Michael Pan
se scheint sich in einer verzweifelten Lage zu befinden. Dass er die bevorstehende OB-Wahl in Erfurt nicht gewinnen wird ist jetzt schon absehbar. Es geht nur noch um die Dimension der Niederlage. Damit diese im Rahmen bleibt ist offensichtlich jedes Mittel recht. Acht Monate nach der Vorstellung des Projektes für den Umbau der Stadien in Erfurt und Jena artikuliert Panse nun unvermittelt seine Bedenken. Dabei assistieren ihm – auf Landesebene – seine Parteifreunde Mohring und Geibert nach Kräften. Die Vampire entdecken den Vegetarismus.
Öffentliche Investitionen und Subventionen wohin das Auge blickt
Es gab innerhalb der CDU schon immer Tendenzen den ordnungspolitischen Oberlehrer zu geben. Zumindest in der Theorie. In der Praxis hatte die CDU noch nie Probleme damit, ihre Klientel (oder was sie dafür hält) mit Staatsknete zufrieden zu stellen. Wie natürlich auch die SPD, die Grünen, die Linken, die FDP, usw. usf. damit kein Problem haben. In den vergangenen 20 Jahren wurden in Thüringen unzählige Vorhaben aller Art auf diese Weise finanziert: kostspielige und weniger kostspielige, sinnvolle und weniger sinnvolle, notwendige und überflüssige, erfolgreiche und desaströse. Allein die Bewertung ob eine öffentliche Investition ihr Geld wert war, liegt meist im Auge des Betrachters. Auch ist es eine Illusion – eine dieser Allmachtsphantasien denen Politiker gerne anhängen – vorher genau wissen zu wollen, ob eine Investition langfristig einen Mehrwert erbringt oder nicht. Beispielsweise schien es höchst vernünftig, den Erfurter Flughafen zu modernisieren und diesen Flughafen mittels einer Straßenbahn mit dem Stadtzentrum zu verbinden. Heute, nachdem der Flugbetrieb praktisch eingestellt wurde, ist doch sehr zweifelhaft ob sich die mindestens 250 Millionen Euro für diese dereinst völlig schlüssig scheinende Investition wirklich rentiert haben. Wohl eher nicht.
Stadien gehören zur Infrastruktur einer Stadt
Das heutige Steigerwaldstadion wurde von der Stadt Erfurt erbaut und befand sich immer in deren Besitz. Heute ist es in weiten Teilen marode und der Stadt fehlen die Mittel um an dieser Situation etwas zu ändern. Es ist gleichermaßen unredlich wie unrealistisch vom Hauptnutzer des Stadions (sprich: Mieter), dem FC Rot-Weiß Erfurt, zu verlangen, dass er, an Stelle des Eigentümers eine Sanierung der Immobilie mit eigenen Mitteln durchführen soll. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle Stadionumbauten der letzten Jahre in Deutschland von den Kommunen unter wesentlicher Ko-Finanzierung der Länder und des Bundes durchgeführt worden. So wie es in Erfurt geplant ist. Sicher, man wünschte sich, wie es immer so schön heißt, ein stärkeres Engagement privater Investoren. Der RWE versucht auf diesem Gebiet einiges. Aber es wäre nichts weniger als ein Wunder, wenn es gelänge, eine Firma zu finden die bereit ist einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in eine Stadionsanierung zu stecken. So viele erfolgreiche Hersteller roter Brause gibt es nun auch wieder nicht.
Klar, das für die Förderbewilligung notwendige Konzept ist, sagen wir mal, verquer. Man ist quasi genötigt ein Kongresszentrum mit zugehöriger Rasenfläche zu bauen. Doch mal ehrlich, ist das wirklich verrückter als der Neubau einer Oper für 60 Millionen Euro? Wo doch das nächste Opernhaus (mit Weltklasseorchester) gerade mal 20 km entfernt ist. Mein Großvater ist noch nach Bayreuth gelaufen, um seinen geliebten Wagner zu hören. Eine zwanzigminütige Zugfahrt nach Weimar hingegen, scheint den Erfurter Musikfreunden zuviel der Mühsal.
