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Münster vs. Rot-Weiß Erfurt 3:3 / Kein Preußen-Monster

Es herrschte Enttäuschung im Lager der Rot-Weißen, nach einem Punktgewinn bei einer der spielstärksten Mannschaften der 3. Liga. Muss man mehr über den Verlauf dieses Spiels und der bisherigen Saison sagen? Man muss nicht, aber man kann.

Die Abwehr funktioniert

Die Innenverteidiger Laurito und Kleineheismann erfüllen alle Hoffnungen, die der Verein bei ihrer Verpflichtung in sie setzte. Bis auf den Stellungsfehler Lauritos vor dem 1:1 blieben sie erneut fehlerlos. Die Ruhe seiner Vorderleute wirkt sich offensichtlich positiv auf Philipp Klewin aus, es ist nichts mehr zu spüren von der rätselhaften Unruhe, die seinen Aktionen bei dem ein oder anderen Vorbereitungsspiel innewohnte. Außenverteidiger haben es schwer, wenn der Gegner Preußen Münster heißt. Wie vielleicht kein anderes Team der Liga versteht es Dotchevs Elf, enge Spielsituationen im Mittelfeldzentrum durch Spielverlagerungen auf die Flügel aufzulösen. Piossek und Grote sind schnell, technisch stark und halten permanent die Außenpositionen. Im Angesicht dieser großen Stärke der Münsteraner haben Czichos und Odak keinen schlechten Job gemacht, zumal sie nicht durchweg optimal von den beiden offensiven Außenbahnspielern unterstützt wurden, was Czichos einmal auch sehr lautstark in Richtung Öztürk kundtat.

Kuriose Tore & ein merkwürdiger Spielverlauf

Brandstetter eröffnete das Spektakel mit einer äußerst dynamischen Aktion. Bunjaku und (an guten Tagen) Semmer hießen die letzten Stürmer des RWE, die in der Lage waren so ein Tor zu erzielen. Unmittelbar danach offenbarte der Portugiese Amaury Bischoff warum man ihn zu den besten Spielern der 3. Liga zählt. Er steht jetzt bei 27 Torbeteiligungen in 37 Ligaspielen für Münster. Ein sagenhafter Wert für einen zentralen Mittelfeldspieler. Nach dem Ausgleich drängte Preußen auf die Führung, konnte sich auch eine deutliche Feldüberlegenheit erspielen, kam jedoch nur zu einigen Halbchancen, die sie entweder leichtfertig vergaben oder die von Klewin routiniert abgewehrt wurden.  Das lag vor allem daran, dass Taylor überhaupt nicht ins Spiel fand und Kara kollektiv gut abgeschirmt wurde. Damit war eine wichtige Achse des Münsteraner Spiels neutralisiert.

Nach der Pause gestaltete sich das Spiel wieder offener, der RWE stand nicht mehr so tief wie zu Ende der 1. Halbzeit. Und endlich wurde Tunjics Unermüdlichkeit beim Anlaufen des gegnerischen Torhüters einmal belohnt. Von diesem Tor wird Masuch seinen Enkeln bestimmt kein Wort erzählen.

Was danach folgte, war die stärkste Phase einer Erfurter Mannschaft seit dem grandiosen 3:1-Auswärtssieg in Dresden (Rückserie der Saison 10/11). Münster verfiel in eine Art nudistischer Schockstarre, entblößte die Abwehr und erlaubte dem RWE, Möglichkeit um Möglichkeit zu vergeigen. Daran änderte sich seltsamerweise auch nach dem Feldverweis für Tunjic rein gar nichts. Bis Sebastian Stolze eingewechselt wurde und tat, war er bei den A- und B-Junioren serienweise getan hatte: Großchancen in Zählbares zu veredeln.

Nun schien alles gelaufen. Niemandem drängte sich der Eindruck auf, dass Münster in der Lage sei, noch zwei Tore zu erzielen. Bis Gaetano Manno, der größte Vertragsdesperado der jüngeren deutschen Fußballgeschichte, einen dieser genialischen Manno-Momente hatte und den Ball ebenso überraschend wie unhaltbar in den Winkel zauberte. Zum Elfmeter, der für den Ausgleich sorgte, kann ich nichts sagen. Je öfter ich mir die Szene ansehe, desto weniger vermag ich zu erkennen, ob es ein Foul war und ob die Szene in oder außerhalb des Strafraums stattfand.

Anders verhält es sich bei dem bösartigen Tritt von Grote an den Kopf des am Boden liegenden Möhwald. Das war – ebenso wie die Aktion von Tunjic – eine klare Rote Karte.*

Livestream des WDR technisch wie journalistisch wohltuend

Wegen mir könnte der Westdeutsche Rundfunk alle Spiele des RWE übertragen. Zum einen sah man einen deutlichen Unterschied bei der Bildqualität. Kam einem glatt wie HD vor im Vergleich zu den verpixelten, manchmal an Atari-Spiele gemahnenden und immer mal wieder stockenden Streams des mdr. Zum anderen, und eigentlich noch wichtiger, war der WDR-Kommentator wohltuend objektiv und gut informiert. Völlig undenkbar beispielsweise, dass ein mdr-Reporter umstandslos die (eindrucksvolle) Scorerbilanz von Sebastian Stolze aus der letzter A-Jugendsaison bei dessen Einwechslung parat hätte. Dazu müsste man sich ja auf ein Spiel vorbereiten.

Die Liga – erste Konturen zeichnen sich ab

Einige Mannschaften, von denen man das erwarten konnte, stehen im oberen Drittel der Tabelle, oder werden bald dort stehen: Hier sind ganz eindeutig Heidenheim, Leipzig und Münster zu nennen – die allesamt als Aufstiegskandidaten gehandelt wurden und auf dem Weg sind, dieser Rolle gerecht zu werden. Die größte positive Überraschung bietet derzeit der VfL Osnabrück. Nach einem gewaltigen Umbruch in der Mannschaft durfte man damit nicht wirklich rechnen. Hier wurde wohl der Faktor Trainer bei der Prognose etwas vernachlässigt. Aber wer, wie Maik Walpurgis, mit den Sportfreunden Lotte die Regionalliga West gewinnt und RB Leipzig in der Relegation einen großen Tanz liefert, der muss als Trainer einfach richtig was auf dem Kasten haben. Auch Karsten Baumanns Arbeit in Duisburg ist die Anerkennung nicht zu verweigern. Quasi ohne Vorbereitung in eine Saison zu gehen und dann nach 3 Spielen 6 Punkte auf dem Konto zu haben: alle Achtung. In Halle und Chemnitz sollte man jetzt nicht gleich durchdrehen, dazu besteht keinerlei Anlass. Die bisherigen Leistungen war nicht so schlecht wie es die derzeitige Tabellensituation suggeriert.

Der FC Rot-Weiß Erfurt empfängt am Samstag die bisher punktlosen Burghäuser im Steigerwaldstadion. Als Tabellendritter. Traditionell betrachtet liegen dem RWE derartige Konstellationen nicht sonderlich. Allzu oft hat man in der Vergangenheit bei ähnlichen tabellarischen Voraussetzungen Spiele verloren. Einerseits. Andererseits sind derartige Rückgriffe statistischer Humbug mit schlichtweg null Einfluss auf das bevorstehende Spiel. Es gibt in dieser Liga keine leichten Gegner, jedenfalls nicht für den RWE. Aber es gibt auch keinen ersichtlichen Grund, warum die Mannschaft mit einer ebenso konzentrierten Leistung wie in Münster dieses Spiel nicht gewinnen können sollte.

*Nachtrag: Diese Grote-Möhwald-Situation ließ mir keine Ruhe, auch weil dazu im !com-Forum angeregt diskutiert wurde. Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass Grote Möhwald absichtlich tritt, muss aber zugeben, dass diese (meine) Perspektive natürlich nicht die des Schiedsrichters ist (sein kann). Deshalb habe ich mich entschlossen, den Fall der kompetentesten Instanz vorzutragen, die mir einfiel – und das sind ganz eindeutig Collinas Erben. Alex Feuerherdt und Klaas Reese bieten unter diesem Namen einen brillanten Schiedsrichter-Podcast an, stehen aber auch via Twitter Rede und Antwort. Hier ihre Einschätzung des Falls auf Grundlage des mdr-Berichts:

Sehr schwer zu beurteilen. Für einen Platzverweis muss das Gespann sich absolut sicher sein, dass hier Absicht vorlag und nicht nur Ungeschicklichkeit (wobei die Spieler immer geschickter darin werden, solche Aktionen wie eine Ungeschicklichkeit aussehen zu lassen). Und natürlich gilt: In dubio pro reo. Ich betrachte das, wohlgemerkt, aus der Perspektive des Schiedsrichters (bzw. des Assistenten). Und da lässt sich eine Absicht kaum zweifelsfrei feststellen. Die Zeitlupe legt sie nahe, aber einen echten Beweis erbringt auch sie nicht.

RWE vs. HFC 3:0 / Some like it hot

So viel Beifall war lange nicht auf der Haupttribüne des Steigerwaldstadions. Das lag zum einen am starken Spiel der Erfurter Mannschaft, zum anderen waren die Fans des RWE schlichtweg erleichtert, dass ihnen ein Höllenstart wie in die letzte Saison erspart blieb. Zum ersten Mal seit dem Spieljahr 2000/2001 startete der FC Rot-Weiß Erfurt wieder mit zwei Siegen in eine Ligasaison. Dieser Rückgriff auf die Statistik macht allerdings ebenfalls deutlich, dass zu Euphorie kein Anlass besteht, denn am Ende nämlicher Saison stand der RWE auf einem Abstiegsplatz und vermied die Viertklassigkeit nur aufgrund des Lizenzentzuges für den SSV Ulm.

