Tag Archiv für Möhwald

RWE vs. Alemannia Aachen 3:1 / Hurra, er hat verschossen!

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Kein Achsbruch während der Anfahrt, keine neuerliche Epidemie, (noch) kein Konkurs. Das Spiel des RWE gegen Alemannia Aachen wurde angepfiffen. Einfach so. Spätestens nach 25 Minuten war jedem klar, wie es zu Ende gehen würde – mit einem verdienten und ungefährdeten Sieg des FC Rot-Weiß Erfurt.

Alois Schwartz rotierte erneut. Diesmal fanden sich Tunjic und Fillinger auf der Bank wieder, dafür kamen Nielsen und Drexler in die Startelf. Und, obwohl Ofosu wieder spielberechtigt war, beließ es der Erfurter Cheftrainer bei Kevin Möhwald auf der Rechtsverteidigerposition. Sehr zum Gefallen des Autors. Auffällig am Spiel der Aachener war, dass die Mannschaft in zwei Teile zerfiel. Die Offensive bot technisch gefälligen, wenngleich nicht übermäßig druckvollen, Fußball. Der Defensive der Alemannia hingegen ist die Drittligatauglichkeit abzusprechen. Deutlich wurde dies vor allem in der stärksten Phase des RWE (vom Führungstor bis zur Halbzeit), während der niemand sich gewundert hätte, wenn sechs oder sieben Tore für die Rot-Weißen gefallen wären. Mit dieser Abwehr wird die Alemannia nicht mehr allzu viele Punkte in den verbleibenden Spielen holen. So es denn noch welche gibt.

Beim Stand von 3:0 vergab Pfingsten-Reddig einen Elfmeter. Das ist großartig. Denn immer schießt bei Elfmetern die Statistik mit. Und die nahm langsam besorgniserregende Werte an. Bei 22 Versuchen 20-mal verwandelt, das sind rund 91 Prozent und noch immer eine herausragende Quote – berücksichtigt man den «branchenüblichen» Schnitt von 75 Prozent. Noch bemerkenswerter ist jedoch das unglaubliche Timing unseres Kapitäns. Wenn es in dieser Saison irgendeinen Zeitpunkt in irgendeinem Spiel gab, zu dem uns ein verschossener Elfmeter nicht wirklich wehtat, dann genau dieser. Schon sein erster Fehlschuss gegen den TuS Koblenz fiel beim Stand von 2:0 für Erfurt in einem Spiel, in dem der RWE aufgrund heilloser Überlegenheit etwas sorgloser mit seinen Chancen umgehen durfte (29.01.2011, Endstand 3:0). Welche Bedeutung der Fußballer Nils Pfingsten-Reddig hat, seit er für den RWE am Steigerwald die Töppen schnürt, kann man vielleicht auch daran ermessen, dass es auch damals gegen Koblenz er war, der für die erlösende Führung sorgte. Dass er jetzt auch noch Tore mit direkten Freistößen erzielt ist nur ein weiterer Beleg für seine fußballerische Klasse und seine Führungsqualitäten. Wo ist sie hin, die hitzköpfige und zuweilen geringschätzige Diskussion, ob er der richtige Kapitän für diese Mannschaft sei?

Am Samstag geht es nach Babelsberg. Die Ausgangslage des RWE im Abstiegskampf sieht derzeit recht komfortabel aus. Ich denke, davon sollte sich niemand täuschen lassen. Zum einen weiß keiner, was aus den gegen Aachen erzielten Punkten wird, zum anderen ist die Tabelle wegen der anstehenden Nachholespiele noch immer reichlich schief. So könnte Dortmund mit zwei Siegen wieder bedrohlich nahe heranrücken, was in gleichem Maße auf Babelsberg zutrifft, sollten wir dort verlieren. Wie gestern der FC Hansa. Ich bin aber zuversichtlich, dass dies nicht passieren wird. Babelsberg wird nicht abwartend spielen können, sondern ist qua Tabellensituation gezwungen, etwas zu riskieren. Das weiß Alois Schwartz natürlich. Ich rechne deshalb damit, dass Kopilas wieder als Innenverteidiger aufläuft und Oumari ins defensive Mittelfeld rückt. Eine Renaissance der recht erfolgreichen Auswärtstaktik also. Den Unterschied könnten dieses Mal Drexler und Morabit machen, deren Formkurve eindeutig nach oben zeigt und die den zahlenmäßigen Verlust eines Offensivspielers durch ihre individuelle Klasse kompensieren könnten.

Wenn das nicht hilft, haben wir ja noch unseren Kapitän – eine direkt verwandelte Ecke und der Grand Slam für Standards wäre komplett.

Rot-Weiß Erfurt vs. Unterhaching 1:0 / Möhwald for Rechtsverteidiger

Nach Zuspiel von Drexler wird Öztürk gefoult. Elfmeter. Pfingsten. Tor. Was sonst!

Wir haben in dieser Woche zwei Spiele gesehen, für die Alois Schwartz, der Cheftrainer des FC Rot-Weiß Erfurt, völlig verschiedene taktische Konzepte wählte. Möglicherweise wählen musste. Gegen Karlsruhe stand mit Mijo Tunjc nur ein nomineller Offensivspieler in der Startformation. Die Absicht einer derartigen Aufstellung war offensichtlich – es sollte unter allen Umständen ein Gegentor vermieden werden, dafür nahm man den Mangel an Offensivkraft in Kauf. Wir alle wissen, dass diese Intention gescheitert ist. In der entscheidenden Phase des Spiels (ab Minute 15 bis zum Gegentor) konnte der KSC trotzdem enormen Druck entwickeln und erzielte folgerichtig die Führung. Damit war das Spiel entschieden, denn dem RWE fehlte an diesem Abend jedes spielerische Mittel, um die fortan clever verteidigenden Karlsruher ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Mir hat die Aufstellung gegen den KSC nicht gefallen, allerdings sollte man fair genug sein anzuerkennen, dass mit Öztürk und Drexler zwei Alternativen für eine offensivere Variante nicht zur Verfügung standen. Morabit wurde eingewechselt, aber wie immer wenn er nicht in der Startelf steht (0 Scorerpunkte in dieser Saison), konnte er sein Talent nicht wirklich nutzen. Andererseits habe ich mich gefragt, warum Morabit, Nielsen oder der agile Strangl nicht bereits viel eher ins Spiel kamen, denn sobald der RWE in Rückstand geriet, war die Anfangself unzweckmäßig und man hätte sie quasi sofort korrigieren müssen.

Offensivere Aufstellung gegen Unterhaching

Wie auch immer. Gegen Unterhaching standen Oumari, Öztürk und Drexler wieder zur Verfügung und alle drei sollten zu diesem Sieg einen wichtigen Beitrag leisten. Ebenso wie Smail Morabit, der zwar keinen unmittelbaren Anteil am Tor hatte, allerdings in der 2. Halbzeit ein gutes Spiel machte, weil er sich – im Gegensatz zur 1. Hälfte – viel mehr in die offenen Räume bewegte, um nicht stets und ständig von zwei oder drei Gegenspielen sofort bei der Ballannahme attackiert zu werden.