Das Konzept von Wirtschaftsminister Matthias Machnig, des letzten Rock’n Rollers der deutschen Politik, ist den Umständen geschuldet, die eine Förderung des Anliegens zulassen. Nicht optimal, aber auch nicht völlig abwegig. Die der IFS-Studie zu Grunde liegenden Zahlen erwecken jedenfalls nicht den Eindruck als wären sie pures Wunschdenken. Auf der Habenseite steht zudem die Zerschlagung eines gordischen Knotens: zwei neue Arenen zu überschaubaren Kosten für die beiden Städte Erfurt und Jena und ihre Fußballvereine. Das hätte niemand mehr für möglich gehalten. Jetzt arbeiten die Herren Panse und Mohring mit Nachdruck daran den Knoten erneut zu knüpfen. Beiden ist im Grunde völlig egal, ob diese Stadien gebaut werden oder eben nicht. Die vorgebliche Sachfrage dient nur als Vehikel. Der Eine möchte bei der Erfurter OB-Wahl eine krachende Niederlage vermeiden, die seine ohnehin stockende politische Karriere endgültig ruinieren würde. Der Andere – begabtere – will einfach seinen Intimfeind Machnig abstrafen.
Der Erfurter Fußball hat sich dieses Stadion verdient
Derzeit scheint die ganze Angelegenheit eine für den RWE höchst bittere Wendung zu nehmen. Während man in Jena wie ein Mann hinter dem Projekt steht, geraten in Erfurt die Felle ins schwimmen. Und das obwohl es Rolf Rombach war, der Präsident des RWE, der mir großer
Energie für ein neues Stadion gekämpft, gestritten und gelitten hat. Ohne ihn gebe es dieses Zwillingsprojekt nicht. Unter seine Präsidentschaft hat der Verein eine gedeihliche Entwicklung genommen. Schulden wurden abgebaut, die Reputation des Klubs konnte durch Seriosität und Berechenbarkeit wieder hergestellt werden. Anhänger eines Vereins sind selten vollauf zufrieden. Dennoch, auch die sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: der RWE ist eine feste Größe in der 3.Liga, spielte im letzten Jahr um den Aufstieg und kann das – mit etwas Glück – auch in diesem Jahr schaffen. Aber selbst für eine sportliche Zukunft in der dritten deutschen Profiliga ist ein renoviertes Stadion unerlässlich. Die Verhältnisse sind nun mal so, dass auf die zusätzlichen Einnahmen durch das Plus an Zuschauern, Businesslogen und Werbung nicht verzichten kann, wer wettbewerbsfähig bleiben will. Der Fußballverein Rot-Weiß Erfurt hat – unter schwierigen Voraussetzungen – in den letzten Jahren viel erreicht. Es ist nicht recht einsehbar, warum ausgerechnet dem Fußball die Unterstützung verwehrt bleiben soll, die anderen, wesentlich weniger populären Sportarten, in Millionenhöhe gewährt wurde.
Wer das jetzige Konzept – als offensichtliches ultima ratio für eine Sanierung des SWS – ablehnt, der sollte deutlich vernehmbar dazu sagen, dass er gegen Profifußball in Erfurt ist. Denn in letzter Konsequenz bedeutet es genau das.
Unverständliche und schwer erträgliche Subventionshierarchien
Ich habe ein bisschen gegoogelt, konnte aber trotz intensiver Recherchen keine Bedenken der hiesigen CDU gegen die – mit 5,4 Millionen nicht eben schnäppchenverdächtige – Renovierung des Radstadions im Erfurter Andreasried entdecken. Bezüglich der vor allem als Trainingsbahn genutzten Gunda Niemann-Stirnemann Halle für Eisschnellläufer sind ebenfalls keine warnenden Einlassungen überliefert. Beide vollständig mit Steuermitteln modernisiert bzw. errichtet, versteht sich. Randsportarten mit Nachwuchs- und Dopingproblemen werden in Erfurt seit Jahrzehnten mit Wonne alimentiert. Nur beim Fußball hält man sich zurück. Warum das so ist? Weil es sich dabei um gute Sportarten handelt. Gute Sportarten sind in den Augen der Erfurter Polit-Eliten Sportarten, für die sich möglichst wenige Menschen interessieren. In weiten Kreisen der im Stadtrat vertretenen Parteien «genießt» Fußball noch immer den Ruf eines proletarischen Massenvergnügens, das man nicht auch noch mit Steuergeld begünstigen sollte.
