Archiv für Rot-Weiß Erfurt

Arminia Bielefeld vs. FC Rot-Weiß Erfurt 2:0 / Kein Almtraum

Noch einer der besten RWE-Spieler: Maik Baumgarten © fototifosi.de

Das war in jeder Hinsicht ein Rückschritt im Kampf um den Ligaverbleib. Der RWE begann solide, was sich aber als wertlos herausstellte. Die Arminia benötigte 20 Minuten um nach den personellen Umstellungen ihre Ordnung zu finden, war dann jedoch die restlichen 70 Minuten die eindeutig bessere Mannschaft. Schade, dass Möckels Fallrückzieher in der achten Minute nicht den Weg ins Tor fand. Rückblickend betrachtet, wäre eine frühe Führung des RWE wohl die einzige Möglichkeit gewesen, auf der Bielefelder Alm etwas mitzunehmen. Alois Schwartz vertraute derselben Mannschaft wie im Heimspiel gegen Osnabrück. Allein, das Auftreten des Teams war ein völlig anderes. Ich würde sagen, dass dieses Spiel da verloren wurde, wo Spiele fast immer gewonnen oder verloren werden: im Mittelfeld. Was im letzten Spiel taktisch gut funktionierte, ging dieses Mal völlig daneben. Die Arminia wich dem kompakten zentralen Mittelfeld des RWE geschickt aus und legte ihr Spiel konsequent über beide Flügel an. Dort und auf den Halbpositionen wurde ständig Überzahl hergestellt. Damit hatte sich Arminia-Trainer Krämer einen klugen Matchplan zurechtgelegt, und seine Mannschaft war in der Lage diesen – nach anfänglichen Problemen – umzusetzen. Augenfälliger Unterschied: Das Spiel der Arminia war strukturell darauf angelegt, Angriffe über die Außenpositionen vorzutragen. Beide Außenverteidiger standen sehr hoch, hielten konsequent die Außenlinie und verliehen dem Spiel ihrer Mannschaft auf diese Weise sowohl Tiefe als auch Breite. Gemeinsam mit dem ballnahen Sechser und oft unterstützt von einem abkippenden Stürmer ergaben sich so immer wieder Passdreiecke, die der RWE nicht zustellen konnte. In Folge waren Möckel und Oumari oft genötigt herauszurücken, was gravierende, teils scheunentorgroße Lücken in die RWE-Abwehr riss.

Und dann sah man auch sofort, warum der RWE da steht, wo er tabellarisch momentan zu finden ist. Sobald die Mannschaft defensiv unter Druck gerät, sinkt die Passqualität dramatisch. Angefangen bei den in der letzten Woche (zurecht) hochgelobten Routiniers Engelhardt und Pfingsten-Reddig, bis hin zum Mittelstürmer, die Bälle wurden reihenweise hektisch verschludert. (Am besten gefiel mir noch Maik Baumgarten.)

Eine Niederlage in Bielefeld ist kein Beinbruch, und niemand durfte damit rechnen, dass der RWE eine nicht enden wollende Siegesserie startet. Allerdings, die weitgehende Chancenlosigkeit in diesem Spiel war ernüchternd. Ich hätte mir gewünscht, dass Schwartz bereits zur Halbzeit personell, vor allem aber taktisch umstellt. Das ist unterblieben. Jedoch muss man dem Trainer zugute halten, dass er sich bessere Außenverteidiger nun Mal nicht schnitzen kann. Diese seit langem bekannte, offensichtliche Qualitätslücke nicht längst geschlossen zu haben (ja, es nicht mal versucht zu haben), ist und bleibt kein Glanzstück der hierfür Verantwortlichen. Die nächsten Wochen werden bretthart, der Druck auf die handelnden Protagonisten wächst.

Optimistischere Schlussworte wollen mir heute partout nicht in den Sinn kommen. Totzdem, an alle Karnevalisten: Helau, Alaaf und so.

FC Rot-Weiß Erfurt vs. VfL Osnabrück 2:1 / Die Stunde der Veteranen

Sekunden vor der Entscheidung: Nielsen wartet auf Engelhardt © fototifosi.de

Er ist noch nicht fit genug, um 90 Minuten Drittligafußball spielen zu können. Sobald er es aber ist, werden die Anhänger des FC Rot-Weiß Erfurt noch viel Freude an ihm haben. Die Rede ist von Morten Nielsen, dem dänischen Neuzugang. Woher ich das weiß? Nun, ich weiß es natürlich nicht wirklich. Sagen wir, es ist eher so eine Ahnung. Das geht doch jedem zuweilen so; man sieht einen Spieler und denkt sofort: Das passt! Ist aber schon länger her, dass sich bei einem neuen RWE-Spieler diese Ahnung einstellte. Lässt sich in diesem Fall sogar exakt datieren – auf den 12.07.2011, als Smail Morabit im Testspiel gegen Werder Bremen am Steigerwald debütierte.

Mir hat die Vorbereitung des Siegtreffers durch den Dänen sehr imponiert, vor allem wegen der Dinge, die Morten Nielsen nicht tat. Als er den Ball von Morabit in den Fuß gespielt bekommt, wird er nicht hektisch. Er versucht des Weiteren nicht, nach innen zu ziehen und selbst zu schießen, genauso wenig probiert er es mit einem Alibizuspiel auf die beiden im Strafraum befindlichen, jedoch abgedeckten, Mitspieler. Während in der Szene alle anderen beteiligten Spieler nur auf den Ball starren, hat er den Kopf oben, sieht Engelhardt heranstürmen, verzögert kurz und legt das Spielgerät exakt in den Raum des Spielfeldes, der für den VfL in diesem Moment nicht zu verteidigen ist. Marco Engelhardt vollendet mit einem der spektakulärsten Tore der jüngeren Erfurter Fußballgeschichte. Selten war ein Sieg so verdient und zugleich so überlebensnotwendig – wie die Resultate einiger Konkurrenten um den Ligaverbleib zeigen sollten.

Das alles war um 13.59 Uhr nicht absehbar. Zur Liste der langzeitverletzten, rekonvaleszenten und gesperrten RWE-Spieler gesellte sich kurzfristig noch Dominick Drexlers Name. Ich war nicht amused. Alois Schwartz wohl ebenfalls nicht – er war zu massiven personellen Umbauten seiner Startelf gezwungen. Was er nicht veränderte, war die taktische Grundordnung. Engelhardt übernahm die defensive Position im zentralen Mittelfeld von Oumari  – der für den gesperrten Kopilas in die Innverteidigung rückte. Neben Pfingsten-Reddig spielte Baumgarten – und der Youngster machte seine Sache ausgesprochen gut. In welche taktische Notation lässt sich die Formation des RWE eigentlich fassen? Nun ja, der eine sagt so, der andere so. Für transfermarkt.de war es ein 4-2-3-1, für den Kicker ein 4-3-3. Der Kicker hat mehr recht. In der offensiven Ordnung ist es eindeutig ein 4-1-4-1. Engelhardt (oder Oumari) spielen absichernd zwischen den zwei Viererketten. Das erlaubt es Nils Pfingsten-Reddig in der Vorwärtsbewegung viel höher zu agieren (quasi als Mischung aus Achter und Zehner), wovon das Angriffspiel des RWE am Samstag ungemein profitierte. Das verlangt unserem Kapitän jedoch einen enormen läuferischen Aufwand ab, da er sich bei Ballverlusten schnell nach hinten orientieren muss. Dann wird aus dem 4-1-4-1 ein System mit drei Sechsern, eben jenes vom Kicker erkannte 4-3-3. Die Taktiknerds sprechen in solchen Fällen von einer Hybridformation. Fußball hat schon lange aufgehört ein einfaches Spiel zu sein.