Schwartz verzichtete auf einen defensiven Mittelfeldspieler (was Kopilas seinen Platz in der Startelf kostete), stellte das Spielsystem aber nicht völlig auf den Kopf. Auch gegen Unterhaching spielte Engelhardt sehr konsequent und eng vor der Abwehrkette. Seine Aufgabe wurde erleichtert durch einen herausragend agierenden Joan Oumari, diesmal als Innenverteidiger aufgeboten, der alles erköpfte und erlief was an Bällen auf ihn zukam, dabei kaum ein Foul verursachte und zudem mit klugen Pässen zur Spieleröffnung beitrug. Unterhaching kam aber auch deswegen zu sehr wenigen Möglichkeiten, weil die Erfurter Offensivspieler mittels eines hohen läuferischen Aufwands das Aufbauspiel der Oberbayern massiv störte. Die situativ zu treffende Entscheidung ob aktiv gepresst oder «nur» der Passweg zugestellt wird, fiel mehrheitlich richtig aus und wirkte meist koordiniert.

Mit Möhwald könnte das Problem auf der rechten Seite gelöst werden

Da Ofosu-Ayeh gelbgesperrt war, musste sich Alois Schwartz auf der rechten Seite seiner Viererkette etwas einfallen lassen. Er entschied sich für Kevin Möhwald und das war eine ausgezeichnete Idee. Ich habe keine Ahnung, ob der 19-Jährige diese Position schon jemals innehatte (mir ist es auch bei den A-Junioren nicht erinnerlich). Allein, das war seinem Spiel nicht anzumerken. Um es ganz deutlich zu sagen: Möhwald hat gegenüber Ofosu deutliche Vorzüge. Er ist technisch besser, verfügt über eine höhere Passqualität und ein ausgeprägtes taktisches Verständnis. Der Begriff Außen-Verteidiger ist ja inzwischen völlig irreführend, dazu muss man sich eigentlich nur ein einziges Spiel des derzeit vielleicht weltbesten Spielers auf dieser Position anschauen. Die Rede ist von Philipp Lahm. Er bildet das role model für die moderne Interpretation des defensiven Außenbahnspielers und die fußballerischen Attribute, die es dazu benötigt, finden sich halt eher bei Kevin Möhwald als bei Phil Ofosu-Ayeh. Fillinger (offensiv rechts) und Möhwald standen in dieser taktischen Anordnung zum ersten Mal gemeinsam auf dem Platz. Da ist im Detail noch viel Abstimmungsarbeit zu leisten, aber diese Konstellation könnte die rot-weiße Zukunft rechts der Platzmitte sein.

Ein wenig Geduld kann nicht schaden

In den Foren ist hinsichtlich der Angriffsleistung des RWE viel Gezeter zu lesen. Das kann ich nur zum Teil nachvollziehen. Noch viel weniger kann ich dem zustimmen. Richtig ist, und jeder im Stadion konnte das sehen, dass der RWE große Probleme hatte, sich Chancen zu erspielen. Aber im Gegensatz zum Spiel gegen den KSC wurde das zumindest seriös versucht. Im taktischen Ablauf des Spiels hatte dies unabweisbare Konsequenzen. Unterhaching konnte zu keinem Zeitpunkt so etwas wie Druck gegen die Abwehr des RWE aufbauen, dafür griffen sie meist mit zu wenigen Spielern an, eben weil Erfurt mit 4 Akteuren (bzw. fünf, wenn Pfingsten-Reddig aufrückte, was häufig vorkam) in der gegnerischen Hälfte präsent war. Klar, es gab massenweise Missverständnisse, Fehlabspiele und individuelle Schwächen. Aber was es von der ersten Spielminute an auch gab, war der Wille ein Tor zu erzielen.

Und dieser Wille wurde belohnt. Nach den auf Gegner-Destruktion getrimmten Aufstellungen der letzten Wochen (die allerdings auswärts reichlich Punkte einfuhren) wäre es ein schieres Wunder gewesen, wenn die Mannschaft am Samstag – mit einer Aufstellung die so noch nie zusammengespielt hat – in einem unvermittelten Offensivrausch diesen (starken!) Gegner aus dem Stadion geschossen hätte. Passende Laufwege, exaktes Umschaltverhalten bei Kontern und eine hohe Passqualität knipst man nicht einfach an wie einen Lichtschalter. Und jetzt nerve ich den Leser mal mit einer grausamen Plattitüde: Man muss sich das alles im Training und über Spielpraxis erarbeiten. Und zwar hart. Jawohl!

Erleben wir das letzte Spiel von Alemannia Aachen?

Nachdem was wir in dieser Woche aus Aachen gehört haben, ist es derzeit nicht völlig sicher, ob das Spiel am Dienstag stattfindet. Aufgrund der Aussagen des Aachener Insolvenzverwalters besteht zudem die Möglichkeit, dass es das letzte Spiel des Vereins Alemannia Aachen im deutschen Profifußball auf unabsehbare Zeit sein wird. Vielleicht für immer. Die Chance, den Mantel der Geschichte durchs altehrwürdige Steigerwaldstadion wehen zu sehen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Auch wenn das nichts von Erhabenheit und Größe haben würde, sondern vom genauen Gegenteil zeugt: Dummheit, Ignoranz und Größenwahn. Und damit meine ich nicht exklusiv die alte Vereinsführung dieses Traditionsvereins, sondern auch den Deutschen Fußballbund, der dieses aberwitzige Trauerspiel in hohem Maße mitzuverantworten hat. Die treuen Fans der Alemannia dagegen kann man nur bedauern.

Stuttgarter Kickers vs. RWE 0:1 / Der Gott der Kleinigkeiten

Gegen Ende des Spiels brachen der mdr-Livestream und das RWE-Radio erschöpft zusammen. Nur der Liveticker kündete verlässlich zeitnah vom Sieg der Rot-Weißen bei den Stuttgarter Kickers. Einem. Eminent. Wichtigen. Sieg. Nahezu alle Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt blieben ohne Punkt, sodass der RWE zum ersten Mal in dieser Saison vier Punkte Abstand zum ersten Abstiegsplatz aufweist. Es war alles in einem – ein glücklicher Sieg und einer der Moral, der Triumph mannschaftlicher Geschlossenheit ebenso wie das Resultat einer individuellen Glanzleistung bei einem Standard.

Oft irrt man sich bei der Interpretation von Startformationen. Das folgende Spiel verläuft dann völlig anders, als die Aufstellung es vermuten lässt. Diesmal nicht. Schwartz hatte Stahlbeton angerührt. Mit Tunjic und Öztürk bot er gerade mal zwei dezidierte Offensivspieler auf, das konnte auch durch den Wechsel von Engelhardt zu Möhwald nicht wirklich kompensiert werden. Die Devise lautete: Safety first. Lieber einen Punkt mitnehmen, als die Heimreise mit völlig leeren Händen anzutreten. Und – womöglich das größte Verdienst von Alois Schwartz seit seinem Amtsantritt – auf diese defensive Kompaktheit ist inzwischen Verlass. Spielt Oumari als horizontal agierender Ballvampir vor der Abwehr, hat jede gegnerische Mannschaft immense Probleme Tormöglichkeiten gegen den RWE herauszuarbeiten. Anzahl Chancen der Kickers vor der Pause: Null. Dann verwechselte Joan Oumari während eines Testosteronflashs das Gazi-Stadion mit den Straßen Berlins. Leider nicht zum ersten Mal. Sein Platzverweis ließ für die 2. Halbzeit nicht Gutes vermuten.