Fit wie ein Turnschuh

Über die Tropenhitze wurde vor dem Spieltag viel diskutiert, vielleicht ein bisschen zu viel für meinen Geschmack, sie sollte am Ende keine entscheidende Rolle spielen. Natürlich dauert die Regeneration der Spieler länger als nach einem Spiel bei «Normaltemperatur». Doch Fußballprofis sind austrainierte Leistungssportler, und hätte man nicht gewusst, dass auf dem Spielfeld über 40 Grad herrschen, dem Spieltempo wäre es nicht zu entnehmen gewesen. Das dritte Tor für den RWE fiel nach der fußballerisch schönsten Kombination des ganzen Spiels – in der letzten Spielminute. Wie bereits in Stuttgart machte der RWE am Ende des Spiels sogar den, im Vergleich zum Gegner, etwas frischeren Eindruck. Dies ebenfalls ein Indiz für die exzellente Vorbereitung unter Walter Kogler.

Das 4-4-2-System funktioniert

Die Systemfrage hatte Walter Kogler eine gute Woche vor Saisonstart entschieden. Er legte sich (vorerst) auf ein 4-4-2 fest. Das kommt Mijo Tunjic sehr zu passe, er profitiert am meisten davon, nicht mehr alleiniger Zielspieler im Sturmzentrum zu sein. Es gestattet ihm, sich häufiger auf die Flügel zu orientieren, mit den Außen das Kombinationsspiel zu suchen, von dort nach innen zu ziehen oder für nachrückende Mittelfeldspieler Räume zu eröffnen, indem er dem strafraumnahen Spiel solcherart mehr Breite verleiht. Am Samstag ist mir überdies aufgefallen, dass er auffallend oft Kopfballduelle gewann, das war in der letzten Saison ebenfalls ein Manko, jedenfalls, wenn man seine körperlichen Vorzüge in dieser Disziplin berücksichtigt. Sollte er diese Form konservieren und gemessen an seinen oft glücklosen Darbietungen in der letzten Saison, ist es kaum übertrieben zu behaupten: Wir begrüßen (diesen) Mijo Tunjic als weiteren Neuzugang beim FC Rot-Weiß Erfurt.

Brandstetter kommt sukzessive besser in Form. Schade, dass sein Schuss nur die Latte traf, denn ein Tor wäre auch ihm zu gönnen gewesen. Ich schreibe jetzt allerdings nicht, dass sein erstes Tor nur eine Frage der Zeit ist, denn als ich dies das letzte Mal getan habe, hat man von dem Spieler nie wieder was gehört (Tobias Ahrens). Klar ist aber: wenn Brandstetter gesund bleibt, werde ich hier noch sehr enthusiastische Dinge über ihn zu berichten wissen.

So wie über Aykut Öztürk, diesem Gott des körpernahen Kleindribblings. Keine Ahnung, wie oft es diese Abfolge jetzt bereits gab: Dribbling Öztürk, Foul an Öztürk. Elfmeter. Pfingsten. Tor. Ich bin mir sicher, dass der HFC-Coach Köhler seine Jungs exakt davor gewarnt hatte. Allein, es nützte nichts. Öztürks enge Ballführung, sein geschicktes Abschirmen des Balls mit dem Körper und die kurzen, minimalistischen Ballberührungen provozieren Abwehrspieler immer wieder das zu tun, was sie besser bleiben ließen: einen Tritt in Richtung des Balles zu riskieren, der aber schon gar nicht mehr an der vermuteten Stelle ist. Nur Aykut Öztürks Standbein ist noch da.

Nach der Auswechslung Brandstetters in der 70. Minute stellte Kogler auf ein 4-2-3-1 um. Der ins Spiel gekommene Baumgarten rückte neben Engelhardt auf die Sechserposition und Pfingsten-Reddig gab bis zum Spielende den Zehner. Was er sehr gut machte, nicht von ungefähr ging von ihm die entscheidende Aktion vor dem dritten Tor aus. Seine Beidfüßigkeit kommt ihm auf dieser Position ebenso entgegen wie sein Antizipationstalent – findet er keine sinnvolle vertikale Passoption, versucht er das Spiel zu verlagern oder gänzlich neu aufzubauen. Wilfried Mohren würde hier von einem retardierenden Moment sprechen, man könnte – etwas vulgärer – auch sagen: Pfingsten verzögert das Spiel bis er eine sinnvolle Fortführung entdeckt. In jedem Fall –  keine riskanten Dribblings, Vermeidung unnötiger Ballverluste.

Marginalien und Ausblicke

Der Umzug der Ultras auf die Haupttribüne hat der Stimmung insgesamt gut getan – was hoffentlich auch bei weniger günstigen Spielverläufen und -ausgängen so bleibt. Der neue Stadionsprecher befindet sich noch in der Ausbildung, da sollte ihm der ein oder andere Verhaspler großherzig verziehen werden. Im Grunde ist mir jedoch völlig egal wie die Tore des RWE der Welt verkündet werden – Hauptsache bleibt, sie fallen in hinreichender Anzahl.

Das Pokalfiasko bei Schott Jena hat ja womöglich doch einen kleinen Kollateralnutzen. Es gibt Walter Kogler zwei weitere Wochen Zeit, in Ruhe mit der Mannschaft zu arbeiten. Bis hierher scheint jeder Trainingstag unter seiner Anleitung, dem Team gut getan zu haben.

Stuttgarter Kickers vs. RWE 0:1 / Der ewige Pfingsten

In der 85. Minute zeigte Schiedsrichter Brand auf den Elfmeterpunkt. Marco Engelhardt nutzte die Gelegenheit, am Spielfeldrand einen Schluck aus der Flasche zu nehmen. RWE-Trainer Kogler forderte ihn auf, schnell auf den Platz zurückzukehren. Engelhardt winkte gelassen ab und ließ seinen Coach wissen: «Geht sowieso mit Anstoß weiter». So geschah es dann auch. Ein größeres Kompliment konnte der an diesem Tag beste Erfurter Spieler seinem coolsten Teamkollegen nicht machen: blindes Vertrauen in dessen Treffsicherheit vom Elfmeterpunkt.

Wenn es darauf ankommt ist er Mr. 100 Prozent

Diesen Optimismus bringt man Nils Pfingsten-Reddig völlig zu Recht entgegen. Seine Quote vom Punkt liegt bei deutlich über 90 Prozent, an sich bereits ein herausragender Wert. Noch beeindruckender ist jedoch, dass seine Bilanz bei spielentscheidenden Elfmetern glatte 100 Prozent beträgt und mithin nur als makellos bezeichnet werden darf. Die beiden Elfmeter die er verschoss, vergab er bei jeweils klaren Führungen des RWE, also in Spielsituationen, in denen es nicht wirklich darauf ankam.

Außer einer einzigen (und sehr erwartbaren) Ausnahme – Czichos für Bergmann -, startete Kogler mit derselben personellen und taktischen Formation wie beim Testspiel gegen den 1. FC Magdeburg. Beide Halbzeiten verliefen in etwa gleich – die Kickers kamen engagiert aus der Kabine, erspielten sich eine Feldüberlegenheit, ohne dabei zu klaren Chancen zu kommen; der RWE stabilisierte sich nach jeweils 10 Minuten und war fortan das leicht bessere Team. Dann leistete sich Gerster fünf Minuten vor Schluss im Strafraum eine Anleihe beim Beachvolleyball, was seiner Mannschaft einen Punkt kosten sollte.

Niemand der noch bei Verstand ist, erwartete von diesem ersten Saisonspiel der Rot-Weißen fußballerische Brillanz. Alles, was man erwarten konnte, haben sie gezeigt: gutes Verhalten in der Defensive, Laufbereitschaft, taktische Disziplin, Konzentration. Spielerisch wird es besser werden, wenn auch in vergleichsweise homöopathischen Dosen, zeitweilige Stagnation und gelegentliche Rückschritte sind dabei hochwahrscheinlich. Umso wichtiger wird sein, dass während dieses «work in progress» Punkte geholt werden. Das würde im Umfeld des Vereins für die nötige Unaufgeregtheit sorgen. Geduld also ist die erste RWE-Fanpflicht in dieser Saison. (Erinnert mich bei Gelegenheit daran.)

Was sonst noch in der Liga geschah

Die meisten Begegnungen bewegten sich ergebnis- und leistungsmäßig im Rahmen des Erwartbaren. Die große Ausnahme, natürlich: Der klare Sieg des VfL Osnabrück in Chemnitz. Dabei war der VfL den Hausherren in quasi alle Belangen deutlich überlegen, sodass man nicht mal behaupten kann, dass dieser Sieg den ein oder anderen Treffer zu hoch ausgefallen wäre. Eher ist das Gegenteil der Fall. Aber, dies war das erste Spiel und es ist mithin zu früh, alle Saisonprognosen bereits jetzt über den Haufen zu werfen. Bemerkenswert fand ich auch den Auftritt von Holstein Kiel in Rostock. Die Kieler sind eine gut eingespielte, taktische versierte, kompakte Mannschaft – schwer zu schlagen. Und eben gar nicht, wenn einem – wie den Rostockern – die dafür notwendigen spielerischen Mittel so völlig abgehen.

