Am Freitag um 22.18 Uhr sah ich mich genötigt, die Welt via Twitter mit folgender Auskunft zu behelligen:

Es war eine unverdiente Niederlage, die die Rot-Weißen in Magdeburg kassierten. Ein bisschen Wehklagen hielt ich deshalb für angemessen.
Trotzdem überwog die Erleichterung. Einfach weil Preußers Mannschaft über weite Abschnitte des Spiels so ziemlich genau den Fußball spielte (oder zumindest versuchte zu spielen), den ich für zielführend halte, will man in dieser höllisch schwierigen Liga erfolgreich sein. (Anmerkung: Für mich ist diese Saison bereits ein Erfolg, wenn möglichst früh erkennbar wird, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden.)
Was zeichnete unseren Fußball am Freitag aus? Zunächst ist dies auch eine Frage der individuellen Qualität. Einige der Niederlagen des letzten Saisondrittels wären (trotz viel schlechten Fußballs) vermeidbar gewesen, wenn bessere Innenverteidiger zur Verfügung gestanden hätten. Oder, genauer ausgedrückt, wenn die verfügbaren Innenverteidiger in ihrer Normalform gespielt hätten. So aber erwies sich der langfristige Ausfall von Jens Möckel als fatal. Kleineheismann, Laurito und Gohouri schienen in einen seltsamen Wettbewerb eingetreten zu sein: Wer begeht bis zum Saisonende die meisten Fehler? Schlimmer noch, ihre einzige Option zur Eröffnung eines Spiels, schien aus langen, unpräzisen Pässen zu bestehen. Insofern ist die Leistung der beiden zentralen Verteidiger am Freitag hoffentlich richtungweisend. Mario Erb, beweglich, handlungsschnell, stellungssicher, technisch gut; man kann verstehen, dass Preußer über seine Verpflichtung sehr glücklich war. Der andere Neuzugang: Andre Laurito! Endlich wieder in der Form, die er in seiner ersten Saison am Steigerwald hatte. Schade, dass Kammlott seinen grandiosen Vierzig-Meter-Pass nicht einnetzen konnte. Es wäre die Krönung einer formidablen Leistung gewesen.
Das große Übrige bestand aus einer kristallklaren Spielidee. Nach einer Balleroberung wurde viel schneller nach vorn gespielt, als das bisher der Fall war. Dabei gab es (vereinfachend dargestellt) zwei Optionen. Zum einen halblange oder lange, das Mittelfeld mit einem Ball überbrückende, Pässe auf die beiden zentral offensiven Spieler (z.B. Lauritos Ball auf Kammlott). Wobei diese Option nicht um jeden Preis ergriffen werden soll, sondern nur, wenn es eine erkennbare Chance für den Stürmer gibt, den Ball verarbeiten zu können. Zur Erhöhung dieser Chance ließ sich vor allem Kammlott tiefer fallen als letztes Jahr, um auch mit längeren flachen Anspielen bedient werden zu können.
Die zweite Option waren schnelle Passfolgen durch das Mittelfeld. Gelang es, den Ball im Mitteldrittel des Spielfeldes unter Kontrolle zu bringen, schaltete sich der ballnahe Außenverteidiger sofort in den Angriff ein. Je zentraler die Ballkontrolle stattfand, umso höher war die Wahrscheinlichkeit, dass auch der zweite Außenverteidiger als zusätzliche Anspielstation vor- (und eben nicht erst irgendwann nach-) rückte. Mangelnde Breite und zu wenig Dreiecksbildung waren ein großes Problem des Erfurter Angriffsspiels in den vergangenen Jahren. Sie soll durch diese taktische Maßnahme überwunden werden.
Das ist natürlich sehr riskant. Sobald sich mehr Spieler in die Offensivaktion einschalten, desto höher müssen die (noch verbliebenen) Abwehrspieler aufrücken, damit die Kompaktheit beibehalten wird. Zudem haben sie große Räume zu kontrollieren, sodass sie (und das war mehr als einmal der Fall) recht häufig in die Situation kommen, im Eins-gegen-Eins absicherungslos zu verteidigen. Das ist am Freitag fast durchgehend gut gelungen.