Dass es anders kam, hat mit dem titelgebenden Gott der Kleinigkeiten zu tun. Zunächst nutzte Öztürk eine seiner größten Stärken – er schirmte mit dem Körper den Ball sehr geschickt ab, sein Gegenspieler verlor die Geduld und bedrängte ihn zu sehr. Wingenbach erkannte an der rechten Stuttgarter Strafraumgrenze auf Freistoß. Keine Position, aufgrund der man sich allzu große Sorgen machen müsste. Jedenfalls nicht wegen der möglichen Gefahren eines direkt getretenen Freistoßes, dazu war der Ball einfach nicht mittig genug positioniert. Außerdem ist mir nicht mehr erinnerlich, wann der RWE zuletzt einen Freistoß direkt verwandelt hat. Auch der Stuttgarter Keeper rechnete eher mit einer Hereingabe in den Strafraum; die von ihm gebildete Drei-Mann-Mauer wohl ebenfalls. Jedenfalls sprang sie so halbherzig und unkoordiniert in die Luft, dass der von Pfingsten-Reddig getretene Ball mitten durch sie hindurch den Weg ins Tor fand.

Der Rest war ein substanzraubender, hingebungsvoller und kollektiver Kraftakt der zehn auf dem Platz verbliebenen Rot-Weißen. Doch einer ragte heraus. Das Tempo von Philipp Klewins Entwicklung vom Torwart-Notnagel zum Leistungsträger ist ebenso rasant wie erstaunlich. Erst eine Woche zuvor debütierte er gegen Burghausen, hielt dort mit Glanzparaden den Punkt fest, leistete sich aber einige (folgenlose) Fehler beim Herauslaufen. Am Samstag war von solchen Unsicherheiten nicht das Geringste zu sehen. Alles was auf sein Tor kam, ob Schuss, Kopfball oder Flanke wurde von ihm tadellos verarbeitet. In einem für den Verein hochwichtigen Spiel, zeigte der Neunzehnjährige keine Spur von Nervosität. Großartig. Und die Gelegenheit, auf die gute Arbeit aufmerksam zu machen, die René Twardzik seit Jahren mit den Torleuten leistet.

Jetzt liegen drei Heimspiele vor dem FC Rot-Weiß Erfurt und seinen Fans. Der Frühling kann beginnen – meteorologisch wie fußballerisch. Wir haben in jeder Hinsicht genug gefroren.

OFC vs. RWE 0:1 / Smells Like Team Spirit

Er war an vier von fünf gefährlichen Offensivaktionen des RWE beteiligt und schoss das entscheidende Tor zum Auswärtssieg in Offenbach. Außerdem sollte nicht unterschlagen werden, dass er über die ganze Spielzeit hinweg unentwegt nach hinten gearbeitet hat. Die Rede ist natürlich von Mijo Tunjic, dem – auch hier – viel Kritisierten. Stürmer vom Typ des Niederländers (eher dynamisch-kraftvoll als technisch-filigran) und ich, werden in diesem Leben keine ziemlich besten Freunde mehr. Sei’s drum – er hat am Samstag auf dem Bieberer Berg ein gutes Spiel gemacht und dafür soll ihm die gebührende Anerkennung zuteil werden.

Es war zu jedem Zeitpunkt ein äußerst enges Spiel. Der RWE hätte es ebenso gut verlieren können, genauso wie wir das Spiel gegen Saarbrücken eine Woche zuvor hätten gewinnen können. Es hängt von Kleinigkeiten ab, auf die man nur zu einem gewissen Teil Einfluss hat. Alois Schwartz hatte das Seine an Einfluss geltend gemacht. Oumari rückte erneut ins defensive Mittelfeld und erledigte seinen Job dort fehlerfrei. Sobald der RWE sehr tief steht, fungiert er als zusätzlicher Verteidiger, ansonsten sichert er Engelhardt, vor allem aber Pfingsten-Reddig, ab. Letzterem gab dies die notwendige Freiheit, um sich, wenn die Gelegenheit es zuließ, in vorderster Linie in die Angriffe einschalten zu können. Das sollte von spielentscheidender Bedeutung sein. Genau daran mangelte es eine Woche zuvor, als Baumgarten auf der Oumari-Position keine Stabilität in seine Aktionen bekam und somit auch Pfingstens offensiver Drang beschränkt bleiben musste.

In der ersten Halbzeit verbissen sich beide Kontrahenten fest ineinander. Wie bei zwei griechisch-römischen Ringkämpfern wurde um minimalste Vorteile gerungen. Ästhetisch weiß Gott kein Vergnügen. Die realtaktische Analyse zeigt, dass der RWE Vorteile auf der rechten Seite hatte. Möhwald und Ofosu-Ayeh waren defensiv kaum gefordert, ihre Angriffsbemühungen (zuweilen unterstützt vom herbeieilenden Öztürk) scheiterten aber an Ungenauigkeiten im Passspiel. Außerdem haben beide Spieler die Tendenz Flügelangriffe nicht konsequent zu Ende zu spielen, weil sie in Höhe des Strafraums oft in die Mitte des Feldes ziehen. Die Kickers machten Druck auf unsere linke Abwehrseite, scheiterten jedoch gleichfalls an ihrer mangelhaften Passqualität. Durch die Spielfeldmitte lief offensiv für beide Teams nichts zusammen. Mit einer Ausnahme: Tunjic setzte sich einmal zentral sehr schön durch. Leider hatte kein RWE-Mittelfeldspieler diese Möglichkeit antizipiert, sodass unser Stürmer völlig auf sich allein gestellt war und aus spitzem Winkel einen wenig aussichtsreichen Schussversuch unternehmen musste. Gefährliche Offensivaktionen des OFC gab es keine.

Das Spiel setzte sich in der 2. Halbzeit unverändert fort, nur dass der OFC jetzt mehr riskierte. Was sein Verderben werden sollte. Nach einem Ballverlust der Offenbacher im Mittelfeld bereitete Pfingsten-Reddig erst die Führung für den RWE vor, dann verpasste Tunjic die Vorentscheidung, als er die nächste perfekte Hereingabe des Erfurter Kapitäns an die Latte knallte. Die beiden Zuspiele von Pfingsten-Reddig sollte man sich im Taktikseminar des RWE mehrmals sehr intensiv anschauen. Erstens zeigen sie nämlich, dass es sich lohnt, konsequent die Außenbahnen zu besetzen. Zweitens machen sie deutlich, wie man Mijo Tunjic anspielen muss, damit er seine Stärken einsetzen kann. Keine halbgewalkten, halbhohen, halbgenauen Anspiele in die Spitze, sondern gut temperierte Flanken von den Außenbahnen.

Den Rest des Spieles verteidigte der RWE die Führung mittels einer mannschaftlich löblich geschlossenen und kämpferisch vorbildlichen Einstellung. Wobei dem OFC herzlich wenig einfiel, um das von Sponsel fehlerfrei gehütete Erfurter Tor erfolgverprechend zu belagern. Spielerisch eigentlich gar nichts, um genau zu sein; nur bei Standards musste gezittert werden.