Nach der frühen Führung des VfL zeigte sich schnell, dass der RWE im Winter 2013 nicht mehr die Mannschaft des ersten Saisondrittels ist. Von Panik und Ratlosigkeit keine Spur. Stattdessen wurde kämpferisch und fußballerisch alles unternommen, um sofort zurück ins Spiel zu finden. Pfingsten-Reddigs Können und Abgebrühtheit bei Elfmetern beginnt, historische Dimensionen anzunehmen. Bei nächster Gelegenheit mache ich mir mal die Arbeit, die besten Trefferquoten im deutschen Profifußball auszurechen – da ist er von der Spitze nicht mehr sehr weit weg, wenn überhaupt. Wie wichtig es ist, Elfmeter zu variieren, vor allem aber konzentriert zu schießen, konnte man sich am Sonntag bei Blaszczykowskis zweitem Elfmeter anschauen. Der verlässt sich immer darauf, dass er den Torhüter «ausguckt». Wenn dies nicht gelingt – und der Torwart in die richtige Ecke springt, dann hält er ihn oft auch, weil die Qualität des Schusses miserabel ist. Ganz anders bei Pfingsten-Reddig: Kein Keeper der Welt hält diesen Ball – scharf, hoch, platziert in die linke Torwartecke. Ein Weltklasse-Strafstoß.

Wenn der VfL Osnabrück gefährlich vor das von Sponsel gut gehütete Tor des RWE kam, dann war fast immer ein Spieler beteiligt, der bis Juni noch im Trikot der Erfurter auflief – wenn er denn mal auflief. Und den man dann sang- und klanglos aus seinem noch laufenden Vertrag gen Osnabrück ziehen ließ. Gaetano Manno wird in dieser Saison bei der Rangliste von kicker.de als notenbester Stürmer (und insgesamt zweitbester Feldspieler) der 3. Liga geführt. Warum das so ist, konnte am Samstag sehen, wer es sehen wollte. Nach der letzten Saison wurden viele Fehler gemacht, einer der größeren war, sich in der Einschätzung der fußballerischen Wertigkeit eines Gaetano Manno grundsätzlich geirrt zu haben.

Die Absenz von Kopilas merkte man nicht nur der RWE-Abwehr an, seine physische Präsenz fehlte auch bei Standards in der gegnerischen Hälfte, die allesamt von der VfL-Abwehr problemlos entsorgt wurden. Oumari agierte ungewohnt fahrig, Möckel solide, leistete sich allerdings einige Fehler im Spielaufbau. Die größte Baustelle der Mannschaft von Alois Schwartz bleibt die rechte defensive Außenbahn. Ofosu-Ayeh wusste zwar durchaus in der Offensive in einigen Szenen zu gefallen, kam mit Manno aber überhaupt nicht klar, was dessen starke Leistung natürlich noch zusätzlich animierte. Czichos spielte unauffällig, was ich als Kompliment verstanden wissen möchte. Thomas Ströhl ist für mich die größte positive Überraschung der bisherigen Saison. Mit seinem Comeback im Profifußball hatte ich nicht mehr gerechnet. Aber, ich bin ja nicht der Vatikan, hier werden Urteile schon mal nach weniger als tausend Jahren revidiert. Schade, dass er nicht wenigstens eine seiner beiden Großchancen nutzen konnte. Bei der Zweiten (nach kluger Vorarbeit Ofosus) sah man allerdings, dass sein rechter Fuß exklusiv dafür gut ist, nicht umzufallen.

Doch dieser Text soll nicht als gebloggte Krümelkackerei enden. Unterm Strich war es ein großartiger Sieg des RWE über einen starken Gegner. Wenn die Mannschaft sich weiter so entwickelt, dann bleibt uns vielleicht doch ein Zittern bis zum Ende erspart. Und dieser Däne, ihr werdet es erleben, wird daran einen erfreulichen Anteil haben.

Rot-Weiss Erfurt vs. Hallescher FC 2:1 / Keine Luftgitarre

Das war eine gute Woche für den Fußballclub Rot-Weiß Erfurt. Erst wurde Präsident Rolf Rombach mit einem erstaunlichen Resultat im Amt bestätigt. Dann bestätigten die angestellten Kicker ihren Willen und ihre Fähigkeit, den Verein in der 3. Liga zu halten. Am Verdienst dieses Sieges gegen den Halleschen FC sind Zweifel unangebracht, selbst wenn er am Ende glücklich zustande kam.

Ich war sehr gespannt, wie RWE-Trainer Alois Schwartz mit dem Ausfall Morabits und dem personellen Überangebot überzeugend spielender Innenverteidiger umzugehen gedachte. Er ließ sich etwas Überraschendes einfallen: Oumari wurde als rein defensiver Sechser aufgestellt, während Pfingsten-Reddig und Engelhardt deutlich davor agierten. Mittels Oumaris Absicherung sollten sie mehr Druck nach vorn entfalten, um auf diese Weise Morabits Ausfall zu kompensieren. Das gelang zufriedenstellend. Oumari merkte man nicht an, dass er diese Position zum ersten Mal spielte, er gewann viele Zweikämpfe und leistete sich nur wenige Abspielfehler. Nach Ströhls Auswechslung stellte er seine Polyvalenz endgültig unter Beweis, als er für diesen auf die linke Seite der Viererkette wechselte. Engelhardt und Pfingsten-Reddig schlugen manchen klugen Pass nach vorne, leisteten sich aber auch das ein oder andere nicht ungefährliche Fehlabspiel. Aber der HFC war am Samstag nicht die Mannschaft, dies verwerten zu können. Ich wette darauf, dass wir diese Aufstellung im Mittelfeld, taktisch wie personell, nicht zum letzten Mal gesehen haben.

Ofosu-Ayeh verbrachte auf der rechten Abwehrseite einen ruhigen Nachmittag, was er leider nicht für eine aktivere Rolle im offensiven Flügelspiel zu nutzen wusste (oder durfte). Wenn der HFC über die Außen kam, dann mit dem sehr gefälligen Lindenhahn auf der anderen Seite. Dort hatte Ströhl große Mühe den quirligen Angreifer zu kontrollieren. Er wurde allerdings auch oft allein gelassen. Möckel und Kopilas absolvierten ihre defensiven Aufgaben routiniert und waren bei quasi allen eigenen Standards in der Hälfte des HFC präsent. Diese Präsenz sollte am Ende spielentscheidend werden. Tunjic zeigte sich deutlich verbessert. Es gelang ihm, einige Bälle im Angriff zu behaupten und zu verteilen. Er leistete sich nur wenige leichte Abspielfehler. Leider blieb ihm ein Tor versagt. Ganz ohne Zweifel war dies einer der besten Auftritte von Mijo Tunjic im Trikot des RWE.