Seien wir froh, dass Werder Bremer in den Steigerwald kommt

Ich kann die – von Teilen der Anhängerschaft – vorgetragene Quengelei am Freundschaftsspiel gegen Werder Bremen nicht mal im Ansatz nachvollziehen. Wir haben die Lizenz zwar erhalten, jedoch kann der Verein auch weiterhin jeden verdammten Euro gut gebrauchen. Ebenfalls ist davon auszugehen, dass Walter Kogler ziemlich genau einzuschätzen weiß, wie lange er seine erste Elf – die zwei Tage später gegen den HFC antritt – auf dem Platz belässt. Für die Reservespieler Ergänzungsspieler (DFB-Wohlfühldeutsch) ist es ohnehin eine gute Gelegenheit, sich gegen einen im Wortsinn erstklassigen Kontrahenten zu beweisen. Ich jedenfalls freue mich auf einen hoffentlich stimmungsvollen Fußballabend im Steigerwaldstadion. Und auf diesen Wahnsinnigen, namens Arnautović.

RWE vs. 1. FC Magdeburg 0:1 / Letzter Test vor Saisonbeginn

Hier ein paar Eindrücke vom Spiel gegen Magdeburg: Walter Kogler machte seine Ansage wahr und ließ ein 4-4-2-System spielen, zum ersten Mal sogar von Anfang an mit zwei Stürmern (Tunjic und Brandstetter). Die größte Überraschung in der Aufstellung des RWE-Coaches bot allerdings Johannes Bergmann auf der linken Position der Viererkette, was durchaus naheliegend ist, da Bergmann ein Linksfuß ist, und auch wieder nicht, weil er diese Position meines Wissens noch nie gespielt hat. Das machte sich beispielsweise bei seinem Stellungsfehler vor dem 0:1 durchaus bemerkbar.

Laurito und Kleineheismann in der Innenverteidigung wirkten wach und in den meisten Szenen solide, mit mehrheitlich brauchbaren Anspielen im Spielaufbau. Beide Außenverteidiger hatten die Lizenz sich situativ nach vorne zu orientieren. Odak nahm das gerne in Anspruch, gute Partie von ihm, vom sehr gut trennten ihn nur die verbesserungswürdige Qualität seiner Hereingaben.

Die beiden Sechser (Pfingsten und Engelhardt) holten sich wechselweise die Bälle im Spielaufbau hinten ab, standen in der Regel auch vertikal gut gestaffelt. Dass es bei ihnen keine klare Zuordnung gibt (z.B. Pfingsten immer offensiver als Engelhardt), sehe ich als Vorteil, da es den zentralen Spielaufbau etwas weniger ausrechenbar macht. Defensiv agierte allerdings Engelhardt tiefer als Pfingsten. Sind die Räume vor ihm kompakt geschlossen, sortiert er sich sogar teilweise in die Viererabwehrkette ein.

Dann wird es etwas asynchron, was sicher den verschiedenen Talenten der beiden offensiven Außenbahnspieler geschuldet ist. Öztürk verschob sehr weit nach vorn, praktisch auf eine Höhe mit den beiden Stürmern. Wird er mit einem guten Pass in Szene gesetzt, kann er so seine immensen Stärken im eins gegen eins ausspielen, die er, bis zu seiner Auswechslung (die hoffentlich eine reine Vorsichtsnahme war), eindrucksvoll demonstrierte. Ihn bekamen die Magdeburger Verteidigern nie in den Griff. Möhwald auf rechts agiert deutlich tiefer, weil er das Spiel lieber vor sich hat und weil er mit Odak einen passstarken Außenverteidiger hinter sich weiß, und sie in dieser Konstellation die Strafraumnäherung eher mit Kombinationen anstreben. Gut bei Möhwald war, dass er – wann immer sinnvoll und möglich – in den Strafraum drang und dort den Abschluss suchte. Verbesserungswürdig ist sein Spiel ohne Ball, exemplarisch sei hier eine Szene aus der zweiten Halbzeit erwähnt, Tunjic hat auf dem rechten Flügel den Ball, wird gedoppelt, Möhwald läuft vor ihm in den Strafraum, statt an die Außenlinie, um auf diese Weise einen der beiden Verteidiger von Tunjic wegzuziehen. Angriff zu Ende.

Solange Öztürk auf dem Platz war, hat mir sogar die Spielweise mit zwei Mittelstürmern gut gefallen. Beide, also Bandstetter und Tunijc, bewegten sich viel: Tunjic sehr oft nach rechts, um Passoptionen mit Möhwald und dem nachrückenden Odak zu öffnen. Brandstetter bot sich als Relaisstation für das zentrale Mittelfeld an, oder rückte in die linke Halbposition in Richtung Öztürk. Überhaupt machte Brandstetter ein überzeugendes Spiel: wenig Ballverluste, gute Ballan- und mitnahmen, stets den Torabschluss suchend. Für alle Offensivspieler gilt, dass die Chancenverwertung mangelhaft war und sie sich in der ein oder anderen Situation schneller vom Ball trennen müssen.

Ein Wort zu Fillinger, der für Öztürk kam: Alibifußball!

Richtig Bauchgrimm verursacht mir die Torwartposition. Klewin wirkte auch gegen Magdeburg hypernervös und leistete sich in der 2. Halbzeit einen Riesenbock, der fast zum 0:2 geführt hätte. Kornetzky scheint mir ein richtiger Obersympath zu sein, aber ob er (momentan) der bessere Torwart ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

Und, last but not least, die neueste Version der von mir erwarteten Startaufstellung gegen die Stuttgarter Kickers. Ein 4-4-2 mit zwei Stürmern, vor allem wohl auch deswegen, weil sich personelle Alternativen dazu (Strangl, Fillinger, Derici, Göbel) nicht wirklich anbieten:

Walter Kogler äußert sich zum Spielsystem

In einem Interview auf kicker.de (durchgeführt vom TA-Mitarbeiter Marco Alles) äußert sich Walter Kogler zum ersten Mal ausdrücklich zum zukünftigen Spielsystem des RWE: «Als Basis dient das 4-4-2-System, was sich aber auch als 4-2-3-1 interpretieren lässt. Wichtig ist mir aber, dass sich die beiden Sechser immer wieder mit in die Offensive einschalten und nicht nur als reine Abräumer fungieren.» Bei dieser Vorgabe ihres Chefs werden Pfingsten und Engelhardt kein Bauchweh bekommen, beides sind Spieler, die in der Offensive große Potenziale haben, auch wenn Engelhardt dies, seit er wieder für den RWE kickt, nur sporadisch offenbaren konnte. Was aber oft genug taktische Ursachen hatte.

Mit dem Interview des RWE-Cheftrainers hat sich meine bislang vertretene These (die hauptsächlich auf Koglers einst in Österreich favorisierten Systemen beruhte), und von einer 4-1-4-1-Formation ausging, erledigt. Ich denke jetzt, dass wir ein Hybridsystem zu erwarten haben, das defensiv ein 4-4-2 und offensiv ein 4-2-3-1 sein wird. Da man im Fußball während des Spiels nicht permanent aus- und einwechseln kann, impliziert diese Annahme ebenfalls, dass ich nicht von zwei nominellen Stürmern in der Anfangsformation ausgehe. Oder genauer: dass ich zwei Stürmer für unwahrscheinlich halte.

Das 4-4-2 ist die Mutter aller zeitgemäßen Spielsysteme, erfunden Ende der 80er Jahre von Arrigo Sacchi während seiner großen Jahre beim AC Mailand. Die Hauptvorteile des 4-4-2 aus meiner Sicht:

  • Einfaches, quasi organisches Verschieben der Mannschaftsteile hin zum Ball
  • Hohe Kompaktheit; alle möglichen Gegnerpositionen können gut gedoppelt werden
  • Mannschaften, die schnell viele neue Spieler integrieren müssen, ist dieses System methodisch am einfachsten zu vermitteln
  • Alle gängigen taktischen Stilmittel, wie aktives und passives Pressing, Gegenpressing nach Ballverlust, schnelles Umkehrspiel, etc. sind mit einem 4-4-2 abbildbar

Ein beispielhaftes 4-4-2-System des RWE in der defensiven Grundordnung:

Das sieht doch wohlgeordnet aus, so auf dem Papier.

Wie erfolgreich und ansehnlich ein 4-4-2 funktionieren kann, hat der SC Freiburg unter Christian Streich in der letzten Saison eindrucksvoll vorgeführt. Die potenziellen Nachteile dieser Formation liegen in der Gefahr der Unverbundenheit der einzelnen Linien, den Lücken, die sich zwangsläufig ergeben, wenn der Abstand der beiden Viererketten zu groß gerät, sowie dem nominellen Fehlen eines zentralen offensiven Spielers/Ballverteilers – was oft dazu führt, dass die Stürmer keine (verwertbaren) Bälle bekommen. Um das zu umgehen, mutiert die 4-4-2-Defensivordnung fast immer zu einem 4-2-3-1-Angriffsystem, wir sprechen dann von einem Hybriden. Man operiert bei eigenem Ballbesitz mit einem Mittelstürmer und kann (und muss) ansonsten ein variables Offensivspiel aufziehen, wobei alle Spieler eine hohe Laufbereitschaft, gutes Passspiel und kluges taktisches Verhalten gleichermaßen auf sich vereinigen sollten. Auch der einzige Stürmer darf nicht einfach auf Zuspiele oder Flanken seiner Teamkollegen hoffen, sondern hat sich permanent zu bewegen, muss im Zweikampf robust auftreten und gleichfalls eine hohe Passqualität eignen. Als Beispiele seien Lewandowski, Mandzukic und Klose genannt. Ein Gegenbeispiel wurde unlängst in die Toskana transferiert.