Der von Preußer präferierte Fußball folgt zwei Prämissen: Man schaltet schnell um, weil dies die einzige Möglichkeit darstellt, auf einen defensiv unorganisierten Gegner zu treffen. Und zweitens: Fehlpässe werden in Kauf genommen. Das hohe Aufrücken soll zudem bewirken, dass die Mannschaft sofort ins Gegenpressing gehen kann, weil sie versucht in den entscheidenden Zonen des Platzes Überzahl herzustellen.
Wenn das alles so toll war, warum haben wir dann verloren? Weil Magdeburg die wenigen Chancen die es hatte, effizient nutzte. (Einschließlich der Fehler die RWE machte, damit es überhaupt zu diesen Chancen kam.) Und weil sich die Mannschaft (vor allem zwischen der 50. und 60. Minute) vom Magdeburger Druck desorientieren ließ, viel zu tief stand, ihre eigentliche Spielidee aufgab und folgerichtig den Ausgleich kassierte. Die gute Nachricht: Preußer coachte das aktiv weg. Er wechselte offensiv, sein Team verstand die Signale und schien sich am eigenen Schopf aus der Malaise befreien zu können. Die Magdeburger Überlegenheit war dahin, RWE spielte wieder planvoller nach vorn.
Alles war gut, bis einer der ganz wenigen Fehler der Erfurter Defensive zum Siegtreffer für den FCM führte. Klar kann Klewin den Ball auf die Tribüne dreschen, aber es sei daran erinnert, dass wir nur ein paar Minuten vorher kurz davor standen, die Führung zu erzielen. Magdeburg hatte sich mit dem Unentschieden eigentlich abgefunden, es gab kein Powerplay des Aufsteigers oder dergleichen. Deshalb der Versuch eines konstruktiven Aufbaus, der in die Hose ging.
Fazit: Preußer versucht, mit modernstem Fußball zum Erfolg zu kommen. Das ist riskant. Aber wenn es das Ziel des Vereins ist, mittelfristig eine aufstiegsfähige Mannschaft zu formen, dann ist diese Herangehensweise ohne Alternative. Bei unserem chronisch klammen Etat werden wir uns nie eine Spitzenmannschaft erkaufen können. Diese Variante muss ja auch nicht zum Erfolg führen, wie unser nächster Gegner seit Jahren zum Verdruss seiner Anhänger beweist.

Wir müssen nicht drum herum reden. Die ersten 30 Minuten des FC RWE im Spiel gegen Preußen Münster waren eine Zumutung. Was nicht an der sibirischen Kälte lag. Schwer zu sagen, welches die Gründe für den erneuten Fehlstart waren. Fehlende Wachheit möchte man bei Temperaturen von minus 6 Grad eigentlich ausschließen. Trotzdem sollte über die kollektive Verabreichung doppelter Espresso unmittelbar vor Anpfiff nachgedacht werden. Ich vermute allerdings, dass die Mannschaft vor allem dann Probleme bekommt, wenn ein Gegner (gerade auch im Steigerwaldstadion) nicht abwartend, sondern aggressiv beginnt. Wie die Stuttgarter Kickers und wie gestern die Preußen aus Münster. Nur mit Glück überstanden die Rot-Weißen diese Phase ohne Gegentor. Wäre der RWE zum neunten Mal in der Anfangsviertelstunde in Rückstand geraten, hätten wir – jedenfalls rein statistisch – alle Hoffnungen fahren lassen können.
Der Ballspielverein Borussia Dortmund e.V. eignet eine ruhmreiche Vergangenheit, durchlebt eine in jeder Hinsicht erfolgreiche Gegenwart und darf – nach allem was man weiß – einer ebensolchen Zukunft entgegen sehen. Über was er allerdings nicht verfügt, ist ein vernünftiger Rasen für die Austragung der Heimspiele seiner Drittligamannschaft. Aber wir wollen die Erregung darüber gar nicht allzu hoch dimmen, denn vermutlich hat von diesen miserablen Platzverhältnissen der samstägliche Gegner des BVB, der FC Rot-Weiß Erfurt, durchaus profitiert. Eine Art höhere Fußball-Ironie. Quittieren wir gerne und mit einem milden Lächeln.