Eines wird zudem immer offensichtlicher. Alois Schwartz baut auf Standards. Wir haben am Samstag 10 Ecken zugesprochen bekommen, gut die Hälfte davon war von brauchbarer Qualität. Das ist – gemessen an der Vorsaison – ein guter, fraglos aber noch steigerungsfähiger Wert. Doch die Qualität der Eingaben ist das eine, die Qualität der potenziellen Abnehmer ist mindestens ebenso relevant. Und hier hat sich gewaltig etwas zum Besseren verändert. Allein die körperliche Präsenz von Möckel, Kopilas und Oumari im gegnerischen Strafraum ist beeindruckend. Kein Zufall, dass dem Siegtor ein gewonnener Kopfball von Möckel vorausging, der (über kleine Umwege) Öztürk den Ball vor die einschussbereiten Füße geraten ließ und den Fans des RWE einen versöhnlichen Abschluss dieses aufgeregten und aufregenden Fußballjahres bescherte.

Ich wünsche Euch und Euren Familien ein richtig schönes Weihnachtsfest und einen rundum gelungenen Start ins Neue Jahr. Je nach persönlichem Temperament: besinnlich, fröhlich oder knallig laut.

Bedanke möchte ich mich für die Treue aller Leser dieses Blogs und die durchweg positive, sehr freundliche Resonanz. Bleibt mir gewogen.

Fedor Freytag

RWE vs. SV Wehen Wiesbaden 2:2 / Stabil auf der Intensivstation

Vom Punkt nicht zu stoppen: Nils Pfingsten-Reddig © www.fototifosi.de

Alois Schwartz hatte vor dem Spiel gewarnt. Wehen Wiesbaden sei fußballerisch besser als Rostock und gehöre eigentlich in gehobenere Regionen der Tabelle. Diese Einschätzung des RWE-Cheftrainers erwies sich als richtig. Mir ist es ein Rätsel, wie eine technisch so talentierte und taktisch reife Mannschaft sich Sorgen um den Ligaverbleib machen muss. Ist aber nur eine von vielen Fragen rund um diese seltsame 3. Liga. Und an dieser Stelle naturgemäß nicht die wichtigste.

Wieso die Fans des FC Rot-Weiß Erfurt um den Erhalt des Profifußballs in ihrer Stadt bangen müssen, ist vergleichsweise einfach zu beantworten. Das Spiel am vergangenen Samstag bot besten Anschauungsunterricht. Ohne Zweifel, Alois Schwartz ist es gelungen, die Mannschaft zu stabilisieren. Die Frage ist jetzt, ob das dabei erreichte Niveau ausreichen wird, die Klasse zu halten. Sagen wir so: es könnte eng werden. Schwartz hat – sieht man von Änderungen aufgrund von Sperren und Verletzungen ab – seine Mannschaft und sein System gefunden. Der RWE hat in den letzten 5 Spielen nicht verloren und 9 Punkte geholt. Da die anderen Vereine in ähnlich prekärer Lage die unschöne und enervierende Angewohnheit haben ebenfalls Punkte zu sammeln, befinden wir uns aber wieder auf einem Abstiegsplatz. Die Leistung der Mannschaft ist fragil. Jede Substanzeinbuße bedeutet Punktverluste. Oumaris Ausfall war am Samstag nicht zu kompensieren. Weder defensiv noch offensiv. Seine beiden Innenverteidiger-Kollegen koproduzierten einträchtig den Elfmeter für Wiesbaden zum 2:2-Endstand. Erst Möckel mit einem Pass direkt aus der Hölle, dann Kopilas mit einem Zweikampfverhalten selben Ursprungs. Ich weiß, es ist nicht lange her, da hatte ich dem Duo Morabit und Drexler noch die Qualität einer RWE-Lebensversicherung zugesprochen – leider waren ihre Leistungen in den letzten beiden Heimspielen nicht durchweg geeignet, diese optimistische Prognose besonders plausibel erscheinen zu lassen.

Trotzdem, Möckel, Kopilas, Drexler und Morabit sind ganz eindeutig nicht das Problem der Mannschaft. Sie machen Fehler und/oder leisten sich schwächere Spiele, aber im Grunde gehören alle unbestritten zu den Leistungsträgern des Teams.

Es gibt allerdings zwei Positionen, bei denen ich den Langmut und das Zueinander-Finden-Lassen von Alois Schwartz nicht verstehe. Die eine betrifft die rechte Seite der Viererkette, momentan konstant besetzt mit Phil Ofosu-Ayeh. Defensiv werden uns derzeit die Schwächen auf dieser Seite von jedem Gegner um die Ohren gehauen. So auch am Samstag bei der Führung des SVWW, als sich Ofosu einen schlimmen Stellungsfehler leistete und wirkungslos im Niemandsland herumstand, als die torvorbereitende Eingabe über seine Seite erfolgte. Offensiv ist die mangelnde Passgenauigkeit unseres Rechtsverteidigers bereits in der vergangenen Saison ein steter Quell meiner Frustration gewesen. Daran hat sich leider nichts zum Besseren verändert. Warum, frage ich mich, sitzt beispielsweise Maik Baumgarten nur auf der Bank. Klar, die Position wäre für ihn ungewohnt, aber der Junge ist in der Lage mit neuen Situationen gut und schnell fertig zu werden. Und, mal ehrlich, so gewaltig ist das Risiko einer Verschlechterung nicht.

Die zweite eklatante Schwachstelle ist für mich Mijo Tunjic im Sturmzentrum. Es ist unstrittig: er läuft viel, er kämpft, gibt nie auf, wirft sich in jeden Ball. Ja, ja, ja. Aber, ein Zuspiel auf ihn bedeutet oft auch das abrupte Ende eines Erfurter Angriffs. Worin seine Fähigkeiten liegen, kann man erkennen, sobald der Ball im Strafraum ist – mit jeder Faser seines Körpers versucht er das Runde irgendwie ins Eckige zu bugsieren. In solchen Situationen ist er gefährlich. Dies jedoch ist ein Talent, dass beim RWE momentan vergeudet ist. Die Mannschaft erarbeitet sich viel zu wenige solcher Torbelagerungen. Vor allem eine Folge davon, dass das Flügelspiel nicht forciert wird (oder aufgrund mangelnder Qualität nicht forciert werden kann). Wenn aus dem Spiel heraus Gefahr für das gegnerische Tor entsteht, dann meist mit schnellen Kombinationen, die über die Mitte oder die Halbräume vorgetragen werden. Das aber ist nicht das Spiel des Mijo Tunjic und wird es vermutlich nie werden. Weshalb er bei diesen Gelegenheiten oft wie ein Fremdkörper agiert. Alternativen? Wenige! Dazu alle verbunden mit mehr oder weniger großen Umbauten in der Mannschaft. Hier muss in der anstehenden Transferperiode gehandelt werden. Ein Stürmer vom Typ des Wiesbadener Wohlfarth sollte eigentlich zu bekommen sein, der erzielt zwar auch nicht in jedem Spiel fünf Tore, ist aber in der Lage, Bälle sicher zu behaupten und auf nachrückende Spieler zu verteilen.