Das Spiel gegen unsere trickreichen Freunde aus Aachen ist unterdessen erneut abgesagt.  Abgesagt ist auch meine Hoffnung, dass es jemals wieder Temperaturen über zehn Grad in unserem Teil der Welt geben wird. Irgendetwas scheine ich – tumber Tor, der ich bin – an den Prognosen der Genies des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung grundsätzlich falsch verstanden zu haben. Egal. Am Samstag kommt der Ligaprimus aus Karlsruhe und ich hoffe einfach darauf, dass es dem KSC ebenso ergeht, wie (fast) allen anderen Mannschaften die in letzter Zeit ins Steigerwaldstadion als Spitzenreiter kamen: Nämlich, dass die Badener ohne Punkte die lange Heimreise antreten müssen.

Mit dieser schönen Verheißung zittere ich mich durch den Rest der Woche.

FC Rot-Weiß Erfurt vs. Hansa Rostock 1:1

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Ja, was denn nun? War das jetzt Pfingsten-Reddigs 15. (Marco Alles in der Thüringer Allgemeinen) oder 16. Elfmetertor (Thomas Czekalla in der TLZ) seit er für den RWE in der 3. Liga spielt. Fragte sich der Blogger, «recherchierte» selbst und stellte fest: Beides ist falsch. Es war sein 14. Treffer vom Punkt im 15. Versuch (2010/2011 – 7/8; 2011/2012 – 5/5; 2012/2013 – 2/2). Sagt jedenfalls der KICKER – und der ist, was Statistiken angeht über jeden Zweifel erhaben. Ergibt noch immer eine herausragende Quote von 93,3 Prozent. Herausragend deshalb, weil der Durchschnittswert im internationalen Profifußball seit Jahrzehnten stabil bei ziemlich exakt 75 % verharrt.

Ansonsten hatte das Spiel nicht wirklich einen Sieger verdient. Beide Mannschaften lieferten in der Defensive Überzeugendes, offensiv blieben fast alle Wünsche offen. Die Passgenauigkeit im Angriffsspiel des RWE lag bei gefühlten zehn Prozent. Damit konnte man die stabile Hansa-Abwehr so gut wie nie in Verlegenheit bringen. Drexler und Morabit hatten nicht ihren besten Tag und dieses Mal gab es auch keinen singulären Geniestreich, der noch eine Woche zuvor in Darmstadt die drei Punkte bescherte. Kein Beinbruch, am kommenden Sonnabend bereits kann das gegen Wehen Wiesbaden wieder ganz anders aussehen.

Trotzdem ärgerlich, dass wir uns das Gegentor erneut nach einer Ecke einfingen. Und dieses Mal bestätigte die Realität die Statistik. Zwei Drittel aller Tore nach Ecken fallen bei Aktionen über den eckennahen (vulgo: kurzen) Pfosten. Das war auch dieses Mal nicht anders. Von dort wurde der Ball durch einen Rostocker in die Mitte verlängert, wo er im Gewimmel seinen Abnehmer fand. Dieses Mal war die sensible Zone sogar mit zwei Erfurter Spielern abgedeckt, aber sowohl Möhwald als auch Tunjic flogen am Ball vorbei. Die beiden stärksten Erfurter Kopfballspieler Kopilas und Oumari konnten nicht eingreifen, weil sie mit der Manndeckung anderer Angreifer befasst waren. Vielleicht sollte man ernsthaft darüber nachdenken, einen von beiden aus der Manndeckung zu nehmen, umso mehr Stabilität bei der Abwehr von Ecken zu erreichen.

Der Mann des Tages war für mich ohne jeden Zweifel Joan Oumari. Er machte eines seiner stärksten Spiele im Trikot des RWE und verlor so gut wie keinen Zweikampf. Nicht zum ersten Mal machte er sich außerdem mit exakten, langen Bällen um die Spieleröffnung verdient. Ich bin ja grundsätzlich kein Freund von weiten, hohen Zuspielen aus der Abwehr, aber wenn sie die Qualität von Oumaris Pässen haben, kann man so viel dagegen nicht einwenden. Schon gar nicht in unserer Situation. Zudem zeigt er sich in den letzten Spielen deutlich verbessert, was sein taktisches Verhalten betrifft. Noch am Anfang der Saison rückte er situativ oft ins Mittelfeld oder auf die Außenpositionen, verfehlte dann aber den Ball oder verlor den Zweikampf, was zwangsläufig zu Lücken in der Innenverteidigung führte. Das passierte ihm am Samstag so gut wir gar nicht. Wann immer er entschied herauszurücken, klärte er die Situation. Fabelhaft!

Zum Abschluss ein paar Gedanken zur Situation von Alemannia Aachen. Wenn ich es recht verstanden habe, ist der Insolvenzantrag gestellt, das Insolvenzverfahren soll jedoch erst nach Beendigung der Saison eröffnet werden. Laut den Statuten des DFB bedeutet dies einen Zwangsabstieg in die Regionalliga, allerdings darf die laufende Spielzeit zu Ende absolviert werden. Wenn dem so ist (ich das also korrekt verstanden habe), dann ist dies eine äußerst fragwürdige Regelung. Vor der Winterpause sind noch drei Spiele der Rückrunde zu absolvieren. Danach beginnt die Transferperiode. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass Aachen versuchen wird eine Reihe von Leistungsträgern zu verkaufen. Zum einen, um noch ein wenig Kasse zu machen, zum anderen um Personalkosten zu senken. Die Mannschaft vor der Winterpause wird mit der Mannschaft nach der Winterpause nicht mehr allzu viel gemeinsam haben. Was aus wirtschaftlicher und insolvenzsrechtlicher Sicht geboten scheint, ist sportlich nur eins: Wettbewerbsverzerrung. Wenn feststeht, dass eine Mannschaft formal keine sportlichen Ambitionen mehr in einem Wettbewerb hat (haben darf), dann kann es nur eine Lösung geben: Diese Mannschaft muss sofort aus diesem Wettbewerb entfernt werden und all ihre bisher erzielten Resultate werden annulliert.

Niemanden freut es, wenn ein Traditionsverein pleitegeht. Aber die Alemannia wird sich berappeln, sie wird nicht dauerhaft von der fußballerischen Bildfläche verschwinden. Der Verein bezahlt nun den Preis für sein Fehlverhalten – und das ist mehr als legitim. Es ist gerecht. Es ist gerecht gegenüber den halbwegs solide wirtschaftenden Vereinen, die mit sportlichen Niederlagen dafür bezahlen, dass sie den Gang zum Konkursrichter nicht billigend in Kauf nehmen. Die – wie der RWE – aus der Vergangenheit gelernt haben.

Erfurt vs. Chemnitzer FC 3:2 / Dem Smail sein Wetter

Überragend: Smail Morabit © www.fototifosi.de

Gut, dass ich diese Texte nie direkt nach einem Spiel des RWE schreibe. Bereits vor Ort im Steigerwaldstadion war mir aufgefallen, dass es eine gewisse Diskrepanz zwischen meiner Wahrnehmung und der meiner Begleiter gab. Um es deutlich zu sagen: Ich war, obwohl wir gewannen, überhaupt nicht zufrieden mit der fußballerischen Performance der Rot-Weißen und quengelte entsprechend herum. Wieder zu Hause studierte ich die bereits vorliegenden Presseberichte, las die Foreneinträge – und beschloss, mir das ganze Spiel noch einmal anzuschauen.