Such a perfect day sang der große Lou Reed, von dessen viel zu frühem Tod wir gestern erfahren mussten. Nun, von einem perfekten Tag war der FC Rot-Weiß Erfurt am vergangenen Samstag in Regensburg mehr als nur meilenweit entfernt. Dies betrifft sowohl die gezeigte Leistung der Mannschaft, als auch das Resultat – denn obwohl die Rot-Weißen bereits sehr viel bessere Spiele in dieser Saison zeigten, war die Niederlage unglücklich.
Geduld will bei dem Werke sein, ließ schon Goethe die Nachwelt wissen. Es hätte gestern weit weniger davon benötigt, wenn Schiedsrichter Badstübner dem RWE nach Foul an Öztürk in der ersten Halbzeit einen Elfmeter nicht verweigert hätte. Und damit die Fortsetzung des inzwischen schon legendären Klassikers Oztürk-Foul-Elfmeter-Pfingsten-Tor verhinderte. Oder wenn die Rot-Weißen eine ihrer Chancen, die Größte durch Brandstetter nach tollem Pass von Pfingsten, nutzen. So aber dauerte es 75 Minuten, bis die Elversberger endgültig und spielentscheidend die Übersicht verloren und es für irgendwie überflüssig erachteten, Möhwald beim Freistoß von Pfingsten zu decken. Dieses Führungstor lag von den ersten Minuten an, in der – Wilfried Mohren würde schreiben – bratwurstgeschwängerten Luft des Steigerwaldstadions. Dass Kevin Möhwald es erzielte, hat mich zusätzlich erfreut, weil er aus einer sehr guten Mannschaft noch einen (seinen) schwarzen Haarschopf breit, herausragte. Momentan drängt weniger die Frage, ob Möhwald im zentralen Mittelfeld spielt, sondern wen Kogler neben ihn platziert. Ich stelle es mir nicht vergnügungsteuerpflichtig vor, beispielsweise Pfingsten-Reddig zu erklären, dass er nach einer gleichfalls prima Leistung (mit vielen klugen Pässen) wieder für Engelhardt Platz machen muss. Einerseits. Andererseits sind das genau jene Sorgen, die eine Mannschaft braucht. Allemal besser als langfristig verpachtete Stammplätze. Hatten wir ebenfalls schon, ist gar nicht so lange her. Es sei mal der Name Bernd Rauw exemplarisch genannt.
Es herrschte Enttäuschung im Lager der Rot-Weißen, nach einem Punktgewinn bei einer der spielstärksten Mannschaften der 3. Liga. Muss man mehr über den Verlauf dieses Spiels und der bisherigen Saison sagen? Man muss nicht, aber man kann.
Die einen fanden Laurito besser als Kleineheismann, andere sahen Odak offensiver als Czichos und wieder andere waren exakt der gegenteiligen Auffassung. Einig war man sich darin, dass aus Mijo Tunjic in der Sommerpause kein Claudio Pizarro geworden ist und Philipp Klewin zuweilen ganz schön nervös seinen Strafraum nicht beherrschte. Die TLZ vermeldet als Neuigkeit eine Systemänderung hin zu einem 4-1-4-1, was ich bereits vor mehr zwei Wochen als sehr wahrscheinliches Koglersches System prognostiziert hatte. Von einer Systemänderung kann überdies nicht wirklich die Rede sein, da es auch unter Schwartz in der Rückrunde des Öfteren ein 4-1-4-1 gab, meist mit Oumari auf der 6er-Position, einmal auch mit Engelhardt (bei einem weiteren zur Halbzeit abgebrochenen Versuch mit Baumgarten).