Bilanz: Spielerisch war der SV Wehen Wiesbaden die klar bessere Mannschaft. Der RWE konnte mit den vorhandenen Kontergelegenheiten wenig anfangen, kämpferisch wusste die Mannschaft von Alois Schwartz allerdings erneut zu überzeugen. Pressing und Gegenpressing funktionierten zufriedenstellend. Wurde der Ball dem Gegner abgenommen, fehlte es jedoch meist an allem, was den Aufwand eines Pressings rechtfertigt: schnelles, entschlossenes Umkehrspiel, verbunden mit hoher Passgenauigkeit bei gut abgestimmten Laufwegen. Zwei Standardtore mussten her, sonst hätten wir das Spiel verloren. Auf der anderen Seite konnte der SVWW mit seinem spielerischen Potenzial verblüffend wenig anfangen. Vermutlich der Hauptgrund, warum eines der fußballerisch besten Teams der Liga so weit im Süden der Tabelle schmort.

Und wenn ich nicht mehr lachen kann, dann schau‘ ich mir den Nachwuchs an. Sehr frei nach Erich Kästner. Es war schon in der letzten Saison ein probates Mittel – nach dürftigen Leistungen der Profis, ein Spiel der A-Junioren besuchen. Gestern gewann die Mannschaft von Christian Preußer 5:1 gegen den VfL Osnabrück. Der VfL ist Tabellenvierter und hatte bisher in 12 Ligaspielen ganze 11 Tore zugelassen. Spitzenwert in der Nordost-Staffel der Bundesliga. Gestern kamen fünf dazu. Bei eisigen Temperaturen sahen die Zuschauer eine kompakte, spielstarke Erfurter Mannschaft. Felix Robrecht, der im zentralen Mittelfeld defensiv wie offensiv den Takt vorgab, sowie Jonas Nietfeld ragten aus dem Kollektiv noch heraus. Nietfeld steht jetzt bei 9 Saisontoren und 15 Scorerpunkten. Damit führt er beide Liga-Statistiken an.

Was mir ungemein imponiert: Preußer gelingt es wieder, eine Mannschaft sukzessive zu verbessern. Im Vergleich zu den ersten Saisonspielen ist das fast komplett neu zusammengestellte Team kaum wieder zu erkennen. Selbst bei Pressing des Gegners wird versucht, die Situation spielerisch aufzulösen. Pressingresistenz nennen das die Taktikgurus. Die Mannschaft musste die letzte halbe Stunde in Unterzahl agieren. Der VfL machte Druck. Aber selbst während dieser Phase sah man kaum hektisch nach vorn gedroschene lange Bälle.

Ich weiß natürlich, dass man die 3.Liga und die A-Jugend-Bundesliga nur sehr behutsam miteinander vergleichen sollte. Doch genau dieser Mangel an Entwicklung zum fußballerisch Besseren (innerhalb einer Saison wohlgemerkt), nervt mich seit Jahren am Profiteam des RWE. Das war unter Emmerling nicht zu beobachten und daran hat sich leider wenig geändert. Nur, dass der Thrill diesmal existenzbedrohend ist.

FC Rot-Weiß Erfurt vs. Hansa Rostock 1:1

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Ja, was denn nun? War das jetzt Pfingsten-Reddigs 15. (Marco Alles in der Thüringer Allgemeinen) oder 16. Elfmetertor (Thomas Czekalla in der TLZ) seit er für den RWE in der 3. Liga spielt. Fragte sich der Blogger, «recherchierte» selbst und stellte fest: Beides ist falsch. Es war sein 14. Treffer vom Punkt im 15. Versuch (2010/2011 – 7/8; 2011/2012 – 5/5; 2012/2013 – 2/2). Sagt jedenfalls der KICKER – und der ist, was Statistiken angeht über jeden Zweifel erhaben. Ergibt noch immer eine herausragende Quote von 93,3 Prozent. Herausragend deshalb, weil der Durchschnittswert im internationalen Profifußball seit Jahrzehnten stabil bei ziemlich exakt 75 % verharrt.

Ansonsten hatte das Spiel nicht wirklich einen Sieger verdient. Beide Mannschaften lieferten in der Defensive Überzeugendes, offensiv blieben fast alle Wünsche offen. Die Passgenauigkeit im Angriffsspiel des RWE lag bei gefühlten zehn Prozent. Damit konnte man die stabile Hansa-Abwehr so gut wie nie in Verlegenheit bringen. Drexler und Morabit hatten nicht ihren besten Tag und dieses Mal gab es auch keinen singulären Geniestreich, der noch eine Woche zuvor in Darmstadt die drei Punkte bescherte. Kein Beinbruch, am kommenden Sonnabend bereits kann das gegen Wehen Wiesbaden wieder ganz anders aussehen.

Trotzdem ärgerlich, dass wir uns das Gegentor erneut nach einer Ecke einfingen. Und dieses Mal bestätigte die Realität die Statistik. Zwei Drittel aller Tore nach Ecken fallen bei Aktionen über den eckennahen (vulgo: kurzen) Pfosten. Das war auch dieses Mal nicht anders. Von dort wurde der Ball durch einen Rostocker in die Mitte verlängert, wo er im Gewimmel seinen Abnehmer fand. Dieses Mal war die sensible Zone sogar mit zwei Erfurter Spielern abgedeckt, aber sowohl Möhwald als auch Tunjic flogen am Ball vorbei. Die beiden stärksten Erfurter Kopfballspieler Kopilas und Oumari konnten nicht eingreifen, weil sie mit der Manndeckung anderer Angreifer befasst waren. Vielleicht sollte man ernsthaft darüber nachdenken, einen von beiden aus der Manndeckung zu nehmen, umso mehr Stabilität bei der Abwehr von Ecken zu erreichen.

Der Mann des Tages war für mich ohne jeden Zweifel Joan Oumari. Er machte eines seiner stärksten Spiele im Trikot des RWE und verlor so gut wie keinen Zweikampf. Nicht zum ersten Mal machte er sich außerdem mit exakten, langen Bällen um die Spieleröffnung verdient. Ich bin ja grundsätzlich kein Freund von weiten, hohen Zuspielen aus der Abwehr, aber wenn sie die Qualität von Oumaris Pässen haben, kann man so viel dagegen nicht einwenden. Schon gar nicht in unserer Situation. Zudem zeigt er sich in den letzten Spielen deutlich verbessert, was sein taktisches Verhalten betrifft. Noch am Anfang der Saison rückte er situativ oft ins Mittelfeld oder auf die Außenpositionen, verfehlte dann aber den Ball oder verlor den Zweikampf, was zwangsläufig zu Lücken in der Innenverteidigung führte. Das passierte ihm am Samstag so gut wir gar nicht. Wann immer er entschied herauszurücken, klärte er die Situation. Fabelhaft!

Zum Abschluss ein paar Gedanken zur Situation von Alemannia Aachen. Wenn ich es recht verstanden habe, ist der Insolvenzantrag gestellt, das Insolvenzverfahren soll jedoch erst nach Beendigung der Saison eröffnet werden. Laut den Statuten des DFB bedeutet dies einen Zwangsabstieg in die Regionalliga, allerdings darf die laufende Spielzeit zu Ende absolviert werden. Wenn dem so ist (ich das also korrekt verstanden habe), dann ist dies eine äußerst fragwürdige Regelung. Vor der Winterpause sind noch drei Spiele der Rückrunde zu absolvieren. Danach beginnt die Transferperiode. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass Aachen versuchen wird eine Reihe von Leistungsträgern zu verkaufen. Zum einen, um noch ein wenig Kasse zu machen, zum anderen um Personalkosten zu senken. Die Mannschaft vor der Winterpause wird mit der Mannschaft nach der Winterpause nicht mehr allzu viel gemeinsam haben. Was aus wirtschaftlicher und insolvenzsrechtlicher Sicht geboten scheint, ist sportlich nur eins: Wettbewerbsverzerrung. Wenn feststeht, dass eine Mannschaft formal keine sportlichen Ambitionen mehr in einem Wettbewerb hat (haben darf), dann kann es nur eine Lösung geben: Diese Mannschaft muss sofort aus diesem Wettbewerb entfernt werden und all ihre bisher erzielten Resultate werden annulliert.