Das Resultat dieser inneren Berufungsverhandlung: Der FC Rot-Weiß Erfurt hat ein gutes Spiel abgeliefert und gewann völlig verdient gegen den Chemnitzer FC.

Sinnvolle taktische Umstellung in der Offensive

Mit der Genesung Morabits kalibrierte Alois Schwartz die taktische Ausrichtung des RWE erneut etwas anders. Ich habe Morabit eher als zweiten Stürmer gesehen, der zuweilen sogar noch vor Tunjic stand (vor allem wenn hohe Bälle erwartet wurden, die Tunjic mit dem Kopf verlängern sollte). Engelhardt spielte wiederum einen rein defensiven Sechser, der deutlich absichernd hinter den anderen Mittelfeldspielern agierte. Diese Absicherung wiederum erlaubte Pfingsten-Reddig, Möhwald und Baumgarten viele Freiheiten nach vorn. Die meisten Spielbeobachter sahen dennoch ein 4-2-3-1, ich jedoch schließe mich den Kollegen von transfermarkt.de an, die ein 4-4-2 notierten. Morabit etwas abgesetzt vom Mittelfeld spielen zu lassen war schon deshalb gut, weil so die Ballsicherheit in der Spitze (auch am Samstag nicht Tunjics Stärke) entscheidend verbessert werden konnte. Und manchmal ist sich Smail Morabit eben selbst genug, wie die beiden großartig erzielten Tore beweisen, die er sich im Grunde selber auflegte.

Völlig unterschiedliche Spielanlage beider Mannschaften

Was mich vor Ort im SWS störte, konnte man (wegen der fehlenden Totalen) im aufgezeichneten Livestream des mdr schon nicht mehr ganz so deutlich erkennen: der RWE machte das Spiel auch eng, wenn er selbst im Angriff war. Viel lief in der ersten Halbzeit über die linke Seite (auf die sich auch Morabit oft orientierte). Der rechte Flügel verwaiste dann völlig. Was ich zuerst für eine taktische Fehlleistung hielt, geschah einfach zu häufig, um als solche genommen zu werden. Es war Absicht. Vermutlich. Über die Gründe kann ich nur spekulieren, Tatsache ist: Es hat funktioniert. In diesem Spiel. Die beiden nominell offensiven Außenbahnspieler Möhwald und Baumgarten haben ein prima Spiel gemacht, fußballerisch wie kämpferisch, offensiv wie defensiv. Aber beide sind von Hause aus keine Flügelspieler a la Robbery, sondern in der Wolle gefärbte zentrale Mittelfeldspieler, die tendenziell die Platzmitte für ihr Spiel bevorzugen. Durch die Verdichtung des Spiels im zentralen Mittelfeld gewann der RWE viele «zweite» Bälle und war nach eigenen Ballverlusten in die defensive Umkehrbewegung hinein von den Chemnitzern nur schwer zu überwinden.

Ganz anders der CFC. Bei Ballgewinn in der Defensive orientierten sich alle Flügelspieler sofort vom Ball weg auf die Außenpositionen, um das nun folgende (geplante) Offensivspiel möglichst breit anzulegen. In der ersten Halbzeit war dies weitgehend ein Muster ohne Wert, denn die hochgradige Verdichtung des Erfurter Mittelfelds gepaart mit einer unterirdischen Passquote verhinderten die so möglichen Spielverlagerungen. In den zweiten 45 Minuten und mit der Einwechslung von Makarenko (toller Spieler!) und Semmer war das schon weit gefährlicher. Sträßer war jetzt der gewohnte Taktgeber des CFC-Spiels und verteilte die Bälle gekonnt auf die Außen. Vor allem über die linke Abwehrseite des RWE wurde es jetzt häufig gefährlich. Was aber mit zunehmender Spieldauer auch an Ströhl lag, der seinem physisch aufwendigen, kämpferischen Stil Tribut zollen musste. Erst der kluge Wechsel Engelhardts auf diese Position sorgte dann wieder für mehr Stabilität.

Beide Mittelfeldroutiniers überzeugten

Apropos Marco Engelhardt, apropos erfahrene Leistungsträger. Pfingsten-Reddig und Engelhardt sind in dieser Spielzeit häufig stark kritisiert worden. Da ist es recht und billig beide für ein richtig gutes Spiel auch mal zu loben. Engelhardt als defensiver Sechser erlaubte sich so gut wie keinen Fehlpass, war geschickt im Zweikampfverhalten (wenig Fouls) und war auch in der zentralen Abwehr als Kopfballspieler stets präsent. Pfingsten-Reddig (mehr Achter als Sechser) zeigte sich ebenfalls ungemein zweikampfstark und schlug viele kluge Pässe auf die Offensivspieler. Sie spielten beide 90 Minuten ohne sichtbaren Substanzverlust durch, was bei diesem tiefen Boden und der läuferisch aufwendigen Spielanlage des RWE durchaus bemerkenswert ist. In dieser Form sind beide für den RWE Gold wert.

Nichtige Nebengeräusche

Verglichen mit der Bedeutung des Spiels gegen Chemnitz und dem unmittelbar bevorstehenden gegen Babelsberg sind die beiden «Vorkommnisse» des Spiels an Randständigkeit kaum zu überbieten.

Morabit setzt sich beim Torjubel eine Brille auf und gestikuliert in Richtung Pressetribüne, well ihm die Berichterstattung der FOTO seine Person betreffend missfällt. So what? Diese öffentlichkeitswirksam vorgetragene Form der Gegendarstellung ist sein gutes Recht. Ich habe schon weniger subtilere Formen des Presseprotestes erlebt. Noch ein Tipp, Smail: Da man sich auf die Nahaufnahmen des mdr verlassen kann, solltest Du das nächste Mal eine Hornbrille mit zentimeterdickem Fensterglas parat halten, das erhöht die Aussagekraft der Message. Ansonsten: gute Show!

Drexler wird (ganz) kurz vor Schluss Opfer einer rein taktischen Auswechslung, nachdem er nur etwas mehr als 20 Minuten auf dem Platz war. Um es kurz zu machen – keine glückliche Entscheidung von Schwartz, wie ich finde. Die erste Adresse für einen Wechsel wäre Tunjic gewesen, der sich nach großer Laufleistung kaum noch auf den Beinen halten konnte. Aber, hej, wir spielen gegen den Abstieg, der Verein befindet sich in schwerer See. Alle Beteiligten sollten diese Marginalie ganz, ganz schnell vergessen. Hier will jetzt niemand was von Einzelschicksalen und Befindlichkeiten hören, sehen und wissen. Gegen zuletzt starke Babelsberger wird es ohnehin schwer genug.

Preußen Münster vs. FC Rot-Weiß Erfurt 3:2

Noch einer der Besten: Thomas Ströhl © www.fototifosi.de

«Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!» Hätte Hölderlin den RWE am Samstag kicken gesehen, dieser Satz wäre nie geschrieben worden. Dabei hatte ich mir vorher einiges ausgerechnet. Die Preußen waren drei Ligaspiele sieglos geblieben und lieferten unter der Woche dem FC Augsburg einen ebenso beachtlichen wie kraftraubenden Pokalfight. Als dann jedoch klar wurde, dass Drexler und Möckel nicht auflaufen würden, verflüchtigten sich diese Hoffnungen sofort. Fata Morgana nichts dagegen. Ich war sicher, dass diese Ausfälle nicht kompensiert werden könnten – und behielt leider recht.