Nun, in Jena ist man da deutlich weiter. Wieder einmal. Dort war es sogar möglich, sich im letzten Moment zu revidieren und das völlig sinnfreie Beharren auf einer Laufbahn in der neuen Fußballarena aufzugeben. Dort bekommt die Leichtathletik ein neues, modernes, aber kleines, ihrer jetzigen und absehbaren Bedeutung angemessenes Stadion. Diesen Vorschlag gab es in Erfurt auch. Er hatte keine Chance und daran hat sich bis heute nichts geändert.

rt, auch wenn sie nicht sonderlich spektakulär aussah. Nachdem er den Ball tief in der eigenen Hälfte bekommen hatte, lief er zunächst in zentraler Position auf das Stuttgarter Tor zu. Vor ihm boten sich Pfingsten-Reddig und Weidlich an. Die Stuttgarter Verteidiger konzentrierten sich auf die Absicherung des Raumes auf dieser Seite, hatten aber – schon numerisch – keine Möglichkeit Reichwein auf links adäquat zu decken. Genau diesen räumlichen Vorteil erkannte Morabit: Er verzögerte kurz, spielte dann R
eichwein den Ball in den Fuß. Dass der mit solchen Situationen etwas anzufangen weiß, konnte man in dieser Szene aufs Schönste sehen. Alles in allem ein perfekt vorgetragener Konter des RWE, Lehrbuchmaterial. Das machte beim Zuschauen richtig Spaß.
Weserstadions auf die Monitore der zu Hause gebliebenen RWE-Anhänger. Was die Qualität der Berichterstattung betraf, fühlte ich mich in die längst vergangene Zeit versetzt, als deutsche Fußball-Nationalmannschaften in Albanien oder auf Malta spielten. Auf staubtrockenen Hartplätzen ging es um Punkte für die EM- oder WM-Qualifikation. Rundfunk-Korrespondenten knarrten schwer verständliche Umständlichkeiten durch den Mittelwellen-Äther, so denn die brüchige Telefonverbindung nach Tirana oder La Valetta überhaupt zu Stande kam. Nie gab es Erhebendes zu vermelden, allenfalls ein knapper Pflichtsieg war dort zu holen. Und manchmal
Überhaupt, Morabit, er hatte schon gegen die Bayern zu gefallen gewusst, und bestätigte mit seiner Leistung in Bremen diesen Aufwärtstrend. Wenn in dieser Saison noch etwas nach oben gehen soll beim RWE, dann wird Morabit dabei eine wichtige Rolle zukommen. Deshalb kann man nur hoffen, dass sich unser talentiertester Offensivallrounder nicht noch einmal verletzt. Take care, Smail. Auch Reichwein wusste mit dem für ihn typischen Spiel zu gefallen: mannschaftsdienlich, kopfballstark, engagiert. Beim Rest scheiden sich die Geister: dem Notengeber der Thüringer Allgemeinen gefielen Ströhl und Ofosu-Ayeh besser als Zedi und Pfingsten, sein Pendant beim Kicker bewertete die Leistungen unseres Mittelfelds genau anders herum. Herrje, wenn man nicht alles selbst macht.