Niemanden freut es, wenn ein Traditionsverein pleitegeht. Aber die Alemannia wird sich berappeln, sie wird nicht dauerhaft von der fußballerischen Bildfläche verschwinden. Der Verein bezahlt nun den Preis für sein Fehlverhalten – und das ist mehr als legitim. Es ist gerecht. Es ist gerecht gegenüber den halbwegs solide wirtschaftenden Vereinen, die mit sportlichen Niederlagen dafür bezahlen, dass sie den Gang zum Konkursrichter nicht billigend in Kauf nehmen. Die – wie der RWE – aus der Vergangenheit gelernt haben.

SV Darmstadt 98 vs. RWE 0:1 / Die Mutter aller Arbeitssiege

Da ich heute und in den nächsten Tagen primär mit Rechnungen bezahlender «richtiger» Arbeit vollständig ausgelastet bin, gibt es nur einige knappe Stichworte zum Sieg des RWE in Darmstadt:

  • Fortschritt: Am Sonntag wurde in Darmstadt ein Spiel gewonnen, das der RWE vor wenigen Wochen vermutlich noch verloren hätte.
  • Kontinuität: Die Mannschaft hat für diesen Sieg gefightet. Wie schon gegen Babelsberg und Chemnitz ließ das Team von Alois Schwartz alle kämpferischen Primärtugenden erkennen, die benötigt werden, um in direkten Duellen mit ebenso angeschlagenen Vereinen bestehen zu können.
  • Potenzial: Das war aber nur eine Ingredienz des Erfolges. Kämpferischer Einsatz allein erzielt meist keine Tore. Schor gar nicht so brillant herausgespielte wie den Siegtreffer in Darmstadt: Engelhardt spielt einen wunderbaren One-Touch-Vertikal-Pass auf Morabit, der diesen schneller verarbeitet als die Verteidiger reagieren können. Im selben Moment antizipiert Drexler die Chance, löst sich von seinem Bewacher und wird von Morabit flach und diagonal bedient. Bingo!
  • Parallelen: Für einen Anhänger des RWE war dieses Tor mindestens ebenso schön wie der Jahrhundert-Treffer des Zlatan Ibrahimović zum 4:2 gegen die bedauernswerten Engländer.
  • Unterschiede: Zum ersten Mal seit dem 5:0-Sieg gegen den BVB II standen sowohl Drexler als auch Morabit in der Startelf. Das ist – aus meiner Sicht – enorm bedeutsam für den RWE. Beide sind in der Lage Spiele alleine zu entscheiden, kommen aber umso besser zur Geltung, je öfter sie in einem Spiel ihre individuellen Fähigkeiten in den Dienst des Miteinander stellen. Können sie ihre Form konservieren und bleiben sie in den kommenden Monaten von längeren Verletzungen verschont, wird der FC Rot-Weiß Erfurt nicht absteigen. Ich wiederhole: Nicht absteigen!
  • Entwicklung: Wenn Thomas Ströhl seine erfreuliche Entwicklung auf der linken defensiven Außenbahn fortsetzt, hat sich unser Problem auf dieser Position erledigt. Gegen Darmstadt stand er nicht nur in der Rückwärtsbewegung sehr gut, sondern schaltete sich auch erfolgreich in die Angriffe auf dieser Seite ein. Er setzte somit die positive Entwicklung der letzten Spiel fort.

Am nächsten Sonnabend kommt Hansa Rostock ins Steigerwaldstadion. Eine Mannschaft mit Ambitionen, die jedoch zuletzt gegen den KSC einen deutlichen Dämpfer erhalten haben. Trotzdem erwarte ich die Hanseaten deutlich offensiver (und spielstärker) als zuletzt Babelsberg. Das bedeutet, es wird mehr Raum für die Spielgestaltung geben. In der Vergangenheit war das meist eine gute Ausgangslage für den RWE.

Rot-Weiß Erfurt vs. Babelsberg 1:1 / Ganz normaler Abstiegskampf

Möckel wütet den Ball ins Tor © www.fototifosi.de

Die Geschichte dieses Spiel ist flott erzählt. Der SV Babelsberg geht früh und glücklich in Führung, der RWE erzwingt in der Nachspielzeit der Nachspielzeit den Ausgleich. Dazwischen: jede Menge schlechter Fußball. Auf taktische Details kann verzichtet werden. Eine fußballerisch limitierte Mannschaft wie der RWE tut sich naturgemäß schwer gegen einen versiert und kampfkräftig verteidigenden Gegner. Das war in der letzten Saison bereits so, es ist diese Saison so und daran wird sich in absehbarer Zeit wenig ändern. Im Übrigen teilt sich der RWE dieses Problem mit 80 Prozent aller Teams der 3. Deutschen Profiliga. Mindestens.

Und weil das so ist, und weil so wenig neu daran ist, und weil wir uns seit Beginn dieser Saison im Abstiegskampf befinden, und weil wir schon vier Heimspiele deutlich verloren haben, und weil das gestern Abend anders war, wundert mich die zwischen Wut und Hoffnungslosigkeit changierende Reaktion auf dieses Spiel. In- und außerhalb des Steigerwaldstadions. Die Mannschaft hat den Ausgleich mit allem was ihr zur Verfügung stand erzwungen. Prognosen sind eine schwierige Sache, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen, aber eine will ich mal wagen: Liebe Zuschauer, liebe Foren-Diskutanten – besser ihr gewöhnt Euch gleich an diese Art von Spielen, an diese Art von Fußball, denn daran wird sich bis zum Ende dieser Saison nicht viel ändern. Klar, es wird Spiele geben, in denen der RWE (z.B. nach einer Führung) mehr Raum bekommen wird, aber die gestrige Art von Kampf- und Krampfkick wird es mindestens ebenso oft geben. Es wurde ein Punkt gewonnen, mehr war gestern eben nicht drin. Besser wären drei gewesen, aber der uns bevorstehende brettharte Abstiegskampf verbietet jeden Konjunktiv, sonst lautet er am Ende der Saison in seiner ultimativen Form: Wir hätten den Abstieg vermeiden können.

Am Sonntag wartet der SV Darmstadt 98, die stecken ebenso tief im Schlamassel wie wir. Von der taktischen Grunddisposition her wird dieses Spiel vermutlich etwas leichter für den RWE, weil Darmstadt Heimrecht hat und offensiver agieren muss, als Babelsberg das gestern tat.