Wer könnte beim RWE diese Positionen ausfüllen? Tunjic stand in den letzten Spielen immer in der Startelf, deshalb sehe ich ihn Koglers Gunst derzeit vor Brandstetter – auch wenn dieser, meiner Auffassung nach, die Anforderungen an einen modernen Mittelstürmer besser erfüllt. Als zentraler Offensivspieler böte sich Derici an, er ist jedoch offensichtlich nicht fit genug für 90 Minuten Profifußball. Aus diesem Grund glaube ich, dass zunächst Möhwald diese Stelle in Koglers Startelf besetzen wird. Auf der rechten offensiven Außenbahn könnte tatsächlich Patrick Göbel eine Chance gegen die Stuttgarter Kickers erhalten. Indizien: er  stand in den Spielen gegen Brentford und Ingolstadt in der Anfangsformation und erhielt jeweils viele Einsatzminuten. Die offensive Dreierreihe muss sich durch eine hohe Fluidität auszeichnen, ständig die Positionen wechseln, mit den nachrückenden Sechsern und Außenverteidigern Passdreiecke schaffen, um Überzahlsituationen am Ball erzeugen zu können.

Hier die von mir momentan erwartete Startelf gegen die Stuttgarter Kickers (4-2-3-1)

Womöglich aber überrascht uns das Trainerteam ja noch mit einer ganz anderen Variante. Christian Preußer hatte in der letzten A-Jugend-Saison aus der Not eine Tugend gemacht. Er verfügte über zwei sehr gute Mittelstürmer (Nietfeld und Stolze), aber keinen herausragenden Zehner. Deshalb ließ er beide Mittelstürmer spielen, man konnte hier völlig zu Recht von einem 4-4-2 auch in der Offensive sprechen. Beide bewegten sich sehr variabel, nahmen wechselweise die zentrale Sturmposition ein oder ließen sich in die Halbräume fallen. In den besten Spielen der Saison (vor der Winterpause) war zudem Felix Robrecht in bestechender Form. Er spielte als zentraler Mittelfeldspieler (mehr Achter als Sechser) grandiose, öffnende Pässe auf die beiden Stürmer. Nun, ich glaube nicht, dass Robrecht (der wohl zudem verletzt ist) und Stolze in der Startelf des 1. Spieltages stehen werden, aber ein derartiges System würde ich zum jetzigem Zeitpunkt nicht (mehr) kategorisch ausschließen. Dann aber besetzt mit Brandstetter und Nietfeld.

Es bleibt spannend. Mal sehen, was uns das Spiel gegen den FCM an weiteren Erkenntnissen beschert.

Spiel gegen Brentford, diverse Interviews & Erfurt liebt den Fußball nicht

Die einen fanden Laurito besser als Kleineheismann, andere sahen Odak offensiver als Czichos und wieder andere waren exakt der gegenteiligen Auffassung. Einig war man sich darin, dass aus Mijo Tunjic in der Sommerpause kein Claudio Pizarro geworden ist und Philipp Klewin zuweilen ganz schön nervös seinen Strafraum nicht beherrschte. Die TLZ vermeldet als Neuigkeit eine Systemänderung hin zu einem 4-1-4-1, was ich bereits vor mehr zwei Wochen als sehr wahrscheinliches Koglersches System prognostiziert hatte. Von einer Systemänderung kann überdies nicht wirklich die Rede sein, da es auch unter Schwartz in der Rückrunde des Öfteren ein 4-1-4-1 gab, meist mit Oumari auf der 6er-Position, einmal auch mit Engelhardt (bei einem weiteren zur Halbzeit abgebrochenen Versuch mit Baumgarten).

Mehr als die Unterschiede sind mir die Gemeinsamkeiten zur letztsaisonalen taktischen Formation aufgefallen. Da wäre in erster Linie die mangelnde Breite des Angriffsspiels des RWE zu nennen. Die Außenbahnspieler auf den ballfernen Positionen bewegen sich nicht in den freien Raum zur Seitenlinie hin, sondern orientieren sich zur Platzmitte. Bei Schwartz war das Absicht, in seinem System wurde bereits bei der eigenen Offensivbewegung einem möglichen Ballverlust vorgebaut. Bewegen sich die Außenbahnspieler eng zu ihren zentralen Mitspielern, ist es für den Gegner schwer, sich durch diese kompakte Formation mittels schnellem Umschaltspiel einen Vorteil zu erkontern.

Das Hauptmanko dieser Komprimierung liegt in den eingeschränkten Optionen des Offensivspiels. Der Gegner kann seine Reihen kompakt verschieben und sich dabei exklusiv auf die Platzmitte und die ballnahe Seite konzentrieren. In diesem Spielfeldviertel bewegen sich dann mindestens sechs Spieler jeder Mannschaft, was außergewöhnliche Präzision bei Weiterleitung und Verarbeitung des Balles zwingend voraussetzt, um in Strafraumnähe zu gelangen. Eine überraschende Spielverlagerung – über die Spielmitte eingeleitet – steht nicht zu Gebote. Ob das von Kogler so gewollt war, oder ob die Mannschaft nur in alte Gewohnheiten verfallen ist, will ich nach diesem einem Spiel nicht beurteilen.

Ansonsten werden viele Interviews gegeben. Der Trainer lobt die Spieler sowie die Trainingsbedingungen in Weißensee. Die Mannschaft lobt via Pfingsten-Reddig den Trainer zurück («Spricht viel mit uns», «Wir trainieren fast nur mit Ball»). Rene Müller tadelt die Stadt Erfurt und Rolf Rombach findet, dass er (zum Teil) recht hat.

Nun, was den akuten Honeymoon zwischen Mannschaft und Trainer betrifft: Ich will nicht hoffen, dass hier zutrifft, was Harald Schmidt mal über die gegenseitigen Sympathiebekundungen bei Fernsehproduktionen äußerte: «Wenn alle sagen wie lieb sie sich haben, wird die Show garantiert nach drei Folgen abgesetzt.» Es ist wirklich schön zu hören, dass die Pheromonreaktionen zwischen Mannschaft und Trainer stimmen, aber was ich in erster Linie sehen will und erwarte, ist eine sukzessive Verbesserung der fußballerischen Qualität des Teams. Ich schreibe auch deshalb über Fußball, weil es ein so grundhaft ehrlicher Sport ist und man im Angesicht der Leistung auf dem Spielfeld meist getrost alles in die Tonne treten kann, was einem vorher erzählt wurde. Denn: Am Ende liegt die Wahrheit auf dem Platz. Und nur dort.

Erfurt will den Fußball nicht. Behauptet Rene Müller in seiner vorsaisonalen Analyse der Aussichten der «Ostklubs» in der BILD. Immerhin genug, dass die Stadt das Risiko eines Stadionneubaus nicht scheut, möchte man erwidern. Aber er hat natürlich recht, unser Aufstiegstrainer im Ruhestand. Die Stadt Erfurt und viele ihrer Bewohner pflegen ein, zurückhaltend formuliert, gespaltenes und nicht in jedem Fall sinngesättigtes Verhältnis zu ihrem größten und bei weitem bekanntesten Sportverein. Dieser soll erfolgreich spielen, dabei aber möglichst keine Ansprüche stellen. Er soll seine Stadionmiete pünktlich überweisen, zahlende Fans stellen jedoch in jeder Beziehung eine Zumutung dar. Ein seit 20 Jahren offenes Verkehrsproblem mit einer Einfahrtsstraße sollte als Vehikel dafür herhalten, den Stadionbau zu unterbinden. Ausgerechnet von jener Partei als Argument benutzt, die 16 Jahre fast exklusiv die Macht an der Gera innehatte und in dieser Zeit weder Stadion noch Zufahrtsstraße grundhaft renoviert bekam.

Aber zurück zu Wichtigerem. Hat sich an meiner Einschätzung bezüglich der zu erwartenden Startelf gegen die Stuttgarter Kickers etwas geändert? Klare Antwort: nein. Eher haben sich einige Zweifel erledigt. Ich denke, dass Kleineheismann leichte aber deutlich wahrnehmbare Vorteile gegenüber Möckel hat. Wobei Kogler zweifellos recht zu geben ist, wenn er die Auffassung äußert, dass es unabdingbar ist, mit drei in etwas gleich starken Innenverteidigern in die Saison zu starten. Das ist das Minimum. Göbel hat mich gegen Brentford nicht überzeugt. Es bleibt dabei: er eignet einen überragenden rechten Fuß, hat aber nach wie vor Probleme in der Ballbehauptung und Handlungsschnelligkeit bei gegnerischem Pressing, die umso mehr auffallen je offensiver er aufgeboten wird. Tunjic bekommt wie stets Bestnoten in puncto Engagement, Laufarbeit und Pressing, war allerdings leider wenig überzeugend bei seinen Angriffsaktionen. Das Tunjic-Dilemma: Er ist als offensiver zentraler Zielspieler ungeeignet, weil er zu viele Bälle nicht schnell und gut genug verarbeitet, mithin zu viele Fehlpässe spielt; während seine Haupttugenden – Durchsetzungsfähigkeit und Geschicklichkeit in unmittelbarer Tornähe – mangels geeigneter Flanken von außen (siehe oben) nicht adäquat zum Tragen kommen. Schade, dass Derici nicht zum Einsatz kam, ich vermute aber, dass die bekannt gewordenen konditionellen Defizite sich ohnehin nicht bis zum Auftaktspiel restlos verflüchtigen, er also bis auf Weiteres eine Option auf der Bank bleiben wird. Ach ja, die Torhüterposition könnte noch zu einem Fragezeichen werden, doch ich hoffe inständig (für ihn, für uns), dass Klewin seine Nerven in den nächsten beiden Spielen (Ingolstadt, Magdeburg) besser im Griff hat. Mach dich locker, Philipp!