Das Endresultat war noch das Beste an der Leistung der Erfurter Mannschaft. Oder das Schlimmste. Es ermöglichte Wilfried Mohren die irreführende Überschrift «Knappe Niederlage nach großem Kampf». Das klingt nach Fußball auf Augenhöhe, nach Hoffnung für die nächsten Aufgaben. Stand jetzt, alles falsch: kein Fußball, keine Augenhöhe, keine Hoffnung. Geschenkt, Mohren ist Pressesprecher des Vereins, er wird dafür bezahlt, das Positive aus jedem Spiel zu destillieren, selbst wenn man dafür ein Elektronenmikroskop benötigt. Im Grunde hat Marco Alles in der heutigen Ausgabe der TA sowohl meine Gemütslage als auch meine Einschätzung des Spiels treffend zusammengefasst: Trostlos.

Dann doch noch einige taktische Anmerkungen:

Seit Beginn der Rückrunde der letzten Saison hat der RWE Probleme bei hohen gegnerischen Standards. Alois Schwartz lässt Ecken mit einer Manndeckung verteidigen, wie das auch schon bei Stefan Emmerling der Fall war. Leicht verständlich: Jedem Spieler wird ein Gegenspieler zugeteilt, es kommt darauf an, gegen diesen das Kopfballduell zu gewinnen oder ihn zumindest entscheidend zu stören. Klappt aber nicht und das tut uns in dieser Saison noch sehr viel mehr weh als in der Letzten. Quasi existenzielle Pein. Christian Preußer hatte auf eine kombinierte Raum-Mann-Deckung bei Ecken umgestellt. Diese trägt dem Fakt Rechnung, dass zwei Drittel aller Tore nach Ecken über den sogenannten kurzen Pfosten erzielt werden. In den Spielen unter Preußer versammelten sich in dieser Zone die kopfballstärksten Erfurter Spieler: Möckel und Oumari. Beim Führungstor von Münster war überhaupt nicht zu erkennen, ob es sich um eine Raum- oder Manndeckung handelte. Es herrschte das pure Chaos im Strafraum. Und Oumari stand völlig wirkungslos am langen Pfosten herum.

Alois Schwartz am 11.09.2012 in der Thüringer Allgemeinen: «Ich bin ein Verfechter der offensiven Verteidigung, um den Gegner unter Druck zu setzen, den Ball zu erobern und schnell in die Tiefe zu spielen. Eher der Dortmunder als der Münchner Stil.» Niemand hier hätte etwas dagegen, wenn der RWE diesen Dortmunder Stil beherrschen würde. Nach dem Spiel in Münster müssen daran allerdings große Zweifel angemeldet werden. Die Mannschaft griff oft mit vier Spielern die Preußen tief in deren Hälfte an. Daran beteiligt waren Tunjic, Baumgarten, der ballnahe offensive Außenbahnspieler und Pfingsten-Reddig. Probleme gab es immer, wenn Münster dieses Pressing umspielen konnte, und dies war häufig der Fall. Dann öffnete sich ein gewaltiges Loch im Mittelfeld des RWE. Es ist immer etwas falsch gelaufen im Fußball, wenn Spieler des verteidigenden Teams mit dem Gesicht zum eigenen Tor Ball und Gegner hinterher rennen. Wie bereits bei einschlägigen Versuchen mit dieser Taktik in der letzten Saison (z.B. in Jena) war der Abstand zwischen der pressenden Offensivreihe und der Viererkette (plus Engelhardt davor) viel zu groß. Jegliche Kompaktheit ging dabei flöten. Das war beim Heimspiel gegen Offenbach noch völlig anders: Da liefen nur Tunjic und Möhwald (als zentraler Offensivspieler) die spielaufbauenden Gegner an, dahinter agierten zwei eng verbundene Viererketten. Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft mit dieser Vorwärtsverteidigung völlig überfordert ist. Wenn dem so ist, sollte dieses Experiment unverzüglich und zugunsten einer weniger komplexen Spieltaktik beendet werden. Es nützt nämlich nichts, wenn sie es am 30. Spieltag einigermaßen beherrscht, wir dann aber bereits 25 Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz haben.

Die Außenverteidigerpositionen waren in der letzten Saison bereits eine Dauerbaustelle. Hört sich ein bisschen nebensächlich an – Außenverteidiger. Nicht erst seit der Diskussion um Marcel Schmelzer wissen wir jedoch, dass Außenverteidigern im modernen Fußball eine exorbitant wichtige Rolle zukommt. Will man nicht permanent lange Bälle auf den Wide Receiver Mittelstürmer Mijo Tunjic schlagen müssen, sind sie für den Spielaufbau von kaum zu überschätzender Bedeutung. Spielaufbau bedeutet aber vor allem: sie müssen (als Minimalqualifikation) hohe Ball- und Passsicherheit mit gutem Zweikampfverhalten verbinden. Beides Attribute die momentan weder Czichos noch Ofosu-Ayeh auszeichnen. Hier ist guter Rat teuer, aber ich würde derzeit eher gelernte Mittelfeldspieler für diesen Positionen aufbieten. Baumgarten beispielsweise wäre einen Versuch wert.

Alle Mannschaften im Abstiegskampf haben ein spezifisches Dilemma, so auch der RWE. Nach schlechten Leistungen müsste die Mannschaft auf einigen Positionen umgebaut werden (wie z.B. in der Außenverteidigung). Diese permanenten Wechsel wiederum unterbinden jede Möglichkeit des Einspielens unter Wettkampfbedingungen. Das wäre notwendig, um Automatismen und Konstanz im Spiel zu etablieren. Ein Teufelskreis, um den ich Alois Schwartz nicht beneide.

Landespokal: Jena vs. Erfurt 0:1 / Mit Herz und Hirn

Oumari und Möckel haben alles im Griff © www.fototifosi.de

Der baumlange Jena-Fan vor mir kannte sich erstaunlich fundiert mit den Spielern des RWE aus. Wenn er das verhasste Team aus der Landeshauptstadt nicht gerade lautstark schmähte, klärte er seinen Nachbarn recht detailliert über Stärken und Schwächen unserer Spieler auf. Als in der 85. Minute Morabit für Baumgarten eingewechselt wurde, lautete sein Kommentar: «Jetzt kommt der doch noch, das ist gar nicht gut.» Wie recht er damit haben sollte, zeigte sich nur vier Minuten später. Oumari spielte einen langen Pass auf den besten Erfurter Stürmer. Dieser täuschte eine Ballannahme vor, ließ das Spielgerät jedoch auf Tunjic durchlaufen, der mittels dieser Finte allein auf Berbig zulaufen und vollenden konnte. Ich will dieses Durchlaufen lassen des Balles jetzt nicht zur Heldentat stilisieren, aber die fußballerische Raffinesse die in diesem Move von Morabit lag, fehlte dem Angriffsspiel des RWE bis dahin. (Leider sieht man diese gedankenschnelle Gewitztheit auf den mdr-Bildern nicht wirklich. Ich stand hinter dem Tor, dort erkannte man sofort, dass die Bewegung pure Absicht war.)