Aber, das ist noch nicht alles, was mir heute auf der Seele liegt. Langsam wird es zu einer unguten beschissenen Erfurter Tradition, dass Spieler der eigenen Mannschaft zu Sündenböcken erkoren werden. In der letzten Saison gab es höhnischen Applaus gegen Reichwein, als er während des Heimspiels gegen Wiesbaden ausgewechselt wurde. Jene, die das damals taten, waren zu blöd oder zu besoffen (wahrscheinlich jedoch beides) um zu realisieren, dass der Verhöhnte im selben Spiel zwei Tore vorbereitete. In dieser Saison wurde Tunjic auf ähnliche Weise attackiert (gegen Bielefeld) und gestern traf Marco Engelhardt die Verachtung der Wutbürger. Zunächst kann festgehalten werden: Marco Engelhardt hat kein gutes Spiel gemacht. Damit war er jedoch mitnichten der einzige RWE-Akteur auf dem Platz. Überdies haben wir uns alle von seiner Verpflichtung mehr versprochen, als er bisher auf dem Platz einzulösen in der Lage war. Das wird er selbst, vermute ich, nicht grundsätzlich anders beurteilen. Trotzdem ist er ein wichtiger Spieler dieser Mannschaft. Er hat gekämpft, ist viel gelaufen, sah aber in einigen Szenen unglücklich aus. Zugegeben. Man kann auch verlangen, dass ihm der Trainer eine Denkpause auf der Bank gibt. Alles legitim. Unappetitlich wird es da, wo die Beurteilung einer Leistung mit persönlichen Herabwürdigungen einhergeht. Dafür besteht kein Anlass. Wie sollte ein solcher Anlass auch aussehen? Es ist überdies völlig kontraproduktiv – noch nirgends ist die Leistung eines Spielers durch Schmähungen der eigenen Anhänger verbessert worden. Manchmal habe ich den Eindruck, dass viele Fans sehr schnell mit moralischen Urteilen zur Hand sind, etwa gegen den bösen, verkommenen Profifußball unserer Tage oder die verderbten Boulevardmedien, die «ohne mit der Wimper zu zucken, Existenzen vernichten». Dann aber nicht zögern, vor allem um ihren eigenen Vorurteilen Nachdruck zu verleihen, gnadenlose und beleidigende Aussagen zu treffen. Öffentlich – im Stadion oder anderswo. Es ist nicht lange her, dass wir uns im Fall von Kevin Pezzoni gefragt haben, wie es zu einem solchen Irrsinn kommen konnte. Angesichts des derzeitigen Klimas um die Mannschaft des FC Rot-Weiß Erfurt, scheint mir das nurmehr eine rhetorische Frage.

Jede Fußballmannschaft auf den britischen Inseln wäre für so ein Last-Minute-Tor von all ihren Fans uneingeschränkt gefeiert worden. (Und unsere Fankurve hat das ebenso gehalten.) Klar, sie hätten sich anschließend derbe Witze erzählt über die fußballerische Unvollkommenheit ihrer Lieblinge. Aber in erster Linie wären sie stolz auf ihr Team und seinen Willen gewesen, eine Niederlage zu vermeiden. Die Mannschaft des RWE hat gestern alles gezeigt, was seit Wochen von ihr (zu Recht) gefordert wird: sie hat sich nie aufgegeben, sie hat bis zum Umfallen gekämpft, gewühlt, gekratzt und gebissen. Sie hätte sich dafür mehr als ein lauwarmes kollektives Schulterzucken verdient.

Erfurt vs. Chemnitzer FC 3:2 / Dem Smail sein Wetter

Überragend: Smail Morabit © www.fototifosi.de

Gut, dass ich diese Texte nie direkt nach einem Spiel des RWE schreibe. Bereits vor Ort im Steigerwaldstadion war mir aufgefallen, dass es eine gewisse Diskrepanz zwischen meiner Wahrnehmung und der meiner Begleiter gab. Um es deutlich zu sagen: Ich war, obwohl wir gewannen, überhaupt nicht zufrieden mit der fußballerischen Performance der Rot-Weißen und quengelte entsprechend herum. Wieder zu Hause studierte ich die bereits vorliegenden Presseberichte, las die Foreneinträge – und beschloss, mir das ganze Spiel noch einmal anzuschauen.

Das Resultat dieser inneren Berufungsverhandlung: Der FC Rot-Weiß Erfurt hat ein gutes Spiel abgeliefert und gewann völlig verdient gegen den Chemnitzer FC.

Sinnvolle taktische Umstellung in der Offensive

Mit der Genesung Morabits kalibrierte Alois Schwartz die taktische Ausrichtung des RWE erneut etwas anders. Ich habe Morabit eher als zweiten Stürmer gesehen, der zuweilen sogar noch vor Tunjic stand (vor allem wenn hohe Bälle erwartet wurden, die Tunjic mit dem Kopf verlängern sollte). Engelhardt spielte wiederum einen rein defensiven Sechser, der deutlich absichernd hinter den anderen Mittelfeldspielern agierte. Diese Absicherung wiederum erlaubte Pfingsten-Reddig, Möhwald und Baumgarten viele Freiheiten nach vorn. Die meisten Spielbeobachter sahen dennoch ein 4-2-3-1, ich jedoch schließe mich den Kollegen von transfermarkt.de an, die ein 4-4-2 notierten. Morabit etwas abgesetzt vom Mittelfeld spielen zu lassen war schon deshalb gut, weil so die Ballsicherheit in der Spitze (auch am Samstag nicht Tunjics Stärke) entscheidend verbessert werden konnte. Und manchmal ist sich Smail Morabit eben selbst genug, wie die beiden großartig erzielten Tore beweisen, die er sich im Grunde selber auflegte.

Völlig unterschiedliche Spielanlage beider Mannschaften

Was mich vor Ort im SWS störte, konnte man (wegen der fehlenden Totalen) im aufgezeichneten Livestream des mdr schon nicht mehr ganz so deutlich erkennen: der RWE machte das Spiel auch eng, wenn er selbst im Angriff war. Viel lief in der ersten Halbzeit über die linke Seite (auf die sich auch Morabit oft orientierte). Der rechte Flügel verwaiste dann völlig. Was ich zuerst für eine taktische Fehlleistung hielt, geschah einfach zu häufig, um als solche genommen zu werden. Es war Absicht. Vermutlich. Über die Gründe kann ich nur spekulieren, Tatsache ist: Es hat funktioniert. In diesem Spiel. Die beiden nominell offensiven Außenbahnspieler Möhwald und Baumgarten haben ein prima Spiel gemacht, fußballerisch wie kämpferisch, offensiv wie defensiv. Aber beide sind von Hause aus keine Flügelspieler a la Robbery, sondern in der Wolle gefärbte zentrale Mittelfeldspieler, die tendenziell die Platzmitte für ihr Spiel bevorzugen. Durch die Verdichtung des Spiels im zentralen Mittelfeld gewann der RWE viele «zweite» Bälle und war nach eigenen Ballverlusten in die defensive Umkehrbewegung hinein von den Chemnitzern nur schwer zu überwinden.