Der Tag begann mit einem
Dann kam der Abend und aus Weißensee wurde Überraschendes vermeldet: Marco Engelhardt stand beim Testspiel gegen Halle in der Anfangsformation des RWE. Nach den dezidiert abschlägigen Äußerungen der letzten Woche seine Verpflichtung betreffend, kommt das einer kleinen Sensation gleich. Es ist löblich, einem arbeitslosen Spieler die Möglichkeit einzuräumen am Training teilzunehmen, um ihm so die Chance zu bieten sich fit für seinen Beruf zu halten. Eine völlig andere Qualität nimmt das Ganze an, wenn dieser Spieler in einem nicht unwichtigen Testspiel über die volle Spieldauer zum Einsatz kommt. Alles hier ist Spekulation. Doch scheint es so, dass die Verantwortlichen des RWE, allen voran Stefan Emmerling, im Fall Engelhardt umgedacht haben. Sonst würde der Einsatz des Ex-Nationalspieler überhaupt keinen Sinn ergeben. Woher der Meinungsumschwung rührt ist schwer zu beurteilen, möglicherweise hat er im Training schlichtweg einen überragenden Eindruck hinterlassen. Kann Marco Engelhardt uns helfen? Oh ja, er kann! Allein seine Qualitäten bei Freistößen und Ecken wären ein Gewinn für die Mannschaft. Er ist auf dem Platz ein Stratege und mit seinen 31 Jahren noch immer im besten Fußballeralter. Ich rechne nicht damit, dass er nach einem halben Jahr Spielpause bereits in der Lage ist 90 Minuten Drittligatempo durchzuhalten, aber dieses Defizit sollte sich schnell wegtrainieren lassen. Er kann auf der linken Außenbahn und im defensiven Mittelfeld flexibel eingesetzt werden und wäre – für Mannschaft und Anhänger des RWE – Führungsspieler und Integrationsfigur in einem.
1970, dem Triumph des – laut
Verschieben der Mannschaftsteile, aggressives Pressing, schnelles Umschalten, Dominanz durch Ballbesitz. Aber Lobanowskyj war ein Wissenschaftler im Trainingsanzug, während Sacchi ein Fußballphilosoph mit Künstlerseele war und ist. Als Spieler bestenfalls ein mittelmäßiger Amateurkicker (Wilson schreibt, dass selbst sein Chef beim AC Mailand, ein Typ mit dem Namen Silvio Berlusconi, ein besserer Fußballer war) trat er an, dem italienischen Fußball seine Destruktivität auszutreiben. Und das gelang, wenn auch nur für begrenzte Zeit und exklusiv mit dem AC Mailand. Drei Sommer tanzten die Rossoneri den Sacchi, gewannen die italienische Meisterschaft und je zweimal den Cup der Landesmeister sowie den Weltpokal. Bei jeder Umfrage unter Sportjournalisten nach den besten Klubmannschaften aller Zeiten, würde der AC Mailand jener Tage einen der drei ersten Plätze belegen. In einer der eindrucksvollsten Szenen des Buches lässt Wilson den beinahe schon künstlerischen Aspekt von Sacchis Methoden bildhaft werden: das Schattenspiel. Dabei handelt es sich um eine Trainingsform, bei der die Mannschaft sich in der Grundformation (4-4-2) aufstellte. Dann deutete Sacchi auf eine Stelle des Feldes wo sich der Ball befindet und die Spieler mussten ihre Formation entsprechend verschieben, dann eine andere Position des Balles, wieder verschieben, usw. usf. Alle ohne Ball und ohne Gegner. Tai-Chi in Norditalien. Dabei kam es ihm darauf an, dass ein Raum auf dem Spielfeld ideal genutzt wurde, welche Spieler welchen Raum abdeckten, wurde durch die konkrete Situation bestimmt und nicht durch die formale Aufstellung. Dies unterscheidet Sacchis Verständnis von Raumdeckung noch immer dramatisch von der heute bei den meisten Profiklubs üblichen. Es heißt aber auch, dass Sacchis Fußball wache, selbstständige und intelligente Spieler benötigt. Vielleicht ein Grund dafür, dass er seine Erfolge beim AC Mailand nie wiederholen konnte. Weit despektierlicher könnte man jedoch gleichfalls vermuten, dass es eben doch nicht an seinem einzigartigen taktischen Verständnis der Spiel-Räume lag, sondern doch eher an den überragenden Fußballern seiner Mannschaft: Gullit, van Basten, Rijkaard, Baresi und Donadoni.