Um es etwas überspitzt zu formulieren: Morabit ist derart wichtig für den RWE, dass er selbst ohne Ballberührung ein Spiel mitentscheidet.

Bis zu diesem Zeitpunkt (also quasi über die volle Spielzeit) war der RWE in allen Belangen die bessere Mannschaft. Aber eben nicht deutlich besser, sondern nur graduell. Nicht genug jedenfalls, um es auf die Anzeigetafel zu schaffen. Dass Jena laufen, kämpfen und grätschen würde, konnte angesichts eines Pokalspiels und der fanatischen Kulisse kaum überraschen. Es war das Spiel der Saison für den FCC. Nicht zu übersehen war ebenfalls, dass Petrik Sander ein ziemlich guter Trainer ist. Alles, was so halbwegs unabhängig von der individuell-technischen Qualität der Spieler trainiert werden kann, stimmte im Spiel der Jenaer: aggressives Zweikampfverhalten, kompakte Raumaufteilung, Defensiv-Offensiv-Balance.

Trotz der defensiven Konstanz des FCC erarbeitete sich der RWE gute Möglichkeiten. Drexler und Möckel scheiterten in der ersten Halbzeit an Berbig und am Pfosten, Möhwalds Heber verfehlte in Halbzeit zwei das Tor nur um Zentimeter. Das Team von Alois Schwartz verlor zu keinem Zeitpunkt des Spiels den Überblick und die Kontrolle, ließ sich weder von der Kulisse noch von der robusten Zweikampfführung der Jenaer beeindrucken. Oumari, Möckel und Rickert spielten routiniert und fehlerfrei, erleichtert wurde ihnen das allerdings von der Kompaktheit des Erfurter Mittelfeldes. In der spielentscheidenden Zone des Platzes regierte meist der RWE mit Engelhardt, Pfingsten-Reddig und Baumgarten. Folgerichtig kamen oft nur lange und ungenaue Zuspiele in Richtung der Jenaer Angreifer, die unsere Verteidigung meist mühelos abfangen konnte.

Allerdings hatte der RWE ebenfalls gravierende Probleme im Offensivspiel. Zu häufig wurden schwer zu verarbeitende lange und oder hohe Bälle gespielt. Wenn einmal über mehrere Stationen und mit Raumgewinn kombiniert wurde, fehlte es oft an der Präzision beim finalen Zuspiel in die torgefährliche Zone. Ebenso häufig wurde der Ball vorher schon vertändelt, nicht selten spielte dabei der spätere Torschütze eine kaum zu übersehende ungute Rolle. Fluides Kurzpassspiel verlangt von allen Beteiligten eine hohe Passgenauigkeit – bisher keine ausgeprägte Eigenschaft von Mijo Tunjic. Er hat – wie man in der 89. Minute sehen konnte – seine nachweislichen Stärken im Strafraum, wird er dort gut in Szene gesetzt, macht er Tore.

Fazit: Der RWE hat dieses Pokalviertelfinale verdient gewonnen. Nicht weil die Mannschaft brillant kickte. (Aber damit war bei einem realistischen Blick auf die Dinge kaum zu rechnen.) Sondern weil sie über 90 Minuten konzentriert und engagiert Fußball spielte, ohne Arroganz, dafür mit Herz und Hirn. Eigenschaften, die am Samstag in Münster erneut dringend benötigt werden.

SpVgg Unterhaching vs. FC Rot-Weiß Erfurt 2:2 / Es lebt!

Besser als anders herum: Drexler im Aus, Ball im Tor © www.fototifosi.de

Das war dann wohl die Woche der kuriosen Fußballspiele. Nach dem genial-desaströsen Auftreten der Nationalmannschaft legten auch die SpVgg Unterhaching und der RWE ein Spiel hin, das man so nicht alle Tage sieht.

Ich war neugierig, wie RWE-Trainer Alois Schwartz den Ausfall von Engelhardt und Strangl zu kompensieren gedachte (böse Zungen behaupteten, da gebe es nicht viel zu kompensieren). Auf die von ihm gewählte Variante – mit Bernd Rauw – wäre ich nicht gekommen. Je nach Geschmack konnte man auf eine 4-5-1 oder 4-1-4-1-Formation erkennen. Ich tendiere nach wie vor der Auffassung zu, dass der RWE mit drei Sechsern agierte, die leicht unterschiedlichen Aufgaben nachgingen. Rauw fungierte ausschließlich als Abräumer vor der Abwehr, während Baumgarten, vor allem aber Pfingsten-Reddig, sich außerdem um den Spielaufbau bemühen sollten. Hat das funktioniert? So lala, würde ich sagen. Dafür, dass drei Leute im zentralen Mittelfeld positioniert waren, sahen die Innenverteidiger doch ganz schön häufig die Unterhachinger Stürmer unbedrängt auf sich zu laufen. Pfingsten-Redddig tat die defensive Absicherung trotzdem gut. Er machte sein bestes Spiel seit Langem und auch Baumgartens Debüt in der Startelf bot Anlass zur Hoffnung. Großartig sein geistesgegenwärtiges und exaktes Zuspiel auf Tunjic vor dem Ausgleich zum 1:1. Das eigentlich ein 3:1 hätte sein müssen. Nach ausgeglichenem Spiel in der ersten Phase der Partie, dominierte der RWE die Begegnung und ließ sich auch von der Führung der Oberbayern nicht wirklich irritieren. Schon aus fußballästhetischen Gründen hätte Möhwalds Seitfallzieher eine numerische Entsprechung auf der Anzeigetafel verdient gehabt. Von Tunjics Großchance nach dem besten RWE-Angriff, via Pfingsten-Reddig und Drexler, ganz zu schweigen. Es war zum Verzweifeln. Allerdings: In unserer Situation ist Verzweiflung bereits ein mentaler Fortschritt. Allemal besser, als ob der gezeigten Leistungen in katatonische Starre zu fallen, wie zuletzt geschehen. Dann kam es dennoch, wie es kommen musste. Zwei haarsträubende Fehler, an denen Rickert beide Male hauptdarstellerisch beteiligt war, sorgten für die fast schon absurde 2:1-Halbzeitführung der Gastgeber.

Offensichtlich hatte die Mannschaft in der Pause die Anweisung erhalten, nicht unkontrolliert nach vorne zu spielen, um dem Unterhachinger Konterspiel zu entgehen. Sie hielt sich daran, wenngleich mit einem anderen Resultat als geplant. Nun brachte der RWE offensiv überhaupt nichts mehr zustande. In dieser Phase des Spiels machten die Gastgeber deutlich, dass Tabellen nicht lügen, erspielten sich mehrere großartige Torgelegenheiten (einschließlich Elfmeter), die allesamt ebenso großartig von Rickert vereitelt wurden. Mit der Einwechslung von Ahrens und Temür schaltete Schwartz dann doch auf den Kamikaze-Modus. Wie zwei Rummelboxer mit heruntergelassener Deckung drosch man nun aufeinander ein und der RWE hatte den besseren Punch. Drexler kam im Strafraum nicht sehr mittig und eher zufällig in Ballbesitz, umkurvte Riederer, was seine Lage zum Tor fast aussichtslos werden ließ – und traf in selbiges. Mit artistisch anmutender Körperkontrolle, zum insgesamt verdienten Ausgleich für den RWE. Würde mich nicht wundern, wenn er nach der Saison zum Cirque du Soleil in die Zirkus-Championsleague wechselt. Grandioser Treffer.