Ganz anders der CFC. Bei Ballgewinn in der Defensive orientierten sich alle Flügelspieler sofort vom Ball weg auf die Außenpositionen, um das nun folgende (geplante) Offensivspiel möglichst breit anzulegen. In der ersten Halbzeit war dies weitgehend ein Muster ohne Wert, denn die hochgradige Verdichtung des Erfurter Mittelfelds gepaart mit einer unterirdischen Passquote verhinderten die so möglichen Spielverlagerungen. In den zweiten 45 Minuten und mit der Einwechslung von Makarenko (toller Spieler!) und Semmer war das schon weit gefährlicher. Sträßer war jetzt der gewohnte Taktgeber des CFC-Spiels und verteilte die Bälle gekonnt auf die Außen. Vor allem über die linke Abwehrseite des RWE wurde es jetzt häufig gefährlich. Was aber mit zunehmender Spieldauer auch an Ströhl lag, der seinem physisch aufwendigen, kämpferischen Stil Tribut zollen musste. Erst der kluge Wechsel Engelhardts auf diese Position sorgte dann wieder für mehr Stabilität.

Beide Mittelfeldroutiniers überzeugten

Apropos Marco Engelhardt, apropos erfahrene Leistungsträger. Pfingsten-Reddig und Engelhardt sind in dieser Spielzeit häufig stark kritisiert worden. Da ist es recht und billig beide für ein richtig gutes Spiel auch mal zu loben. Engelhardt als defensiver Sechser erlaubte sich so gut wie keinen Fehlpass, war geschickt im Zweikampfverhalten (wenig Fouls) und war auch in der zentralen Abwehr als Kopfballspieler stets präsent. Pfingsten-Reddig (mehr Achter als Sechser) zeigte sich ebenfalls ungemein zweikampfstark und schlug viele kluge Pässe auf die Offensivspieler. Sie spielten beide 90 Minuten ohne sichtbaren Substanzverlust durch, was bei diesem tiefen Boden und der läuferisch aufwendigen Spielanlage des RWE durchaus bemerkenswert ist. In dieser Form sind beide für den RWE Gold wert.

Nichtige Nebengeräusche

Verglichen mit der Bedeutung des Spiels gegen Chemnitz und dem unmittelbar bevorstehenden gegen Babelsberg sind die beiden «Vorkommnisse» des Spiels an Randständigkeit kaum zu überbieten.

Morabit setzt sich beim Torjubel eine Brille auf und gestikuliert in Richtung Pressetribüne, well ihm die Berichterstattung der FOTO seine Person betreffend missfällt. So what? Diese öffentlichkeitswirksam vorgetragene Form der Gegendarstellung ist sein gutes Recht. Ich habe schon weniger subtilere Formen des Presseprotestes erlebt. Noch ein Tipp, Smail: Da man sich auf die Nahaufnahmen des mdr verlassen kann, solltest Du das nächste Mal eine Hornbrille mit zentimeterdickem Fensterglas parat halten, das erhöht die Aussagekraft der Message. Ansonsten: gute Show!

Drexler wird (ganz) kurz vor Schluss Opfer einer rein taktischen Auswechslung, nachdem er nur etwas mehr als 20 Minuten auf dem Platz war. Um es kurz zu machen – keine glückliche Entscheidung von Schwartz, wie ich finde. Die erste Adresse für einen Wechsel wäre Tunjic gewesen, der sich nach großer Laufleistung kaum noch auf den Beinen halten konnte. Aber, hej, wir spielen gegen den Abstieg, der Verein befindet sich in schwerer See. Alle Beteiligten sollten diese Marginalie ganz, ganz schnell vergessen. Hier will jetzt niemand was von Einzelschicksalen und Befindlichkeiten hören, sehen und wissen. Gegen zuletzt starke Babelsberger wird es ohnehin schwer genug.

Preußen Münster vs. FC Rot-Weiß Erfurt 3:2

Noch einer der Besten: Thomas Ströhl © www.fototifosi.de

«Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!» Hätte Hölderlin den RWE am Samstag kicken gesehen, dieser Satz wäre nie geschrieben worden. Dabei hatte ich mir vorher einiges ausgerechnet. Die Preußen waren drei Ligaspiele sieglos geblieben und lieferten unter der Woche dem FC Augsburg einen ebenso beachtlichen wie kraftraubenden Pokalfight. Als dann jedoch klar wurde, dass Drexler und Möckel nicht auflaufen würden, verflüchtigten sich diese Hoffnungen sofort. Fata Morgana nichts dagegen. Ich war sicher, dass diese Ausfälle nicht kompensiert werden könnten – und behielt leider recht.

Das Endresultat war noch das Beste an der Leistung der Erfurter Mannschaft. Oder das Schlimmste. Es ermöglichte Wilfried Mohren die irreführende Überschrift «Knappe Niederlage nach großem Kampf». Das klingt nach Fußball auf Augenhöhe, nach Hoffnung für die nächsten Aufgaben. Stand jetzt, alles falsch: kein Fußball, keine Augenhöhe, keine Hoffnung. Geschenkt, Mohren ist Pressesprecher des Vereins, er wird dafür bezahlt, das Positive aus jedem Spiel zu destillieren, selbst wenn man dafür ein Elektronenmikroskop benötigt. Im Grunde hat Marco Alles in der heutigen Ausgabe der TA sowohl meine Gemütslage als auch meine Einschätzung des Spiels treffend zusammengefasst: Trostlos.

Dann doch noch einige taktische Anmerkungen:

Seit Beginn der Rückrunde der letzten Saison hat der RWE Probleme bei hohen gegnerischen Standards. Alois Schwartz lässt Ecken mit einer Manndeckung verteidigen, wie das auch schon bei Stefan Emmerling der Fall war. Leicht verständlich: Jedem Spieler wird ein Gegenspieler zugeteilt, es kommt darauf an, gegen diesen das Kopfballduell zu gewinnen oder ihn zumindest entscheidend zu stören. Klappt aber nicht und das tut uns in dieser Saison noch sehr viel mehr weh als in der Letzten. Quasi existenzielle Pein. Christian Preußer hatte auf eine kombinierte Raum-Mann-Deckung bei Ecken umgestellt. Diese trägt dem Fakt Rechnung, dass zwei Drittel aller Tore nach Ecken über den sogenannten kurzen Pfosten erzielt werden. In den Spielen unter Preußer versammelten sich in dieser Zone die kopfballstärksten Erfurter Spieler: Möckel und Oumari. Beim Führungstor von Münster war überhaupt nicht zu erkennen, ob es sich um eine Raum- oder Manndeckung handelte. Es herrschte das pure Chaos im Strafraum. Und Oumari stand völlig wirkungslos am langen Pfosten herum.