Evtl. Startelf des RWE am 1. Spieltag Saison 13/14 – Version 2.0 / 08.07.2013

FC Rot-Weiß Erfurt vs. Brentford FC / Vorschau

Am Sonnabend stehen sich zu einem Vorbereitungsspiel in Weißensee zwei Fußballklubs gegenüber, die mehr gemeinsam haben als die traditionellen Farben ihrer Trikots. Die Glanzzeiten beider Vereine liegen Jahrzehnte zurück. Den letzten Titel des RWE gab es 1955 zu feiern; noch schwieriger dürfte es sein, beim FC Brentford Zeitzeugen für die großen 30er Jahre des Klubs zu finden. Zu dieser Zeit spielten die Westlondoner in der höchsten englischen Spielklasse und schlugen sich mit Platzierungen im vorderen Mittelfeld äußerst respektabel. Weit verblüffender sind jedoch die aktuellen Parallelen. Sowohl Brentford als auch der RWE setzen alles daran, der momentanen Drittklassigkeit zu entkommen. Nach Jahren mittelmäßigen Abschneidens in der League 1 (Vermarktungsenglisch für 3. Liga) stand Brentford in der abgelaufenen Saison ganz kurz davor, dies Wirklichkeit werden zu lassen. Am vorletzten Spieltag der regulären Saison vergab man eine realistische Chance auf die direkte Aufstiegsmöglichkeit durch ein 1:1 beim bereits feststehenden Absteiger Hartlepool United. Brentford musste in die Aufstiegs-Play-Offs und verlor das Finalspiel gegen Yeovil Town vor 42.000 Zuschauern in Wembley mit 1:2. Entscheidende Spiele zu verlieren, dies dürfte den Anhängern des RWE aus den letzten Jahren bestens (oder schlechtestens) vertraut sein. Auch beim FC Brentford lässt der Zuschauerzuspruch im heimischen, altehrwürdigen Griffin Park (vermutlich mehr alt als würdig) das Management des Klubs nicht frohlocken. Nur zum letzten Heimspiel gegen die Doncaster Rovers (als man nur noch eine recht vage direkte Aufstiegschance hatte), kamen mehr als 10.000 Zuschauer zu einem Heimspiel. Das führt uns zur nächsten Gemeinsamkeit: beide Vereine sehen es als unerlässlich für eine erfolgreiche (oder überhaupt eine) Zukunft an, dass ihre geschichtsträchtigen aber unzeitgemäßen Stadien durch neue Spielstätten ersetzt werden. Bei diesem Punkt enden an dieser Stelle allerdings die Gemeinsamkeiten. Während der FC Brentford (oder sein Eigentümer) gezwungen ist ein neues Stadion selbst zu finanzieren (und sich damit schwer tut), befindet sich der RWE in einer vergleichsweise komfortablen Situation, da der Bau der neuen Arena zu 100% aus diversen öffentlichen (sprich steuerfinanzierten) Quellen bestritten wird. Beim FC Brentford rechnet niemand mit der Fertigstellung vor 2017, in Erfurt hoffen alle auf die Jahresmitte 2015.

Der Star des FC Brentford steht selbst nur neben dem Platz und sein Name lautet Uwe Rösler. Ich muss gestehen, dass ich Röslers aktive Zeit als Fußballer nur schlecht erinnere. Jedenfalls den Teil davon, der in Deutschland stattfand. Umso Erstaunlicheres geschah, als er 1994 zu Manchester City wechselte, sofort entscheidend an der Vermeidung des Abstiegs beteiligt war und über die Stationen Stammspieler, Torgarant, Publikumsliebling zu einem Vereinsmythos avancierte, offiziell beglaubigt durch die Aufnahme in die Manchester City Hall of Fame im Jahre 2009. Seit 2011 arbeitet er als Manager (sprich Trainer) des FC Brentford, sein Vertrag wurde Anfang 2013 um weitere zwei Jahre verlängert. Nach dem Willen des Managements soll er den Verein in eine sportlich lichtere Zukunft führen. Man setzt auf Kontinuität, selbst wenn es nach dem knappen Scheitern im Aufstiegsrennen viele lange Gesichter beim FC Brentford gab. Rösler allerdings stellt dort niemand in Frage.

Als kleines Schmankerl zur Einstimmung auf das Spiel berichtet Wilfried Mohren davon, dass dereinst sogar Rod Stewart für The Bees gespielt hätte. Das ist eine Geschichte, die seit Langem erzählt wird. Aber sie ist nur ein Mythos, wie Rod Stewart in seiner Autobiographie 2012 zugab. Richtig ist wahrscheinlich, dass er ein oder zwei Wochen in einem Nachwuchsteam mittrainierte (doch selbst dafür finden sich keine Belege mehr), er bestritt jedoch definitiv kein einziges offizielles Spiel für die Westlondoner.

Wie auch immer, ich freue mich jedenfalls sehr auf dieses Spiel und erhoffe mir davon vor allem Aufschluss über das von Kogler favorisierte Spielsystem. Und darüber, ob wir mit Okan Derici vielleicht doch einen zweiten Özil verpflichtet haben. Oder wenigstens einen zweiten Calhanoglu.

Näherung an die Startelf gegen die Stuttgarter Kickers / V1.1

Ich hatte ja versprochen, dass ich je nach Nachrichtenlage, Vorbereitungsspielen, Pressemeldungen und sonstigem Gedöns hier ab und an über die aus meiner Sicht wahrscheinlichste Startformation des RWE am ersten Spieltag spekuliere.

Nun, es haben sich harte Fakten auf einer Position ergeben: Andreas Sponsel verlässt den Verein, um in Bayreuth Sport zu studieren und nebenbei noch ein bisschen in der fünften Liga zu kicken. Über die Verdienste von Andreas Sponsel ist in den letzten Tagen alles geschrieben worden, jegliches davon ist richtig. Ich kann seine Entscheidung gut nachvollziehen, schließlich ist Ex-Fußballprofi kein Beruf, auch wenn das einige bemitleidenswerte Gestalten a la Helmer, Strunz und Basler anders sehen. Über den Zeitpunkt der Entscheidung lässt sich diskutieren, aber dem Verein bleiben noch knappe drei Wochen um einen Ersatz für Sponsel aufzutreiben – wobei ich natürlich hoffe, dass die Verpflichtung möglichst zeitnah geschieht. Ich traue mir momentan kein Urteil darüber zu, ob Klewin bereits die Stabilität aufweist, um als Stammtorhüter in eine Profisaison zu starten. Bis zur Verpflichtung eines neuen Torwarts gehe ich einfach mal davon aus. Den heute verpflichteten Okan Derici werde ich mir gegen Brentford anschauen. Mit einigen Erwartungen.

Abgesehen von der Personalie Sponsel bleibe ich vorerst bei der Version 1.0 meiner Startelf-Annäherung.

Evtl. Startelf des RWE 1. Spieltag Saison 13/14 – Version 1.1 / 01.07.2013

Mit dem grünen Pfeil werden Änderungen zur vorhergehenden Version gekennzeichnet, in diesem Fall also nur Klewin gegen Sponsel. Große Unsicherheit bezüglich einer Personalie wird durch den Kegel angezeigt. Wobei sich in der Abwehr die von Anfang an vermutete Formation stabilisiert, darauf weisen die Testspielaufstellungen gegen Baunatal und Schweinfurt hin. Hier ist wohl allein die Frage: Kleineheismann oder Möckel. Engelhardt, Pfingsten-Reddig und Möhwald halte ich ebenfalls für gesetzt. Auf den beiden offensiven Außenbahnen scheinen sich momentan Strangl, Öztürk und Fillinger einem Wettbewerb um die Gunst von Walter Kogler zu liefern. Gleichermaßen macht die Mittelstürmer-Entscheidung zwischen Brandstetter und Tunjic den Eindruck völliger Offenheit. Von dem bevorstehenden Spiel gegen Brentford verspreche ich mir vor allem eindeutige Hinweise auf das von Kogler bevorzugte Spielsystem. 4-1-4-1, 4-2-3-1, oder vielleicht doch ein 4-4-2 – am Samstagabend wissen wir mehr.

Bis dahin – bleibt mir gewogen.

Der neue Cheftrainer des RWE: Walter Kogler / Einige Anmerkungen

Mein Kollege glänzte mit wienerischem Sarkasmus, als ich ihm die Verpflichtung unseres neuen Cheftrainers verkündete: «Seids deppat? Mal wieder ein österreichischer Arbeitsloser, der in Deutschland sein Glück sucht.» Seht es ihm nach, er kann nicht anders. Für einen guten Gag würde er seine Mutter verkaufen. (Vermutlich sogar für weit weniger.) Aber er korrigierte sich schnell und seine Meinung zu Walter Kogler fiel dann doch ermutigend aus: Der wäre ja, dem Himmel sei Dank, kein Mitglied dieser 78er-Cordoba-Dampfplauderer-Gang à la Hickersberger, Prohaska und Krankl, die seit diesem – ihrem einzigen nennenswerten – Erfolg, akribisch und unentwegt am Niedergang des österreichischen Fußballs arbeiteten. (Eine etwas monokausale Sichtweise der Dinge, wie ich finde.) Kogler habe als Spieler so ziemlich das Maximale aus seinem nicht unbegrenzten Talent herausgeholt und als Trainer habe er mit Wacker Innsbruck Erstaunliches geleistet. Soweit mein Kollege aus Wien.

