Jahn Regensburg – Rot Weiss Erfurt / Vorschau

Jahnstadion, Regensburg

Was haben Schalke 04, der FC St. Pauli und der SSV Jahn Regensburg gemeinsam? Nun, sie sind als Vereine das Resultat der „reinlichen Scheidung“. Einer sportpolitischen Lachnummer der zwanziger Jahre: Die Turnvereine trennten sich von ihren Mannschaftssportabteilungen. Oder so ähnlich. Mehr dazu hier und hier.

Von diesen frühen Turbulenzen zeigt sich der Jahn in dieser Saison glänzend erholt. Wir reisen in die Oberpfalz zum Tabellenführer. In den bisherigen Heimspielen hat Regensburg meist sehr druckvoll begonnen. Darauf muss sich der RWE einstellen. Ihr bestes Saisonspiel absolvierten sie gegen den VfB Stuttgart, die mit einer zwei zu null Niederlage noch prima bedient waren. Die Mannschaft von Markus Weinzierl scheint eine gut dosierte Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern zu sein. Nun werden einige vielleicht denken, na ja, die haben ja auch mit Tobias Schweinsteiger einen überragenden Mittelstürmer. Keine Frage, der Bruder des Bayern-Stars ist für Drittliga-Verhältnisse ein richtig guter. Aber er ist ein klassischer Center-Stürmer, er und Marcel Reichwein sind völlig unterschiedliche Stürmertypen. Ein Blick auf die Scorer-Bilanz dieser Saison relativiert die Verhältnisse wieder: Hier steht Schweinsteiger bei sieben Punkten (7 Tore, 0 Vorlagen) und Reichwein bei 5 Punkten (2 Tore, 3 Vorlagen).

Ob sich der Erfolg des ersten Saisonviertels für den Jahn verstetigt wird man sehen, aber – mit einem ähnlich spartanischen Etat wie der RWE ausgestatt – erwartet in Regensburg niemand Wunderdinge.

Wunder, Etat, Erwartungshaltungen. Hier unsere Startformation beim 2:0 Auswärtssieg in Regensburg am 10.04.2010 (also vor etwas mehr als einem Jahr): Orlishausen, Malura, Möckel, Hillebrand, Ströhl, Bölstler, Stenzel, Kammlott, Rockenbach da Silva, Hauswald, Lüttmann

Ein einziger dieser Spieler, nämlich Thomas Ströhl, wird am Sonntag wieder auflaufen. Orlishausen, Malura, Möckel, Bölstler, Rockenbach & Kammlott haben den Verein in Richtung 2.Liga verlassen, oder sind dem großen Geld des Dietrich Mateschitz gefolgt (ich verüble es ihnen nicht). Zwischen diesem Sieg und dem Spiel am Sonntag liegt die sportlich erfolgreichste Saison seit dem Aufstieg in die zweite Liga 2004, und das trotz des Verlustes so vieler Leistungsträger in so kurzer Zeit. Je mehr ich darüber nachdenke: was Stefan Emmerling (er nicht allein, aber an herausragender Stelle) da geleistet hat, kommt einem kleinem Wunder sehr nahe. Diese Leistung, lieber Herr Rombach, hätte – während des Disputs der Woche – ein deutlicheres Bekenntnis zu unserem Cheftrainer verdient gehabt.

Gegen Wiesbaden zeigte unsere Abwehr unübersehbare Schwächen. Die Konstellation Weidlich und Manno auf rechts schien sich in der zweiten Halbzeit stabilisiert zu haben und wenn Danso diesen blöden Fehler vor dem 2:2 nicht macht, hätte man über die anfänglichen Abstimmungsprobleme (offensiv & defensiv) hinwegsehen können. Aber gerade auf der rechten Seite hat der RWE mit Jovanovic und Ofosu-Ayeh noch Alternativen. Vielleicht sehen wir die am Sonntag.

Sein erstes richtig schlechtes Spiel machte Rauw. Bei dem routinierten Belgier rechne ich darauf, dass dies ein Ausrutscher bleibt. Die Mannschaft braucht ihn dringend: seine Übersicht, seine Ruhe am Ball (auch unter Druck – nicht so häufig zu finden in der 3.Liga) und seine gescheite Spieleröffnung.

Für alle Anhänger des RWE hoffe ich, dass Rudolf Zedi bald ein Tor erzielt. Im Grunde macht er nichts anders als letzte Saison (8 Tore): er läuft viel, er ist zweikampfstark und er mutiert zu einem wuchtigen Stürmer wenn es die Offensivkonstellation und die Qualität der Flanke zulassen. Allein: er traf bisher nicht. Wir haben keinen Sturmtank a la Tobias Schweinsteiger. Das Spiel ist strukturell auf ein offensivstarkes Mittelfeld hin konzipiert, damit aber auch auf die Tore der Mittelfeldspieler angewiesen. Natürlich weiß das niemand besser als unser Kapitän, was ihn – mein Eindruck – vielleicht ein bisschen zur sehr unter Druck setzt.

Mach Dich locker Rudi! Und den nächsten einfach rein. Ja, wir Schreibtischtäter haben leicht reden, ich weiß.

Last but not least: ich tippe ein 2:2 und meine hellseherischen Fähigkeiten reichen heute sogar für die Torschützen: Zedi & Morabit.

 

 

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