser

Kaum schlechter (wenn auch etwas einfacher, weil viel mehr Raum vorhanden war), sah das erlösende 3:1 (wiederum Reichwein) aus. Die brillante Vorarbeit dazu liefert Nils Pfingsten-Reddig mit einem gefühlvollen Pass. Meine Meinung zu ihm habe ich hier schon mehrfach kund getan: Kaum ein schlechtes Spiel in anderthalb Jahren RWE, dafür viele richtig gute. Er ist das Herz des RWE-Mittelfeldspiels: effizient, leise, unspektakulär, präzise. Emmerling hatte offensichtlich die Verantwortlichkeiten der beiden zentralen Mittelfeldspieler neu justiert. Zedi verzichtete weitgehend auf Ausflüge in den gegnerischen Strafraum, dachte und spielte in erster Linie defensiv und beeindruckte den Stuttgarter Nachwuchs mit wuchtiger Körperlichkeit. Diese Maßnahme war geeignet, unserer Innenverteidigung einen weitgehend sorgenfreien Nachmittag zu ermöglichen.

Dafür hatte Pfingsten mehr Freiheiten nach vorn. Mit Weidlich und Caillas, sowie wechselweise Morabit oder Reichwein boten sich ihm immer mehrere Anspielmöglichkeiten für die Spieleröffnung. Daran hatte es in den letzten Heimspielen vor allem gemangelt. Man muss natürlich einschränkend sagen, dass die Stuttgarter ein deutlich offensiverer und mitspielwilligerer Gegner waren als z.B. Chemnitz oder Babelsberg. Aus ihrer Sicht war das ein Fehler, denn dass die gegenwärtige Mannschaft des RWE fußballspielen kann (so man sie denn lässt) sollte sich bis ins Schwabenland herumgesprochen haben.

Ein Hoch den Greenkeepern des Steigerwaldstadions

Das jetzt folgende liegt mir seit längerem auf der Seele. Ich finde nämlich, dass die Verantwortlichen für die Spielfläche des SWS seit Jahren einen sehr, sehr guten Job machen. Schaut man sich in diesen Tagen so manchen Acker in anderen Stadien an – selbst in der 1. Bundesliga -, kann man ihnen nur ein Kompliment machen. Das Stadion mag alt und die Liga drittklassig sein, der Rasen im SWS ist selbst bei widrigsten Wetterverhältnissen passabel bespielbar. So auch am Samstag und dies war gleichfalls ein Grund dafür, dass knapp 4.000 Zuschauer die vielleicht beste Saisonleistung des RWE zu sehen das Vergnügen hatten.

Bildquellen: Foto von Marco Engelhardt – kicker.de; Spielfotos – mdr