Das deckt sich in etwa mit all dem, was seit der überraschenden Vorstellung Walter Koglers am letzten Donnerstag geschrieben wurde. Was aber heißt dies fußballerisch für den FC Rot-Weiß Erfurt? Welchen Fußball haben wir zu erwarten? Welches System bevorzugt Kogler, wenn er denn eines bevorzugt? Hat jemand schon einmal in einer der obersten Spielklassen als Trainer gearbeitet, so ist sein Wirken relativ gut dokumentiert. Das ist auch bei Walter Kogler so. In der Aufstiegssaison 09/10 ließ er Wacker Innsbruck fast durchweg ein 4-4-2-System mit Raute spielen. Ein System, das unter deutschen Taktikexperten nicht den besten Ruf genießt. Das ist möglicherweise etwas ungerecht, nur weil einem da sofort (und exklusiv) die Thomas-Schaafsche-Variante einfällt, die nicht wenige für den fußballerischen Sturzflug von Werder Bremer verantwortlich machen. Sehr nachdrücklich und beeindruckend kenntnisreich wird so im Werder-Blog (ballverlust.net) von Johan Petersen argumentiert. Der Hauptvorwurf an das 4-4-2 mit Raute lautet: Wenn es zu offensiv angelegt ist, eröffnen sich im Defensivspiel große Räume für den Gegner, die ein Sechser allein niemals schließen kann. Einfacher ausgedrückt: So viele Tore kann man vorne gar nicht erzielen, wie man hinten kassiert. Zudem gibt es an den Spieler der als einziger Sechser aufgeboten wird einen unumstößlichen Qualitätsanspruch: Er muss fußballerisch wie taktisch herausragend gut sein. Verfügt man über diesen Spieler nicht, sollte man besser die Finger davon lassen.

Nach dem Aufstieg von Wacker in die österreichische Bundesliga konnte Kogler einen derartigen Spieler aufbieten, den Tschechen Tomas Abraham. Das erste Viertel der Saison 10/11 verlief sensationell für die Innsbrucker und ihre Fans: Am 9. Spieltag stand der Aufsteiger an der Tabellenspitze der Eliteklasse. Danach wurde es schwieriger und Kogler experimentierte mit diversen Systemen. Insgesamt spielte seine Mannschaft eine erstaunliche Saison als Aufsteiger und wurde Sechster.

Wacker bestätigte diese Leistung mit einer grundsoliden zweiten Saison. In dieser setzte Kogler fast durchweg auf eine 4-1-4-1-Formation (mit Abraham als Sechser), an deren defensiver Abstimmung man bei moderaten 46 Gegentreffern in 36 Spielen wenig auszusetzen vermag. Dass es nicht für mehr Punkte reichte, lag wohl eher an der mangelnden Durchschlagskraft des Angriffs. Dabei sollte jedoch stets bedacht werden, dass Wacker Innsbruck durchweg mit einem Minietat auskommen musste, was – wie das dritte Bundesligajahr zeigen sollte – immer das Risiko eines sportlichen Einbruchs birgt – sobald sich Leistungsträger außer Form befinden oder verletzen.

Summarisch lässt sich sagen, dass Kogler ein System mit nur einem zentralen defensiven Mittelfeldspieler zu bevorzugen scheint, ohne dass dies bei ihm den Rang eines Dogmas einnehmen würde. Er gilt dem (mit Recht) renommierten österreichischen Taktikblog abseits.at als interessanter, innovativer Trainer, wie in dieser Zusammenfassung des zweiten Bundesligajahrs von Wacker zu lesen steht.

Es ist derzeit natürlich unmöglich zu sagen, welche Auswirkungen dies alles auf System, Taktik und personelle Aufstellung des FC Rot-Weiß Erfurt haben wird. Trotzdem, und um das spekulativ-spielerische Element diese Blogs etwas zu forcieren, will ich es wagen. In unregelmäßigen Abständen werde ich, auf der Grundlage aller mir vorliegenden Informationen (Testspiele, Transfers, Medien, Verletzungen, Form, evtl. Trainingseindrücke) eine vorsaisonale Annäherung an unsere Startelf am ersten Ligaspieltag der bevorstehenden Saison veröffentlichen. Nun denn, werfen wir mal einen ersten Blick in die Glaskugel:

Evtl. Startelf des RWE 1. Spieltag Saison 13/14 – Version 1.0 / 24.06.2013

Ich gehe momentan von nur einem Sechser aus und denke, dass dies Engelhardt sein wird. Ob der den Ansprüchen der Position (in dieser taktischen Interpretation) und von Kogler genügt, werden letztendlich erst die Ligaspiele zeigen. Davor sind Pfingsten-Reddig und Möhwald gesetzt, da beide situativ wache Spieler sind, die weder vor langen Laufwegen noch vor Defensivaufgaben zurückschrecken und außerdem über eine stabile Passqualität verfügen (zumindest an guten Tagen). Des Weiteren vermute ich, dass alle bisherigen Neuverpflichtungen zum Einsatz in der Startelf kommen.

Gegenthesen, Korrekturen, etc. sind wie immer willkommen.

Interview mit Christian Preußer

Aus gegebenem Anlass – Klassenerhalt der U19, DFB-Pokalteilnahme derselben Mannschaft, seine Vertragsverlängerung, und weil nicht alles schlecht ist beim FC Rot-Weiß Erfurt, hier die vollständige Version eines Interviews, das ich am 25.10.2012 mit Christian Preußer geführt habe. (Erstabdruck in Heft 1 von OstDerby – Magazin für den Fußballosten)

Zur Person: Christian Preußer wurde 1984 in Berlin geboren. Er absolvierte eine Ausbildung an der Sportakademie des Landessportbundes Thüringen, ist im Besitz der A-Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes und hat soeben die Ausbildung zum DFB-Fußballlehrer begonnen. Seit April 2010 leitet er das Nachwuchsleistungszentrum des FC Rot-Weiß Erfurt und ist – in Personalunion – Trainer der U19-Mannschaft, die in der A-Junioren-Bundesliga spielt. Einer größeren Öffentlichkeit wurde er als Interimstrainer der Drittligamannschaft des FC RWE bekannt, die er zwei Spiele lang betreute.

Fedor Freytag: Herr Preußer, Sie sind Fußball-Trainer. In den Ohren vieler hört sich das nach einem Traumberuf an. Wie kam es dazu?

Preußer: Es ist wirklich mein Traumberuf. Wie wohl fast alle Jungs habe ich sehr früh angefangen Fußball zu spielen. Mein Heimatverein ist die VSG Altglienicke Berlin. Ich habe fast alle Nachwuchsmannschaften dort durchlaufen, wobei relativ schnell klar war, dass es mit einer Karriere als Spieler im Profifußball nichts werden würde.

Ich bin sehr demütig, dass ich den Fußball trotzdem zu meinem Beruf machen konnte. Ich finde es toll, jungen Leuten dabei helfen zu können ihre sportlichen Ziele zu erreichen und sich auch als Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Die Jungs arbeiten daran sehr konsequent. Von den 23 Spielern unserer A-Jugend wollen 21 Fußballprofi werden. Diesem Ziel ordnen sie alles unter. Es ist einfach großartig, mit ihnen Dinge zu trainieren und dann zu sehen, wie diese Dinge im Spiel erfolgreich umgesetzt werden.

Aber es ist nicht allein der sportliche Aspekt: Ich arbeite jeden Tag mit Jugendlichen und begleite sie beim Erwachsenwerden. Erlebe, wie sie ihre erste Freundin haben, den Führerschein machen. Da ist auch viel Spaß dabei.

Fedor Freytag: Welche Rolle spielen Eltern und Spielberater? Wenn man am Spielfeld steht, gewinnt man nicht immer den Eindruck, dass der Ehrgeiz einiger Eltern die Dinge zum Besseren wendet. Was Spielerberater angeht, so gibt es sicherlich viele Klischees. Ich könnte mir vorstellen, dass jemand wie Jens Nowotny (Insoccer) seriöser agiert, als andere Vertreter dieses Geschäfts.

Preußer: Spielerberatung im Nachwuchsbereich ist ein schwieriges Thema. In erster Linie weil der Zugriff auf die Spieler immer früher erfolgt. Vor drei Jahren wurde die C-Jugend-Regionalliga eingeführt. Bei manchen Spielen sehen sie dort bereits 15 bis 20 Spielerberater neben dem Platz. Wir reden hier von 14-Jährigen. Das ist für mich völlig unsinnig, weil man in diesem Alter noch keine Prognose über die Entwicklung in drei bis vier Jahren geben kann. Aber es gibt in der Tat große Unterschiede bei den Beratern. Welche mit denen wir gut zusammenarbeiten und andere, bei denen nach 5 Minuten klar ist, dass man nicht zueinander findet. Prinzipiell gilt jedoch: man muss sich mit dem Gewerbe arrangieren. Das hat auch mit den fehlenden rechtlichen Grundlagen zu tun. Die Entwicklung des Jugendlichen bzw. des Spielers muss bei allen Entscheidungen des Beraters im Vordergrund stehen, das ist leider nicht immer der Fall.

Fedor Freytag: Wäre es denn sinnvoll, die gesetzlichen Grundlagen bzw. die Verbandsregularien zu verschärfen?

Preußer: Das ist schwierig. Vom DFB lizenzierte Spielerberater gibt es ja bereits, aber grundsätzlich herrscht in Deutschland Vertragsfreiheit. Jeder kann sich quasi von jedem beraten lassen. Gerade wenn das pro forma über Rechtsanwälte abgewickelt wird, ist es kaum zu unterbinden. Bei unseren U19-Spielern suche ich aktiv das Gespräch mit den Beratern. Wenn man mit ihnen über Dinge wie Leistungsentwicklung und Perspektive reden kann, ist viel gewonnen. So kann man vielleicht verhindern, dass ein Spieler nur des Geldes wegen zu einem finanzstärkeren Verein wechselt.

Fedor Freytag: Die Eltern?