Alois Schwartz am 11.09.2012 in der Thüringer Allgemeinen: «Ich bin ein Verfechter der offensiven Verteidigung, um den Gegner unter Druck zu setzen, den Ball zu erobern und schnell in die Tiefe zu spielen. Eher der Dortmunder als der Münchner Stil.» Niemand hier hätte etwas dagegen, wenn der RWE diesen Dortmunder Stil beherrschen würde. Nach dem Spiel in Münster müssen daran allerdings große Zweifel angemeldet werden. Die Mannschaft griff oft mit vier Spielern die Preußen tief in deren Hälfte an. Daran beteiligt waren Tunjic, Baumgarten, der ballnahe offensive Außenbahnspieler und Pfingsten-Reddig. Probleme gab es immer, wenn Münster dieses Pressing umspielen konnte, und dies war häufig der Fall. Dann öffnete sich ein gewaltiges Loch im Mittelfeld des RWE. Es ist immer etwas falsch gelaufen im Fußball, wenn Spieler des verteidigenden Teams mit dem Gesicht zum eigenen Tor Ball und Gegner hinterher rennen. Wie bereits bei einschlägigen Versuchen mit dieser Taktik in der letzten Saison (z.B. in Jena) war der Abstand zwischen der pressenden Offensivreihe und der Viererkette (plus Engelhardt davor) viel zu groß. Jegliche Kompaktheit ging dabei flöten. Das war beim Heimspiel gegen Offenbach noch völlig anders: Da liefen nur Tunjic und Möhwald (als zentraler Offensivspieler) die spielaufbauenden Gegner an, dahinter agierten zwei eng verbundene Viererketten. Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft mit dieser Vorwärtsverteidigung völlig überfordert ist. Wenn dem so ist, sollte dieses Experiment unverzüglich und zugunsten einer weniger komplexen Spieltaktik beendet werden. Es nützt nämlich nichts, wenn sie es am 30. Spieltag einigermaßen beherrscht, wir dann aber bereits 25 Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz haben.

Die Außenverteidigerpositionen waren in der letzten Saison bereits eine Dauerbaustelle. Hört sich ein bisschen nebensächlich an – Außenverteidiger. Nicht erst seit der Diskussion um Marcel Schmelzer wissen wir jedoch, dass Außenverteidigern im modernen Fußball eine exorbitant wichtige Rolle zukommt. Will man nicht permanent lange Bälle auf den Wide Receiver Mittelstürmer Mijo Tunjic schlagen müssen, sind sie für den Spielaufbau von kaum zu überschätzender Bedeutung. Spielaufbau bedeutet aber vor allem: sie müssen (als Minimalqualifikation) hohe Ball- und Passsicherheit mit gutem Zweikampfverhalten verbinden. Beides Attribute die momentan weder Czichos noch Ofosu-Ayeh auszeichnen. Hier ist guter Rat teuer, aber ich würde derzeit eher gelernte Mittelfeldspieler für diesen Positionen aufbieten. Baumgarten beispielsweise wäre einen Versuch wert.

Alle Mannschaften im Abstiegskampf haben ein spezifisches Dilemma, so auch der RWE. Nach schlechten Leistungen müsste die Mannschaft auf einigen Positionen umgebaut werden (wie z.B. in der Außenverteidigung). Diese permanenten Wechsel wiederum unterbinden jede Möglichkeit des Einspielens unter Wettkampfbedingungen. Das wäre notwendig, um Automatismen und Konstanz im Spiel zu etablieren. Ein Teufelskreis, um den ich Alois Schwartz nicht beneide.

Landespokal: Jena vs. Erfurt 0:1 / Mit Herz und Hirn

Oumari und Möckel haben alles im Griff © www.fototifosi.de

Der baumlange Jena-Fan vor mir kannte sich erstaunlich fundiert mit den Spielern des RWE aus. Wenn er das verhasste Team aus der Landeshauptstadt nicht gerade lautstark schmähte, klärte er seinen Nachbarn recht detailliert über Stärken und Schwächen unserer Spieler auf. Als in der 85. Minute Morabit für Baumgarten eingewechselt wurde, lautete sein Kommentar: «Jetzt kommt der doch noch, das ist gar nicht gut.» Wie recht er damit haben sollte, zeigte sich nur vier Minuten später. Oumari spielte einen langen Pass auf den besten Erfurter Stürmer. Dieser täuschte eine Ballannahme vor, ließ das Spielgerät jedoch auf Tunjic durchlaufen, der mittels dieser Finte allein auf Berbig zulaufen und vollenden konnte. Ich will dieses Durchlaufen lassen des Balles jetzt nicht zur Heldentat stilisieren, aber die fußballerische Raffinesse die in diesem Move von Morabit lag, fehlte dem Angriffsspiel des RWE bis dahin. (Leider sieht man diese gedankenschnelle Gewitztheit auf den mdr-Bildern nicht wirklich. Ich stand hinter dem Tor, dort erkannte man sofort, dass die Bewegung pure Absicht war.)

Um es etwas überspitzt zu formulieren: Morabit ist derart wichtig für den RWE, dass er selbst ohne Ballberührung ein Spiel mitentscheidet.

Bis zu diesem Zeitpunkt (also quasi über die volle Spielzeit) war der RWE in allen Belangen die bessere Mannschaft. Aber eben nicht deutlich besser, sondern nur graduell. Nicht genug jedenfalls, um es auf die Anzeigetafel zu schaffen. Dass Jena laufen, kämpfen und grätschen würde, konnte angesichts eines Pokalspiels und der fanatischen Kulisse kaum überraschen. Es war das Spiel der Saison für den FCC. Nicht zu übersehen war ebenfalls, dass Petrik Sander ein ziemlich guter Trainer ist. Alles, was so halbwegs unabhängig von der individuell-technischen Qualität der Spieler trainiert werden kann, stimmte im Spiel der Jenaer: aggressives Zweikampfverhalten, kompakte Raumaufteilung, Defensiv-Offensiv-Balance.

Trotz der defensiven Konstanz des FCC erarbeitete sich der RWE gute Möglichkeiten. Drexler und Möckel scheiterten in der ersten Halbzeit an Berbig und am Pfosten, Möhwalds Heber verfehlte in Halbzeit zwei das Tor nur um Zentimeter. Das Team von Alois Schwartz verlor zu keinem Zeitpunkt des Spiels den Überblick und die Kontrolle, ließ sich weder von der Kulisse noch von der robusten Zweikampfführung der Jenaer beeindrucken. Oumari, Möckel und Rickert spielten routiniert und fehlerfrei, erleichtert wurde ihnen das allerdings von der Kompaktheit des Erfurter Mittelfeldes. In der spielentscheidenden Zone des Platzes regierte meist der RWE mit Engelhardt, Pfingsten-Reddig und Baumgarten. Folgerichtig kamen oft nur lange und ungenaue Zuspiele in Richtung der Jenaer Angreifer, die unsere Verteidigung meist mühelos abfangen konnte.

Allerdings hatte der RWE ebenfalls gravierende Probleme im Offensivspiel. Zu häufig wurden schwer zu verarbeitende lange und oder hohe Bälle gespielt. Wenn einmal über mehrere Stationen und mit Raumgewinn kombiniert wurde, fehlte es oft an der Präzision beim finalen Zuspiel in die torgefährliche Zone. Ebenso häufig wurde der Ball vorher schon vertändelt, nicht selten spielte dabei der spätere Torschütze eine kaum zu übersehende ungute Rolle. Fluides Kurzpassspiel verlangt von allen Beteiligten eine hohe Passgenauigkeit – bisher keine ausgeprägte Eigenschaft von Mijo Tunjic. Er hat – wie man in der 89. Minute sehen konnte – seine nachweislichen Stärken im Strafraum, wird er dort gut in Szene gesetzt, macht er Tore.

Fazit: Der RWE hat dieses Pokalviertelfinale verdient gewonnen. Nicht weil die Mannschaft brillant kickte. (Aber damit war bei einem realistischen Blick auf die Dinge kaum zu rechnen.) Sondern weil sie über 90 Minuten konzentriert und engagiert Fußball spielte, ohne Arroganz, dafür mit Herz und Hirn. Eigenschaften, die am Samstag in Münster erneut dringend benötigt werden.

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