Fazit: ein unterhaltsames Gagaspiel. Die erste Hälfte wird von Erfurt (zumindest nach Großchancen) eindeutig beherrscht und 1:2 verloren. In Halbzeit zwei dominiert Haching ebenso handfest und muss dennoch den Ausgleich hinnehmen. Der RWE wusste in einige Phasen des Spiels sogar fußballerisch zu überzeugen und hat zwei Mal einen Rückstand wettgemacht. Aber Vorsicht! Der Verein, seine Fans und sein Blogger wähnten sich nach den Spielen gegen Aachen, Dortmund, Saarbrücken und Offenbach schon einmal auf dem Weg der Genesung, nur um dann erneut vom Laster überrollt zu werden. Noch eine Niederlagenserie kann man sich nicht leisten, denn dann wird aus einer prekären Situation schnell eine aussichtslose.

RWE vs. Stuttgarter Kickers 0:3 / Angst essen Verstand auf

Wie es um den FC Rot-Weiß Erfurt steht, konnte man an den Gesichtern der Zuschauer in meiner Nähe gut ablesen. Quasi: 50 Shades of Fassungs-, Rat- und Hoffnungslosigkeit. Die meisten litten eher still vor sich hin. Bei einigen gewann man den Eindruck sie schauen einem rasanten Tennisspiel zu, so regelmäßig wie sie ihren Kopf schüttelten. Andere, wenige, machten es wie immer und konzentrierten ihren Unmut auf die üblichen Verdächtigen: Tunjic, Pfingsten-Reddig, Engelhardt, Bertram, etc.

Selbst eine kurze taktische Analyse fällt schwer, auch weil ich das Gefühl habe, dass diese niemanden wirklich interessiert. Woher aber kommt der leblose Eindruck, den der RWE über die gesamten 90 Minuten vermittelte? Nun, es war offensichtlich, dass Alois Schwatz sehr viel Wert auf das permanente Einhalten der taktischen Grundordnung legte. Dagegen ist per se nichts einzuwenden. Allerdings führte die Angst vor einem Gegentreffer dazu, dass sie das gesamte Offensivspiel lähmte. Die Außenverteidiger schalteten sich so gut wie nie in die Angriffe ein, was zu permanenter Unterzahl auf den Flügeln führte. Die Spieleröffnung über das zentrale Mittelfeld wurde von den Kickers dadurch unterbunden, dass zum einen die Passwege zugestellt wurden, manchmal nahm man Engelhardt und Pfingsten-Reddig auch in Manndeckung. Damit blieben nur lange Bälle zur Spieleröffnung übrig. Oft wurden diese von Oumari auf den linken Flügel zu Drexler gespielt. Wenn sie denn mal ihren Adressaten fanden, sah sich Drexler meist zwei oder drei Gegenspielern gegenüber. Ein Überladen seiner Seite mittels der Unterstützung durch die Außenverteidiger (oder die Sechser) fand nicht statt. Das war in der letzten Saison noch anders. Da gab es die Variante der langen Bälle von Caillas auf Morabit (meist auch über links) ebenfalls, allerdings unterstützte damals Pfingsten-Reddig sehr häufig den Außenstürmer, was am Samstag völlig unterblieb.

An dieser Stelle stellt sich die grundsätzliche Frage nach dem Spielplan. Sicher ist es von großem Wert, nicht in Rückstand zu geraten. Und es gibt Gegner in dieser Liga, gegen die ein Unentschieden (auch zu Hause) durchaus ein brauchbares Resultat darstellt. Der Aufsteiger Stuttgarter Kickers zählt in seiner jetzigen Verfassung nicht dazu. Gegen die Jungs aus Degerloch muss ich ein Heimspiel gewinnen wollen. Ohne ein gewisses Maß an Risiko wird das nicht funktionieren. Gegen keinen Gegner. Zu diesem Zweck muss sich eben ein Außenverteidiger in die Flügelangriffe einschalten. Wenn die beiden nominellen Spielgestalter im zentralen Mittelfeld sehen, dass die Innenverteidiger Probleme haben Anspielstationen zu finden, muss sich einer zurückfallen lassen, um diese Aufgabe zu erleichtern. Selbst wenn ich – risikominimierend – auf lange Bälle setze, müssen sich ein Sechser und der zentrale offensive Mittelfeldspieler (Möhwald) vorher auf diese Seite orientieren, damit wenigstens ab und an eine dieser Situationen in einen Erfolg versprechenden Angriff mündet (z.B. über die Eroberung bereits abgewehrter «zweiter» Bälle.)

Wie bereits in den Spielen zuvor brach die Mannschaft nach dem Rückstand komplett auseinander, obwohl Schwartz relativ früh und nur positionsersetzend tauschte. Die Grundordnung blieb (nominell) erhalten, nachdem in den Spielen zuvor die Herausnahme eines Sechser bzw. die Auflösung der Viererkette gleichfalls völlig in die Hose gegangen war. Ich hätte bereits zur Halbzeit Tunjic aus dem Spiel genommen und Drexler in die Mitte beordert, einfach um einen Spieler im Sturmzentrum zu haben, der Bälle festmachen und auf nachrückende Mitspieler prallen lassen kann. Etwas was Mijo Tunjic (bei aller Laufbereitschaft) durchweg nicht gelang (und was wohl insgesamt nicht zu seinen Stärken zählt). Keine Ahnung, ob dies etwas verbessert hätte, aber ich hatte nach 45 Minuten schlichtweg das Gefühl (womit ich kaum der Einzige war), dass wir dieses Spiel verlieren werden, wenn sich nichts ändert.

Wie auch immer, momentan haben die Apokalyptiker Konjunktur. Und gute Argumente. Jedenfalls, wenn man Rechthaberei zum obersten Vereinsziel erklärt. Nach dem jetzigen Stand der Dinge wird zutiefst offenbar, dass Rolf Rombach und seine Jünger mit vielem was sie in den letzten Monaten getan, veranlasst und unterlassen haben grandios falsch lagen. Um das zu erkennen, benötigt es nicht viele Worte, ein Blick auf die Tabelle bzw. auf die Leistung der Mannschaft genügt. Dennoch, wozu genau in der gegenwärtigen Lage ein Machtvakuum beim RWE gut sein soll, erschließt sich mir nicht. Die Forderungen nach einem Rücktritt des Präsidenten (mitsamt seiner zugegeben semiprofessionellen Entourage) sind suizidal. Es existiert momentan keine erkennbare Alternative zu ihm, weder personell und schon gar nicht konzeptionell. Ich weiß, dass viele große Sorgen um die Zukunft ihres Vereins haben und auch, dass es allzu menschlich ist, jemanden für Niederlagen sofort haftbar machen zu wollen. Allerdings: Jegliches hat seine Zeit, und gerade jetzt ist der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für Scharmützel zwischen Fans und Vereinsführung.

Wir werden diese Scheiße gemeinsam durchstehen oder die Zeit des RWE im deutschen Profifußball ist vorerst abgelaufen.

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