Preußer: Sie sind der Schlüssel. Inklusive der Vormittagstrainings im Sportinternat  sehe ich die Jungs 8 bis 10 mal pro Woche, also deutlich öfter als ihre Eltern sie sehen. Die Eltern vertrauen uns ihre Kinder an, also muss man den Kontakt zu den Eltern permanent suchen. Das betrifft viele Bereiche, auch das Außersportliche. Hinzu kommt das Alter. Mit 18 Jahren gibt es Abnabelungsprozesse die es zu begleiten und zu moderieren gilt. Nur wenn alle drei beteiligten Parteien am selben Strang in eine Richtung ziehen, werden sich die gewünschten Erfolge einstellen.

Fedor Freytag: Wie sieht das konkret aus, wenn ein Nachwuchsspieler nach Erfurt kommt. Wer kümmert sich zum Beispiel um Wohnraum.

Preußer: Das machen wir. Und hier liegt fraglos eine unserer Stärken. Wir versuchen, ein sehr angenehmes, persönliches Umfeld zu schaffen. Davon sind die Eltern sehr angetan, weil das offensichtlich bei den wenigsten Vereinen in dieser Weise der Fall ist. Die Jungs sollen sich hier wohl fühlen und wenn das gelingt ist viel gewonnen. Durch die Sportinternate haben wir in der Regel auch kein Problem eine geeignete Unterkunft anzubieten.

Fedor Freytag: Der große Trumpf ostdeutscher Nachwuchsleistungszentren sind die Sportgymnasien. Gibt es da noch Verbesserungspotenziale, z.B.  durch stärkere Angebote im Bereich der Berufausbildung.

Preußer: 90 Prozent unserer Spieler sind noch in der schulischen Ausbildung. Dafür ist die Zusammenarbeit mit dem Sportgymnasium optimal geeignet. Auch weil auf der schulischen Seite traditionell viel Verständnis für die speziellen Belange des Leistungssports vorhanden ist. Hier im Verein würde ich mir wünschen, dass wir einen dezidierten Ausbildungsbetreuer hätten. Also jemanden, der sich ausschließlich um den Kontakt zur Schule kümmert. Das wird derzeit von mir und meinem Mitarbeitern quasi nebenbei wahrgenommen. Ohne es aktuell zu vernachlässigen, ist dies nicht die optimale Lösung. Wenn Bedarf besteht, kümmern wir uns auch um eine geeignete nachschulische Ausbildung. Das ist allerdings sehr individuell und hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von der sportlichen Perspektive des jeweiligen Spielers.

Fedor Freytag: Warum scheitern so viele Talente beim Übergang von der A-Jugend in den Männerbereich?

Preußer: Es gibt vielfältige Ursachen, in erster Linie sportliche. Die Unterschiede im Spieltempo und der geforderten Handlungsschnelligkeit selbst zwischen A-Junioren Bundesliga und 3. Liga sind enorm. Und an diese Unterschiede müssen sich die Spieler schnellstmöglich gewöhnen. Für diese Gewöhnung gibt es maximal ein Jahr Zeit, dann hat sich ein Trainer festgelegt, ob er mit diesem Spieler weiter plant oder nicht. Dann kommen anderweitige Versuchungen. Bleibt ein Spieler fokussiert oder lässt er sich vom Geld bzw. von der eventuellen öffentlichen Aufmerksamkeit ablenken? Wir versuchen vor allem in der U19 die Spieler darauf vorzubereiten. Indem wir sehr kritisch mir ihren Leistungen umgehen und ihnen deutlich machen, dass es, obwohl sie vielleicht gerade ein tolles Spiel gemacht haben, noch immer diese große Differenz zum Männerbereich gibt. Allerdings sind mahnende Worte das eine. Selbstzufriedenheit ist das andere. Manchen ist leider nicht klar, dass ein sechster Platz in der Nordoststaffel der Junioren-Bundesliga, kein Freifahrtschein in den Profifußball darstellt. Das ist eine notwendige Voraussetzung, hinreichend ist sie nicht.

Fedor Freytag: Eine große Herausforderung eines Nachwuchstrainers ist sicherlich der beständige personelle Wandel. Sie haben in diesem Jahr vier Ihrer talentiertesten Spieler an das Drittliga-Team des RWE abgegeben. Es fällt auf, dass vergleichsweise viele Neuzugänge von etablierten, höherklassigen Vereinen aus den Alt-Bundesländern kamen. Wie werden Sie auf diese Spieler aufmerksam?

Preußer: Es ist nicht unser Ziel, jedes Jahr 10 Neuzugänge aus anderen Leistungszentren in die A-Jugend zu integrieren. Natürlich sind wir in erster Linie bestrebt eine Durchlässigkeit unserer eigenen Talente von der D-Jugend in die A-Jugend zu erreichen. Das ist das eine. Andererseits wollen wir in der A-Junioren Bundesliga konkurrenzfähig sein. Es ist ganz wichtig für den Verein, dass die A-Jugend in der Bundesliga vertreten ist. Wir haben vor drei Jahren bitteres Lehrgeld gezahlt, als wir mit nur 12 Punkten abgestiegen sind. Dann wird es sehr schwer, Spieler wie Kevin Möhwald oder Maik Baumgarten davon zu überzeugen, dass sie hier Regionalliga spielen sollen. Glücklicherweise haben wir dann den direkten Wiederaufstieg geschafft. Wir können uns ein aufwendiges Scouting nicht leisten, deshalb bedarf es eines guten persönlichen Netzwerkes für die Akquise neuer Spieler. Aber es werden uns inzwischen auch aktiv Spieler angeboten. Es hat sich herumgesprochen, dass in der A-Jugend des RWE guter, attraktiver und erfolgreicher Fußball gespielt wird. Außerdem wurde wahrgenommen, dass die Durchlässigkeit zur 1. Mannschaft relativ hoch ist. Das ist eine starke Motivation für Spieler, die Nummer 13, 14 oder 15 in den A-Jugend-Mannschaften von Hertha BSC, Werder Bremen oder Hannover 96 sind.

Fedor Freytag: Matthias Sammer war neben seiner Funktion als DFB-Sportdirektor seit 2010 auch für die Talentförderung des Verbandes zuständig. Wie bewerten Sie seine Arbeit?

Preußer: Seine tägliche Arbeit kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich bin ihm persönlich einige Male begegnet, anlässlich der Tagung der Leiter der Nachwuchsleistungszentren, wo er als Referent auftrat. Dort hat er äußerst engagiert seine Auffassungen vorgetragen, zu quasi alle relevanten Punkten der Nachwuchsarbeit: von den Feldgrößen angefangen, über die Struktur der Nachwuchsnationalmannschaften bis hin zur Qualität der Hotels während eines Turniers. Das alles fand ich sehr fundiert. Er hat natürlich ein streitbares Auftreten und verteidigt mit aller Vehemenz seine Meinung, lässt aber andere Auffassungen durchaus gelten.

Fedor Freytag: Wie wirkt der DFB in die Arbeit der Leistungszentren hinein? Mal abgesehen von den Sonntagsreden? Gibt es jeden Morgen ein Fax aus Frankfurt?

Preußer: Nein. Unser Hauptberührungspunkt ist die  Zertifizierung der Nachwuchsleistungszentren. Die Zertifizierung wird im Auftrag des DFB durch die Firma Double Pass durchführt. Diese erfolgt alle drei Jahre und ist für Drittligisten freiwillig. Die Zertifizierung dauert drei Tage und während dieser Zeit werden quasi alle Bereiche des NLZ begutachtet: das Training, die Schule, die Infrastruktur. Als Resultat erhalten wir einen Bericht, in dem sehr detailliert beschrieben steht, was gut und was weniger gut ist. Aber, das sind Gespräche auf Augenhöhe, sehr konstruktiv und keinesfalls paternalistisch. Auf Basis dieser Begutachtung, erfolgt dann die Einstufung und die Vergabe der Mittel durch den DFB. Es gibt dabei ein 3-Sterne-System. Wir in Erfurt sind als Nachwuchsleistungszentrum zertifiziert, allerdings ohne Stern. Das liegt in erster Linie an unseren Defiziten bei der Infrastruktur. Alles sehr dezentral, das Trainingsgelände liegt 5 km vom Sportgymnasium entfernt, wir verfügen über keinen Kunstrasenplatz, usw. usf.  Das heißt, man bekommt sehr genau aufgezeigt in welchen Bereichen man sich noch verbessern kann, bzw. muss. Auch RWE sollte hier in den nächsten Jahren den nächsten Schritt gehen, um den Anschluss an die anderen Vereine in den Junioren-Bundesligen nicht zu verlieren und der Kampf um Talente dann immer schwieriger wird.

Fedor Freytag: Jogi Löw möchte Fußballspiele schön gewinnen, Jose Mourinhos diesbezüglicher Ehrgeiz ist deutlich bescheidener, dem reicht ein ergurktes 1:0. Wie ist ihre Meinung?

Preußer: Das ist aus meiner Perspektive eine Frage des Aufgabenbereiches in dem man tätig ist. Klar wollen wir mit der A-Jugend die Klasse, sprich die Bundesliga, halten. Dazu benötigt man ca. 30 Punkte in einer Saison. Aber man darf natürlich auch den Ausbildungscharakter nicht völlig aus den Augen verlieren. Wenn meine Innenverteidiger in einem Spiel 25 lange Bälle ohne Gegnerdruck nach vorne schlagen, dann werden sie wahrscheinlich nicht dritte Liga spielen. Da gilt es immer eine Balance zu finden. Unsere Grundregel ist: je jünger die Mannschaften sind, desto unwichtiger ist das Ergebnis und umso dominanter ist der Ausbildungscharakter. Ein gutes Beispiel ist die C-Jugend-Regionalliga. Das ist in Mitteldeutschland eine reine Ausbildungsliga, aus der man nicht absteigen kann. Und das ist auch gut so. Wenn ich jedoch Interimstrainer der Männermannschaft in der 3. Liga bin und wir haben zu diesem Zeitpunkt einen Punkt auf der Habenseite, dann ist es egal wie wir Fußball spielen, so lange wir punkten. Wie gesagt, es ist eine Frage der Perspektive. Trotzdem ist es mein persönlicher Anspruch als Trainer so häufig wie möglich erfolgreichen und begeisternden Fußball mit meiner Mannschaft zeigen zu können.

Fedor Freytag: Ich habe im letzten auf Youtube ein Spiel zwischen der U11 FC Barcelona und der U11 von Arsenal gesehen. Dort sah man bereits recht eindeutig die Spielphilosophie beider Vereine, also Ballbesitzorientiertheit und Kurzpassspiel. Ist dies unter den Bedingungen eines ostdeutschen Nachwuchsleistungszentrums überhaupt reproduzierbar.

Preußer: Im Grunde schon, weil es in erster Linie keine finanzielle Frage ist. Die Jungs müssen mit Spaß dabei sein und Fußball spielen wollen. Hier hat sich in den letzten Jahren beim DFB sehr viel geändert. Eine U13-Mannschaft mit einer Körpergröße von 1,30 Metern, sollte halt nicht auf einem Großfeld herumrennen, sondern auf einem Kleinfeldplatz lernen, wie man Spielsituationen fußballerisch löst. Ich denke, da sind wir hier in Erfurt auf einem guten Weg.

Fedor Freytag: Jetzt eine sicherlich erwartbare Frage zu RB Leipzig. In einem FAZ-Interview äußerte Ralf Rangnick sein Ziel, die besten Nachwuchsfußballer der Region – wobei Region einen Radius von 200 km umfasst – nach Leipzig zu holen. Hat diese Ankündigung bereits praktische Konsequenzen?

Preußer: Konkret und Stand heute, ist noch kein Spieler den wir haben oder halten wollten zu RB Leipzig gegangen. Andere Vereine – wie Dynamo Dresden, der HFC und Jena – sind davon momentan mehr betroffen.

Fedor Freytag: Eine Abwehrstrategie dagegen ist nur schwer vorstellbar?

Preußer: Wir können nur mit dem argumentieren was uns stark macht: Der Verbindung von Leistungsorientiertheit mit großer Fürsorge für die Spieler und einer überdurchschnittlichen Durchlässigkeit zur 1.Mannschaft. Aber wir können letztendlich niemanden zwingen, für den FC Rot-Weiß Erfurt Fußball zu spielen. Man sollte auch anerkennen, dass Red Bull unglaublich viel  in den  Nachwuchsbereich investiert und dies für die Region durchaus nützlich werden kann, wenn dieser Weg auch langfristig verfolgt wird. Ich war letztens in Leipzig, weil ich mir das Spiel RB gegen Meuselwitz angesehen habe und nutzte die Gelegenheit, mir auch mal das Gelände des Nachwuchsleistungszentrums anzusehen. Da stehen jetzt als Übergangslösung Container. Allein von dieser Übergangslösung sind wir infrastrukturell weit entfernt.

Fedor Freytag: Ist es nicht sehr schade, dass hierzulande der Nachwuchssport, mithin auch der Nachwuchsfußball, so wenig öffentliche Aufmerksamkeit erfährt? Zu einem A-Junioren-Bundesligaspiel kommen 100 Leute, die acht Heimspiele des American Football-Teams der University of Notre Dame sahen jeweils 80.000 Zuschauer.

Preußer: Ich hatte selbst die Gelegenheit ein Jahr in den USA die Schule zu besuchen und habe in dieser Zeit in der Fußballmannschaft meiner High School gespielt. Selbst dort hatten wir manchmal 2.000 Zuschauer. Sehr beeindruckend. Aber natürlich sind die Strukturen völlig verschieden und wir werden dieses amerikanische High School und College-Sportsystem in Deutschland nicht mehr installieren können. Was die A-Junioren Bundesliga betrifft, unternimmt der DFB bereits eine Menge, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erhöhen. Mit ersten Erfolgen: Sport1 überträgt mittlerweile immer wieder Spiele der A-Junioren Bundesliga live, die Endspiele zur Meisterschaft wurden ebenfalls live gesendet. Es ist ambivalent: Auf der einen Seite schützt die mangelnde öffentliche Wahrnehmung die Spieler auch, auf der anderen Seite ist der Schritt von der A-Jugend in die 3. Liga dann auch in dieser Beziehung enorm.

Fedor Freytag: Es gibt derzeit sehr intensive Diskussionen um die taktische Ausrichtung. Barcelona, die spanische Nationalmannschaft aber auch andere Teams spielen teilweise ohne „echten“ Mittelstürmer mit einer sogenannten „falschen Neun.“ Wird man dieses System in Zukunft häufiger sehen.

Preußer: Das ist unzweifelhaft eine ernst zu nehmende Entwicklung.  Den klassischen, im Sturmzentrum auf ein Anspiel wartenden Mittelstürmer wird man immer seltener sehen. Etwas radikal formuliert, könnte man auch von einem 4-6-0 sprechen. Es ist inzwischen ein Nachteil nur ein Spielsystem zu beherrschen, weil es gegen jedes taktische System probate Mittel gibt. Erfolg wird sich in Zukunft vor allem durch überraschende taktische Variationen einstellen. Das betrifft, aus meiner Sicht, auch die Standards. Wir haben inzwischen die Möglichkeit alle Spiele der A-Junioren-Bundesliga per Videostream zu analysieren. Unsere Gegner habe diese Möglichkeit selbstredend ebenfalls. Für meine Arbeit als Trainer hat das die Konsequenz, dass ich versuchen muss, auf dem Spielfeld Situationen herbeizuführen, mit denen der Gegner nicht rechnet. Taktische Flexibilität ist nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts.

Fedor Freytag: Das ist ja wohl generell eine neue Herausforderung, jedenfalls in der Komplexität. Neben den fußballerischen und körperlichen Qualitäten muss der moderne Fußballer eine Menge von diesen vielen taktischen Details begreifen und umsetzen.

Preußer: Absolut. Spielintelligenz ist heute fast schon eine zwingende Voraussetzung für Erfolg. Das ist nicht einfach, da man den Fakt kaum ignorieren kann, dass auch hier die Spieler sehr unterschiedliche Begabungen mitbringen. Manchen Spielern fällt es schwer Vorgaben zu verstehen und umzusetzen. Mit denen muss man anders sprechen, als beispielsweise mit einem Kevin Möhwald, der eine hohe Spielintelligenz aufweist. Auch die Fähigkeit zur offensiven Improvisation ist nur bedingt trainierbar. In der Defensive ist das vergleichsweise einfach: „Du läufst diesen Spieler so oder so an.“ Versteht jeder. Bei Angriffen gegen eine gut abgestimmte Defensive kann man Laufwege, etc. trainieren. Was man kaum trainieren kann, ist die Qualität den richtigen Zeitpunkt zu erkennen um Zuspiele in die Schnittstellen einer Verteidigungskette zu spielen.

Fedor Freytag: Inwieweit spielt es eine Rolle, dass Sie kein Fußballprofi waren? Oder ist es sogar ein Vorteil, einen unverstellten Blick von außen auf dieses Geschäft zu haben?

Preußer: Vor allem anlässlich meines Intermezzos als Trainer des Erfurter Drittligateams habe ich mir diese Frage auch gestellt.  Ich habe zwei Jahre sehr eng mit Norman Loose zusammengearbeitet, der jahrelang in der 2. Bundesliga aktiv war. Es ist einfach so, dass ich bestimmte Erfahrungen nicht gemacht habe. Das muss man sich auch eingestehen. Ich glaube, dass Norman Loose und ich voneinander viel gelernt haben. Ich profitierte sehr von seinen Erfahrungen als Profi, er von meinem sportwissenschaftlichen Wissen. Ich glaube, durch Neugier und die Bereitschaft von anderen zu lernen entstehen Erfahrungen mit denen sich vorhandene Defizite ausgleichen lassen. Zudem gibt es ja Trainer die sehr erfolgreich arbeiten, aber nie Profifußballer waren. Mir fallen da direkt Robin Dutt, Mirko Slomka oder Ralf Rangnick ein.

Fedor Freytag: Sie stammen aus Berlin. Wie intensiv verfolgen Sie noch den Berliner Fußball.

Preußer: Sehr intensiv. Ein guter Freund, Christoph Menz, spielt in der 2. Bundesliga bei Union (Anmerkung: Menz wurde inzwischen von Dynamo Dresden verpflichtet). Mein Heimatverein, VSG Altglienicke, hat in den letzten Jahren eine gewaltigen Aufstieg erlebt, spielt momentan sogar in der Oberliga im oberen Tabellendrittel. Auch Union hat in den letzten Jahren eine großartige Entwicklung genommen, sportlich und infrastrukturell.

Fedor Freytag: Herr Preußer, ich danken Ihnen für dieses Gespräch.

(Während ich den Artikel einstelle, gewinnt die U19 des 1. FC Köln gegen Kaiserlautern das Finale des DFB-Pokals. Im Viertelfinale dieses Wettbewerbs – eines gut besuchten Spiels übrigens – benötigten die Kölner einiges Glück, um sich gegen die von Christian Preußer trainierte U19 des RWE durchzusetzen. Auf ihn setzen viele beim Verein und im Umfeld ihre Hoffnungen für die Zukunft. Wie ich finde, zurecht.)

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